93 Keramiker und Keramikerinnen aus acht Ländern präsentierten auf dem Marktplatz in Siegburg ihre Arbeiten.
„Sonne, gut gelaunte Menschen“Ein Gefühl von Italien auf dem Keramikmarkt in Siegburg

Der gut besuchte Keramikmarkt auf dem Siegburger Marktplatz stand dieses Jahr im Zeichen von Italien.
Copyright: Peter Lorber
„Wie bei uns“, sagte Jacopo Cucci über die Atmosphäre beim Siegburger Keramikmarkt, den es mittlerweile, zur Siegburger 950-Jahr-Feier 2014 mit einer Rundumerneuerung versehen, seit 40 Jahren gibt. Der Bologneser Cucci fühlte sich wie daheim: „Sonne, Grün, gut gelaunte Menschen, lockere Atmosphäre.“ Die Einschätzung gefiel Ines Rother aus dem Organisationsteam Keramik. „Da lagen wir ja richtig, Italien als Gastland zu präsentieren.“
93 Keramiker und Keramikerinnen aus acht Ländern präsentierten auf dem Marktplatz in Siegburg Gebrauchsgeschirr, edles Porzellan, Schmuck, Skulpturen oder Kunstobjekte, die jedes Zuhause veredeln können. Und die zeigten, welche Kostbarkeiten in den Brennöfen entstehen. Jacopo Cucci hat auch hier eine Meinung: „Ton ist Erde, ist Dreck. Und so viel Schönes wird daraus und so viel Verschiedenes.“ Viel Zustimmung gab es bei den Marktbesuchern für die „italienische Zone“.
Weite Anreise für den Siegburger Keramikmarkt
Viele waren von weither angereist, wie die Duisburgerin, die die bei den Feinsteinzeug-Vasen von Elena Arosio fündig wurde. Die Objekte der Südtirolerin erinnern an abstrakte, dezent kolorierte Aquarellgemälde. Die Vasen entstehen unter anderem aus auf der Töpferscheibe gedrehten Porzellansteinzeug-Kugeln. Unglasiert weisen sie eine fließende Farbgebung auf, die bei einem zweiten Brand unter Verwendung von Holz und natürlichen Materialien nach der Rauchbrandtechnik ihre Einzigartigkeit mit den weichen Übergängen erhält.
Wild gesammelte Tone verarbeitet Jacopo Cucci, der betonte, bei ihm stehe Nachhaltigkeit an erster Stelle. Im Gebirge sucht er nach Ton, nimmt einige Proben mit. Erst wenn sich diese zum Brand eignen, holt er größere Mengen für seine Arbeit.

Jacopo Cucci aus Bologna sammelt seinen Ton für seine witzige Keramik im italienischen Gebirge.
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„Fake-Italiener“ nennt sich Terry Davies. Der Engländer lebt seit 25 Jahren bei Siena und schafft unverwechselbare, sinnliche Oberflächen, wobei er Farbtöne in Rot-Braun und Orange setzt, die die Natur dem Material mitgegeben hat. Denis Di Luca und Guido Faletti experimentieren mit den alten Brennmethoden Raku- und Rauchbrand. Giuseppe Marcadent gestaltet bildhafte Kunstobjekte.
Die Keramik-Hochburg Höhr-Grenzhausen war mit 14 Ständen vertreten
Gleich mit 14 Ständen war die Keramik-Hochburg Höhr-Grenzhausen vertreten, die ihre internationale Bekanntheit und den Beinamen „Kannenbäckerstadt“ dem mittelalterlichen Siegburg zu verdanken hat. Heute finden sich im rheinland-pfälzischen Höhr-Grenzhausen außer der Keramikindustrie die Fachhochschule für Keramik und die Schule für Keramische Gestaltung. Was dazu führt, dass viele, die dort ausgebildet wurden, auch in der Ecke bleiben. „Es boomt in den letzten Jahren“, berichtet Kannenbäckerin Nicole Thoss, vor allem Jugend finde sich dort. „Je digitaler die Welt wird, desto mehr sehnt man sich nach Entschleunigung, auch im Beruf.“
Thoss ist erfolgreich mit ihren Vasen, die sie mit verschiedenen Drucktechniken zu Blickfängern werden lässt. Sie verwendet Musterrollen aus Gummi, mit der in den 1950ern weiß getünchte Wände farbig geschmückt wurden. Im Standen daneben bot ihr Ehemann Andreas Hinder seine verblüffend authentischen Tiere an.
Aus Franken war Okiver angereist, der über ein Tier-Skelett aus Steinzeugton eine Hülle aus Porzellan stülpt. Bei diesem entstünden „Schwindungsrisse, die seine „Tiere zerrissen hinterlassen“, wie es der Keramikermeister beschreibt. So seien alle Stücke Unikate, „weil der Prozess nicht steuerbar ist und immer neue Figuren formt.“ Auch bei ihm verweilten zahlreiche der vielen Tausend Besucher.
Die Zerstörung des Siegburger Töpferviertels 1588, hohe Steuerlasten und ständige Repressalien führten dazu, dass die Töpfer um Meister Anno Knütgen, der damals wegen seiner begehrten Luxuskeramik einen Namen weit über die Grenzen hinaus hatte, nach Höhr zogen. Anno Knütgen und seine Söhne betrieben dort eine Werkstatt nach Siegburger Vorbild. Bald sicherten sie sich das Monopol auf ihr grau-blaues Steinzeug. Es war für Höhr-Grenzhausen der Anfang einer bis heute währenden Erfolgsgeschichte.
