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Zentrum für Theater- und ZirkuspädagogikLatibul feiert 45-Jähriges – Mangel an Räumen füllt die Wartelisten

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Éva Adorján steht mit sechs Kindern, die Figuren formen, vor dem Zelt von Latibul.

Die Einrichtung Latibul rund um ihre Geschäftsführung & künstlerische Leitung Éva Adorján (vorne) feiert ihr 45-jähriges Bestehen.

1981 wurde das Theaterpädagogische Zentrum gegründet. Wöchentlich besuchen 480 Kinder und Jugendliche die Theater- und Zirkuskurse.

Mehr Mitbestimmung für junge Menschen, mehr kostenlose Kulturangebote, mehr jugendrelevante Themen – das sind einige der Wünsche, die sich in der „Charta for Young Culture“ finden. Am Montagabend ist das Papier, das als Wegweiser und Orientierungshilfe für Kunst- und Kulturschaffende dienen soll, nach einer Abstimmung von Kindern und Jugendlichen über die einzelnen Punkte verabschiedet worden. Den Rahmen bildete der Festakt zum 45-jährigen Bestehen des Kölner Theater- und Zirkuspädagogischen Zentrums Latibul in einem der drei Zirkuszelte, die auf dem Gelände des ehemaligen Schwimmbads in Riehl stehen. Es ist einer der beiden Standorte des gemeinnützigen Zentrums. Der andere befindet sich im Belgischen Viertel.

Der Trägerverein, das Theaterpädagogische Zentrum, wurde 1981 gegründet, vorerst als Weiterbildungseinrichtung für angehende Theaterpädagoginnen und -pädagogen. Bald kam der Kinder- und Jugendzirkus Wibbelstetz hinzu, und 2001 wurde das Zirkus- und Artistikzentrum Köln aus der Taufe gehoben. 2021 wurden die Einrichtungen des Trägervereins unter der Dachmarke Latibul zusammengeführt. Mit mehr als 100 Teilnehmenden pro Jahr ist das Latibul bundesweit das größte Weiterbildungszentrum für Theater- und Zirkuspädagogik. Und wöchentlich besuchen 480 Kinder und Jugendliche die Theater- und Zirkuskurse. Hinzu kommt eine Vielzahl von Projekten.

200 Kinder und Jugendliche, die einen Kurs besuchen wollen, stehen auf Wartelisten. Grund sei der Mangel an Räumen, sagt Geschäftsführerin Éva Adorján. Deshalb soll in Riehl für circa 23 Millionen Euro ein großes Gebäude entstehen, in dem alle Teilbereiche unterkommen. Dies würde 30 Prozent mehr Angebote ermöglichen. Vom Bund hat der Verein die Zusage, für den Neubau 11,6 Millionen Euro zu erhalten – sofern er die andere Hälfe der Finanzierung sicherstellen kann. Noch fehlt Fördergeld in Höhe von etwa acht Millionen Euro.

Latibul: Talente entdecken, Selbstvertrauen entwickeln und eigenen Ausdruck finden

Das Latibul biete „Räume, in denen Kinder und Jugendliche ihre Talente entdecken, Selbstvertrauen entwickeln und ihren eigenen Ausdruck finden können“, sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester in seiner Grußbotschaft. Per Video gratulieren auch Unternehmer Harald Christ, der mit seiner Stiftung Demokratie und Vielfalt Projekte für benachteiligte Heranwachsende unterstützt, und Katharina Dröge, Co-Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag.

Ihr Parteikollege Sven Lehmann, der dem Kulturausschuss des Bundestages vorsitzt, war zur Feier gekommen und wies der Politik die Aufgabe zu, Kultur-Räume wie das Latibul auch in Zeiten knapper Kassen unbedingt zu erhalten. NRW-Staatssekretär Lorenz Bahr versicherte: „Die Landesregierung haben Sie an Ihrer Seite.“ Schauspielintendant Kay Voges verlas einen Text des Autors Wolfram Lotz über das Theater als Ort, an dem die Fiktion die Wirklichkeit herausfordert. Schauspielerin Elmira Rafizadeh hob den Wert der Kunst auch mit Blick auf die Unterdrückung in ihrem Geburtsland Iran hervor. Das Latibul sei „ein Schutzraum für Gedanken, ein Labor für neue Perspektiven und ein Zuhause für junge Stimmen“.

Einen Eindruck von der Arbeit des Zentrums gaben Kostproben seiner Produktionen, von einem Lied aus dem Stück „Mogli. Wölfe weinen nicht“ bis zu Akrobatik an der Stange. Dem Festakt war am selben Tag die Veranstaltung „Aussichten“ vorausgegangen. An die 500 Jugendliche nahmen an dem Programm teil, zu dem unter anderem Performances und  Workshops gehörten. Außerdem konnten die Jugendlichen zusätzlich zu all denen, die schon seit Februar befragt worden waren, Antworten darauf geben, was sie von Kunst und Kultur erwarten. Das Ergebnis floss in die „Charta for Young Culture“ ein.