Unter dem Motto „Miteinander wagen“ startet im September das neue Programm für 2026/2027.
Studiobühne & CoEine neue Spielzeit des Siegburger Theaterschatzes

Der Theaterschatz stellte im Kaufhofgebäude das Programm für die neue Spielzeit 2026/2027 vor: Theaterleiter René Böttcher
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„Entweder macht ihr Männer Frieden, oder wir gehen nicht mehr mit euch ins Bett. Sprich: Sex oder Krieg.“ So einfach könnte sein, was Aristophanes Theaterleiter René Böttcher zufolge vor fast 2500 Jahren für seine Komödie „Lysistrata“ erdachte. Heute, in den Zeiten toxischer Männlichkeit à la Trump und Putin, passt das auch ziemlich gut in die neue Spielzeit des Siegburger Theaterschatzes für 2026/2027: Die stellte Böttcher jetzt im ehemaligen Siegburger Kaufhofgebäude vor, vor Schauspielern der Studiobühne und Schauspielschülern, Mitgliedern des Kinder- und Jugendtheaters Tollhaus, Bürgertheater-Gruppen, Fördervereinsmitgliedern sowie Sponsoren aus Kreisstadt und Region.
Motto ist „Miteinander wagen“, ab September können sich Theaterfreunde auf neue Aufführungen freuen: zum Beispiel „Der Tatortreiniger“, der nicht nur auf „absurde und skurrile Personen“ trifft, sondern auch den Anstoß zu einem mörderischen Gesellschaftsspiel liefert, in das das Publikum im Foyer verwickelt wird. Robin Hood, die Kinderaufführung, die schon mehrfach auf dem Michaelsberg zu sehen war, zieht für die kälteren Monate in den Kaufhof. Das Stück „Atmen“ um ein junges Pärchen, das sich ausgerechnet in der Schlange vor einer Ikea-Kasse mit der Frage auseinandersetzt, ob es ein Kind will, hatte bereits Premiere. „Stolz und Vorurteil“ nach Jane Austen geht in die Verlängerung.
Ode an die Schönheit des Lebens
Für den Monolog „All das Schöne“ kommt René Böttcher selbst auf die Bühne: Der Protagonist stellt für seine suizidgefährdete Mutter eine Liste zusammen, damit sie erkennt, wie schön das Leben ist, das sie opfern will. „Das klingt zunächst nicht nach einem freudvollen Theaterabend. Doch die Liste wächst und wächst und wird zum rührenden Dokument eines Lebens und zur Ode an die Schönheit des Lebens“, verriet Böttcher vorab. „Dinner for one“, der Silvesterklassiker, der von der Studiobühne schon in der Adventszeit zu sehen war, wird diesmal im Kranz Parkhotel aufgeführt.

Auch Einträge aus dem Gästebuch des Theaterschatzes standen auf dem Programm.
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Für drei Premieren proben die drei Bürgertheatergruppen: In „Richtfest“ geht es um eine Baugemeinschaft, die von gemeinschaftlichem Wohnen träumt und, so das Programm, „mitten in einem bitterkomischen Kleinkrieg aus Werten, Geld und Egos“ landet. „Schöne neue Welt“ ist der Titel einer interaktiven Performance. Im Kaufhof wird eine ebensolche Welt gebaut, mit neuen Werten, neuer Sprache und neuem Miteinander. „Wir prüfen die Standfestigkeit der Werte unserer Gäste und verwischen die Grenzen zwischen Spiel und Realität“, sagte Böttcher. „Pension Schöller“ wirft die die Frage nach der Verrücktheit der Welt auf. „Sind die in der Irrenanstalt behandlungsbedürftig oder die sogenannten Normalen?“
70 Prozent des Publikums kommen nicht aus Siegburg
Böttcher gab einen Rückblick in Zahlen auf die zurückliegende Spielzeit. 11.200 Zuschauerinnen und Zuschauer habe die Studiobühne gezählt, bei 160 Vorstellungen. Allein bei den 32 Robin-Hood-Aufführungen seien es 3000 Gäste gewesen, bei den „Ü59-SilberRock-Partys“ 1800 überaus tanzwillige Besucherinnen und Besucher. „1984“ nach George Orwell war zwölfmal ausverkauft. 850 Gäste wollten „Stolz und Vorurteil“ sehen. Böttcher betonte: „70 Prozent unseres Publikums kommen nicht aus Siegburg, sondern reisen für unser Programm an. Unsere Auslastung betrug 78,2 Prozent.“

Joe Bennick steuerte an der Gitarre wehmütige Songs bei.
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Er kündigte an, dass mit dem Umzug an den Bildungscampus Neuenhof die Studiobühne auf Rhein-Sieg-Theater umbenannt werden soll. Dass Siegburg dann „die Stadt im rechtsrheinischen Rhein-Sieg Kreis mit einem Theater mit festen Theaterhaus“ sein werde, sei nicht ohne die Unterstützung des LVR möglich. Ebenso wie die Reihe „Chor.Klang.Bühne.“, zu der zehn Chöre aus der Region eingeladen werden, um ihre Programme zu präsentieren, oder die Dokumentar-Kino-Reihe „Perspektiven“, die die VHS Rhein-Sieg, die Initiative „Siegburg zeigt Haltung“, die Caritas und die „Aktion neue Nachbarn“ mit der Studiobühne organisieren. Vorgesehen sind zudem Zuschauerworkshops und 2027 auch wieder eine Märchen-Inszenierung auf dem Michaelsberg.
Kulturtaxi, damit das Theater erreichbar bleibt
Eine Zusage vom „Premium-Förderer“ Kreissparkasse gibt es für ein Kulturtaxi, das Böttcher folgendermaßen beschrieb: „Es bringt Menschen ins Theater, für die Bus und Bahn schwer erreichbar sind, ein Taxi zu teuer ist oder der gemeinsame Abend sonst oft unerreichbar bleibt – persönlich begleitet und mit einem ersten Theatermoment schon auf der Fahrt.“
Mitglieder der Schauspielschule und des Bürgertheaters zitierten zur Vorstellung der Spielzeit aus den zahlreiche Kommentaren, die sich, fast durchweg positiv, im Gästebuch der Studiobühne fanden. Melancholische Songs mit einem Schuss Fernweh kamen zur Gitarre von Joe Bennick. Redebeiträge steuerten im Namen der Stadt die stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Haase-Mühlbauer und im Namen der Kreissparkasse Köln Thomas Hockenbrink bei.
