Kölner Kreidekreis e. V. vermittelt ehrenamtliche Patinnen und Paten – 30 Kinder und Jugendliche warten.
Ehrenamt in KölnVerlässliche Partner für Heimkinder gesucht

Antje Lehbrink (links), ehrenamtliche Patin beim Kölner Kreidekreis e.V., mit ihren zwei Patenkindern Michelle und Leonie beim Sommerfest des Vereins.
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Leonie lebt seit ihrem achten Lebensjahr in einer betreuten Wohngruppe. Zu ihrer Mutter hat sie nur noch sporadisch Kontakt, ihren Vater kennt sie gar nicht. Trotz einer Rund-um-die-Uhr-Betreuung in der Wohngruppe waren die Wochenenden für sie besonders schwer. „Dann sind die meisten Mädchen zu ihren Familien gefahren und ich saß mit den Betreuern alleine in der Wohngruppe. Das hat mich sehr belastet“, sagt die inzwischen 18-Jährige, die heute in einer Verselbstständigungswohngruppe lebt. Das ist eine Form des betreuten Wohnens für Jugendliche, die dort unter professioneller Anleitung lernen, alltagsnahe Fähigkeiten zu entwickeln, bevor sie in eine eigene Wohnung ziehen.
Seit sechs Jahren hat Leonie eine ehrenamtliche Patin, Antje Lehbrink. Die beiden treffen sich regelmäßig, meistens am Wochenende und außerhalb der Wohngruppe. „Antje ist für mich ein Hauptgewinn. Dieses Gefühl, dass da eine Person ist, die zuhört, bei Entscheidungen hilft oder einfach etwas mit mir unternimmt, ist unglaublich wertvoll.“ Durch die Patenschaft habe Leonie Unterstützung erfahren und Wertschätzung. „Wir haben gemeinsam gebacken, gekocht, sind schwimmen gegangen oder haben uns auf ein Eis getroffen. Ich fühlte mich sehr geborgen.“
Mehr als 200 ehrenamtliche Patenschaften vermittelt
Zusammengebracht hat Leonie und Antje der Verein Kölner Kreidekreis, ein anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, der vor 20 Jahren von Edeltraud Preuß gegründet wurde und seitdem mehr als 200 ehrenamtliche Patenschaften vermittelt hat. „Wir sind ein kleines Team. Neben drei fest angestellten Mitarbeiterinnen, die das Matching der Patenschaften übernehmen, bieten wir auch Vorträge mit externen Fachleuten gegen Honorar an“, sagt der Vorsitzende des Vereins und Sohn der Gründerin Thomas Preuß.

Thomas Preuß ist Vorsitzender des Kölner Vereins „Kreidekreis e.V.“
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Unser Ziel ist es, stabile und verlässliche Beziehungen zu schaffen und den Kindern einen Weg in eine gute Zukunft zu ebnen
Aktuell begleitet der Kölner Kreidekreis rund 60 Patenschaften und arbeitet mit etwa 40 Jugendeinrichtungen in Köln und der Umgebung zusammen. „Die meisten Kinder werden vom Jugendamt oder anderen Akteuren der Jugendhilfe aus ihren Familien genommen – das prägt sie. Manche haben eine sehr schwierige Familiengeschichte, in anderen Fällen sind die Eltern schlicht überfordert, etwa weil sie mehrere Kinder versorgen müssen. Unser Ziel ist es, stabile und verlässliche Beziehungen zu schaffen und den Kindern einen Weg in eine gute Zukunft zu ebnen“, sagt Preuß.
Warteliste von Kölner Heimkindern wächst an
Der Bedarf an Patenschaften ist groß: Allein auf der Warteliste des Kölner Kreidekreises stehen 30 Kinder und Jugendliche. Gesucht werden Menschen, die bereit sind, diesen jungen Menschen, die in einer Wohngruppe leben, regelmäßig Zeit und eine verlässliche Begleitung außerhalb des „Heimalltags“ zu schenken.
Interessierte müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und für zwei Wochenenden an einem Vorbereitungsseminar teilnehmen. „Wir legen großen Wert auf sorgfältige Auswahl und persönliche Vermittlung. Wir besuchen im Vorfeld die Bewerber zu Hause und prüfen deren Umfeld. Auch während der Patenschaft stehen wir in engem Kontakt“, so Preuß.

Amina Beneke ist ehrenamtliche Patin beim Kölner Kreidekreis e.V.
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Ich bin keine Ersatzmutter, ich nehme Paula wie sie ist und schenke ihr Quality-Time
Amina Beneke ist seit zwei Jahren Patin. Sie hat zwei Söhne im Teenager-Alter und arbeitet in Teilzeit. Auf das Patenschaftsprojekt wurde sie durch einen Zeitungsartikel aufmerksam. „Die Idee, Kindern, die ohne Eltern und Geschwister in Heimen leben, Zeit zu schenken und ihnen Freude zu bereiten, fand ich sofort gut“, sagt die 51-jährige Kölnerin. Ihr Patenkind Paula (Name geändert) ist zwölf Jahre alt.
Anfangs sei das Mädchen sehr schüchtern gewesen, doch gemeinsame Ausflüge etwa ins Theater oder den Zoo und regelmäßige Spaziergänge mit Hund Toffi hätten Paula geholfen, aufzutauen. „Sie hat viele Facetten, mal plappert sie ununterbrochen, mal sagt sie gar nichts oder versucht, ihre Grenzen zu testen. Ich passe mich an und nehme sie, wie sie ist. Ich bin keine Ersatzmutter, ich schenke Paula Quality -Time“, sagt Beneke.
Ein Stück Sicherheit, Nähe und Zuhause schaffen
Wer sich für dieses Ehrenamt interessiert, sollte Zeit, Geduld und Freude an der Arbeit mit Kindern mitbringen. „Dann können Patinnen und Paten ein junges Leben positiv verändern – und für ein Kind ein Stück Sicherheit, Nähe und Zuhause schaffen“, sagt Preuß.
Im vergangenen Jahr ist der Verein für seine Arbeit gleich mehrmals ausgezeichnet worden – mit dem Ehrenamtspreis der Stadt Köln „KölnEngagiert 2025“ und dem „Bessermacher-Preis“ der Imhoff-Stiftung. „Darauf sind wir sehr stolz. Das Preisgeld können wir gut gebrauchen, da wir uns ausschließlich aus Spenden wie denen von ‚wir helfen‘ finanzieren“, sagt Preuß. Bundesweit sind aktuell mehr als 120.000 Kinder und Jugendliche in betreuten Wohnformen untergebracht, davon allein rund 2.000 in Köln und der Umgebung. Die meisten von ihnen wachsen ohne stabile Bezugspersonen außerhalb der Einrichtung auf. Jede Patenschaft zählt!
So können Sie helfen

Auszug aus dem neuen ‚wir helfen‘-Folder 2025_2026
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- Mit unserer neuen Jahresaktion „wir helfen: Kinder frühzeitig auf einen guten Weg zu bringen“ bitten wir um Spenden für präventive Projekte in Köln und der Region, die gefährdete Kinder und Jugendliche schützen, fördern und ihnen zu einer guten Zukunftsperspektive verhelfen.
- Die Spendenkonten lauten: wir helfen e.V."
- Kreissparkasse Köln, IBAN: DE03 3705 0299 0000 1621 55
- Sparkasse Köln-Bonn, IBAN: DE21 3705 0198 0022 2522 25
- Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung, geben Sie bitte +S+ im Verwendungszweck an. Sollten sie regelmäßig spenden, ist auch eine jährliche Bescheinigung möglich. Bitte melden Sie sich hierzu gerne per E-Mail bei uns. Soll Ihre Spende nicht veröffentlicht werden, notieren Sie +A+ im Verwendungszweck. Möchten Sie anonym bleiben und eine Spendenbescheinigung erhalten, kennzeichnen Sie dies bitte mit +AS+.
- Bitte geben Sie in jedem Fall auch immer ihre komplette Adresse an. Auch wenn Sie ein Zeitungsabonnement der „kstamedien“ beziehen, ist Ihre Adresse nicht automatisch hinterlegt.
- Sollten Sie per PayPal spenden, beachten Sie bitte, dass Ihre Spende immer anonym ist. Wünschen Sie eine Spendenbescheinigung schicken Sie eine E-Mail an uns.
- Möchten Sie anlässlich einer Trauerfreier, einer Hochzeit oder eines Geburtstags zu einer Spendenaktion aufzurufen, informieren Sie uns bitte vorab per E-Mail über die Aktion. Sehr gerne lassen wir Ihnen dann, zwei Wochen nach dem letzten Spendeneingang, die gesammelte Spendensumme zukommen.
- Kontakt: „wir helfen e.V.“, Amsterdamer Straße 192, 50735 Köln, Telefon: 0221-224-2789 (Allgemeines, Anträge, Regine Leuker, Meike Vojta) 0221-224-2130 (Geschäftsführung/Redaktion, Caroline Kron), wirhelfen@kstamedien.de
- Mehr Infos und die Möglichkeit, online zu spenden, finden Sie auf unserer Vereinshomepage www.wirhelfen-koeln.de

