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„Unfassbar befriedigende Arbeit“Stiftung Leuchtfeuer gibt Jugendlichen seit 25 Jahren ein Zuhause

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Jan Kruse und Gerd Hoor, Vorstände der Stiftung Leuchtfeuer.

Jan Kruse (links) und Gerd Hoor, Vorstände der Stiftung Leuchtfeuer

Beim Modell „Leuchtfeuerfamilien“ nehmen pädagogische Fachkräfte Kinder oder Jugendliche bei sich zu Hause auf und begleiten sie langfristig.

„Es ist eine unfassbar befriedigende Arbeit, den Lebensweg junger Menschen zu begleiten“, sagt Daniel Heihoff. Seit 2005 nimmt der 50-Jährige Kinder oder Jugendliche bei sich auf, die eine in­tensive, individuelle pädagogische Betreuung brauchen. Vor 21 Jahren entschloss sich der Heilpäd­agoge mit einer Freundin, die wie er in der Familienbildung tätig war, für ein neues Lebensmodell, in dem sich Privates und Berufliches kombinieren ließen.

Die Stiftung Leuchtfeuer entsprach ihrem Wunsch. Sie suchte Menschen, die bereit waren, schwer belastete Kin­der oder Jugendliche, die nicht mehr in ihren Herkunftsfamilien leben konnten und auch in betreu­ten Wohngruppen nicht zurechtkamen, Geborgenheit zu geben und ihnen das geregelte Miteinander in einer intakten Umgebung zu vermitteln.

Sozialpädagogische Betreuung in privater Umgebung

„Leuchtfeuerfamilie“ nennt sich das Modell, das offiziell „sozialpädagogische Lebensgemein­schaft“ heißt. Zuerst nahmen Heihoff und die Freundin einen 15-Jährigen auf. Heute wohnt der Pädagoge mit zwei jungen Erwachsenen zusammen, die als Zwölfjährige zu ihm kamen. Maurice, nun 22 Jahre alt, wird bald wieder in einer Fahrradwerkstatt arbeiten, und Lukas, zwei Jahre jünger, absolviert einen Bundesfreiwilligendienst und hat vor, eine Ausbildung zu machen.

Daniel Heihoff und Maurice (22), der bei ihm lebt.

Daniel Heihoff und Maurice (22), der bei ihm lebt.

Solche Betreuungsplätze in privater Umgebung würden von den Jugendäm­tern „händeringend gesucht“, sagt Gerd Hoor, einer der zwei Vorstände der Stiftung Leuchtfeuer, die am kommenden Samstag ihr 25-jähriges Bestehen mit einem Fest für geladene Gäste auf dem Gelände des Theater- und Zirkuspädagogischen Zentrums „Latibul“ in Riehl feiert.

Stiftung wurde 2001 in Köln gegründet

Dazu erwartet wird der Gründer des gemeinnützigen Trägers der Kinder- und Jugendhilfe, Peer Sal­ström-Leyh. In der Zeit, als er Kapitän war, kam er als Urlaubsvertretung an Bord eines Segel­schiffs, das mit sozialpädagogisch betreuten Jugendlichen unterwegs war. Er fing Feuer, studierte Pädagogik, arbeitete in der Jugendhilfe. Im Kontakt mit einem Mitarbeiter des in Köln ansässigen LVR-Jugendamts entstand die Idee, schwer belastete Heranwachsende in einem familienähnlichen Umfeld zu betreuen. Um dies zu verwirklichen, rief Salström-Leyh 2001 in Köln seine Stiftung ins Leben.

Rund 100 Leuchtfeuerfamilien in ganz Deutschland

Die Leuchtfeuerfamilien, von denen es heute in ganz Deutschland – zum Beispiel in Rodenkirchen – rund 100 gibt, sind das Herzstück der Arbeit geblieben. Es sind Erziehungsstellen, in denen eine pädagogische Fachkraft ein Kind oder einen Jugendlichen – in manchen Fällen zwei – in den eige­nen Haushalt aufnimmt und langfristig begleitet. Koordinatoren vor Ort stehen den Lebensgemein­schaften zur Seite.

Daniel Heihoff und Lukas (20), der bei ihm lebt.

Daniel Heihoff und Lukas (20), der bei ihm lebt.

„Rund 2000 Kinder in Deutschland haben einen so individuellen Betreuungsbe­darf, dass klassische Gruppenangebote an ihre Grenzen kommen“, sagt Jan Kruse, der zweite Vor­stand. Manche sind zum Beispiel autistisch, haben extreme Gewalt in der Familie erlebt oder sind dadurch beeinträchtigt, dass die Mutter in der Schwangerschaft Alkohol trank.

Weitere Angebote sind hinzugekommen

Nach und nach sind weitere Angebote hinzugekommen, darunter Reise- und Auszeit-Projekte, bei denen sich Kinder und Jugendliche erholen können, und eine integrative Wohngruppe, in der geflüchtete und einheimische Jugendliche zusammenleben. Zudem werden mit dem Kompetenzzentrum Zentrum „Netz-Werk“ Familien unterstützt, in denen ein Elternteil psychisch krank ist.

Mit den Jahren ist aus der Stiftung, die ihren Sitz in der Riehler Straße hat, eine Gruppe geworden, zu der vier Tochtergesellschaften gehören, darunter eine, die in Deutz einen Schutzraum für Mädchen und junge Frauen mit Traumata unterhält. Die Leucht­feuer-Gruppe zählt rund 360 angestellte und 200 freiberufliche Mitarbeiter und ist an neun Standor­ten vertreten.

Bedarf an Plätzen für junge Menschen ist groß

Der Bedarf an Plätzen für junge Menschen, die mehr brauchen als das Regelangebot der Jugendhil­fe, ist groß. Gleichzeitig schauen die Jugendämter wegen der Finanznot der Städte und sonstigen Gemeinden bei der Ab­rechnung der Kosten genauer hin. „Ich habe Verständnis für die schwierige Haushaltslage der Kom­munen. Trotzdem halte ich es für den falschen Weg, bei grundlegenden Dingen wie beim Es­sen zu kürzen, für das pro Tag weniger als zehn Euro zur Verfügung stehen“, sagt Kru­se.

Heihoff mit seinen fast 21 Jahren Betreuungserfahrung wird grundsätzlich: „Je mehr man am Anfang spart, umso mehr zahlt man hinterher drauf.“ Sei es, dass eine Unterbringung in der Psych­iatrie nötig wird, sei es, dass der Lebensweg in die Kriminalität und ins Gefängnis führt. Wenn sei­ne beiden Schützlinge ausziehen, will er sich weiter als Betreuer zur Verfügung stellen.