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BildungscampusModerne Bauweise am Siegburger Neuenhof ermöglicht freiere Lernformen

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Neue Gebäudeteile am Bildungscampus Neuenhof in Siegburg: Gelbe Lernflächen

Überall, wo es gelb ist, kann gelernt werden – auch in den Fluren der Schule.

Viele Fenster, viel Licht und Lernmöglichkeiten außerhalb der Klassenzimmer: Der Neubau am Bildungscampus bietet Schülern neue Möglichkeiten. 

Anfang Dezember waren die ersten Schülerinnen und Schüler in den fertigen Neubau am Bildungscampus Neuenhof umgezogen, der Unterricht in Containern nahm für sie ein Ende. Am Freitag präsentierten Bürgermeister Stefan Rosemann, beide Schulleiter, Vertreter des Schulamts und Schülerinnen und Schüler die neuen Gebäudeteile.

In dem modernen Bau mit hohen Fenstern finden Klassenräume, Sekretariate, Verwaltungsräume und Lehrerzimmer sowohl der Alexander-von-Humboldt-Realschule als auch der städtischen Gesamtschule in getrennten Geschossen Platz.

Viel Glas und viel Licht ermöglichen andere Unterrichtsformen

Den Eröffnungstermin einzuhalten, war ein „Kraftakt und auch ein kleiner Stresstest“, sagte Jens Ostrominski, Leiter der Schulverwaltungsabteilung der Stadt Siegburg. 1300 Tische und Stühle wurden innerhalb von zwei Wochen hineingeschafft. „Im Schulgesetz steht das ganz platt: Der Schulträger schafft die Voraussetzungen zum Lernen. Und ich finde, das ist hier wirklich super geworden“, sagte Ostrominski. Die Gebäude sind mit moderner Technik und multifunktionalem Mobiliar ausgestattet, Tische und Stühle lassen sich individuell und für verschiedene Lernformen passend anordnen.

Bildungscampus Neuenhof: Amar Belic und Hasna Sayhoon (Oberstufe Gesamtschule) und Schulleiter Jochen Schütz

Amar Belic und Hasna Sayhoon (v.l.) bekommen als Oberstufler wenig von den neuen Räumlichkeiten mit, freuen sich aber für die Jüngeren. Daneben Jochen Schütz, Schulleiter der Gesamtschule.

„Was für uns beim Leben und Arbeiten in diesem neuen Gebäude besonders schön ist: Es ist hell!“, stellteJochen Schütz, Schulleiter der Gesamtschule, erfreut fest. Und das an einem bewölkten Nachmittag im Januar. Die Helligkeit trage jetzt schon merkbar zu einer besseren Stimmung in der Schule bei, befand Schütz.

Das viele Glas am Gebäude habe anfangs zu großen Diskussionen geführt, erzählte Realschulleiterin Iris Gust – es habe die Frage im Raum gestanden, ob Sichtschutz fehle. Nicht nur außen am Gebäude, sondern auch zwischen den Räumen sind zahlreiche hohe Fenster eingelassen. „Das hilft uns aber tatsächlich, freiere Unterrichtsformen zu wählen“, erklärt Gust, „sprich, den Unterricht nicht nur im Klassenraum und im Differenzierungsraum stattfinden zu lassen, sondern auch in den Lernzonen außerhalb.“

Lernzonen außerhalb der Klassenräume sind gelb markiert

Solche Lernzonen sind beispielsweise gelb markierte „Bänke“ in den Fluren der Schule oder Differenzierungsräume zwischen den Klassenräumen. Die Sitzbänke finde sie sowohl im Unterricht als auch in den Pausen praktisch, sagte die 16-jährige Mizgen Koca, die die Realschule besucht: „Auch die Zwischenräume sind eine schlau gedachte Möglichkeit, wenn man Gruppenarbeiten machen oder auch mal alleine lernen möchte.“

Bildungscampus Neuenhof: Realschulleiterin Iris Gust im neuen Montessori-Raum

Iris Gust, Schulleiterin der Alexander-von-Humboldt-Realschule, freut sich besonders über den neuen Montessori-Raum.

Überall, wo es gelb ist, darf gelernt werden, Orange weist auf Arbeitsräume für Lehrerinnen und Lehrer hin. Über dieses Farbkonzept, aber auch die Gestaltung der Schulklassen mit Differenzierungsräumen und die Auswahl des Mobiliars wurde in gemeinsamen Workshops mit Schulleitungen, Schülerschaft und Schulamt entschieden. Beide Schulleiter lobten diese integrative Zusammenarbeit mit der Stadt.

Auch wenn wir Oberstufler hier nicht mehr lernen dürfen, freuen wir uns sehr für die anderen Schüler, die das neue Kapitel miterleben.
Hasna Sayhoon, Schülerin der Oberstufe an der Gesamtschule

Die Realschulleiterin Iris Gust lobte besonders den neugestalteten Montessori-Raum: „Das ist unser Herzstück.“ Der Raum ist kommunikativ gestaltet, mit einer runden Tischaufstellung, die man teilweise auch in anderen Klassenräumen des modernen Gebäudes wiederfindet. In einem großen Regal sind verschiedene Unterrichtsmaterialien nach Fächern geordnet zu finden, sodass die Schülerinnen und Schüler entsprechend dem Montessori-Konzept selbst wählen können, wann sie sich mit welchem Fach befassen.

Die Oberstufen der Gesamtschule haben aktuell noch wenig von dem modernen Bau. Sie werden zu einem noch unklaren Zeitpunkt in den Altbau einziehen, der aktuell kernsaniert wird und in dem auch die Fachräume für naturwissenschaftliche Fächer Platz finden werden. „Ich habe jüngere Geschwister, denen das Gebäude sehr gefällt, ich bin auch ein bisschen neidisch“, sagte der 18-jährige Amar Belic, der die Oberstufe der Gesamtschule besucht.

Neue Gebäudeteile am Bildungscampus Neuenhof in Siegburg. Hasna Sayhoon (Schülerin Gesamtschule), Jochen Schütz (Schulleiter Gesamtschule), Mizgen Koca (Schülerin Realschule), Bürgermeister Stefan Rosemann, Iris Gust (Schulleiterin Realschule) und Jens Otrominski (Leitung Schulverwaltungsabteilung)

V.l.n.r.: Hasna Sayhoon (Schülerin Gesamtschule), Jochen Schütz (Schulleiter Gesamtschule), Mizgen Koca (Schülerin Realschule), Bürgermeister Stefan Rosemann, Iris Gust (Schulleiterin Realschule) und Jens Otrominski (Leitung Schulverwaltungsabteilung) im Gespräch über das neue Gebäude.

Er sei positiv überrascht und beeindruckt vom Ergebnis des langen Bauprozesses. Diesen Eindruck teilte seine Mitschülerin Hasna Sayhoon (19): „Die Schule ist sehr modern und sieht viel besser aus als vorher. Auch wenn wir Oberstufler hier nicht mehr lernen dürfen, freuen wir uns sehr für die anderen Schüler, die das neue Kapitel miterleben.“

Ein Drittel des größten Bauprojekts Siegburgs ist geschafft

Was den Fortschritt des größten und teuersten Bauprojekt Siegburgs angeht, habe man aktuell etwa ein Drittel geschafft, sagte Bürgermeister Stefan Rosemann – auch, was die Bausumme von insgesamt geplanten 120 Millionen Euro angehe. „Wir bemühen uns natürlich, mit dem Geld hinzukommen – aber auch das fällt schwer.“

2017 mit den Planungen begonnen, kamen die Corona-Pandemie und steigende Energiepreise dazwischen, einige Pläne mussten angepasst werden. Drei Teile des Bestandsgebäudes werden insgesamt noch saniert, dann soll es an die Anbauten gehen: Stichworte Theaterschatz, Boxclub, Campusrestaurant.

Insgesamt habe das Thema viel Kraft und vor allem Diskussionen gekostet, sagte Rosemann. Für das gewünschte Ergebnis sei man aber auf einem guten Weg. „Wenn wir am Ende einen Ort haben, wo Schule, Kultur, Sport und das ganze Quartier zusammenkommen – das Außengelände soll ja zum Verweilen einladen, sodass die ganze Stadt etwas davon hat –, dann haben wir hier, glaube ich, viele richtige Entscheidungen getroffen.“