Beim Richtfest im Kommerner Freilichtmuseum waren auch etliche Walporzheimer und die Tippgeberin zu Gast, die das Projekt erst möglich gemacht hatte.
FreilichtmuseumZeichen für den Bahnhof aus dem Ahrtal stehen in Kommern weiter auf Grün

Alle Zeichen stehen auf Grün für den Bahnhof aus Walporzheim, der aktuell im Freilichtmuseum wiederaufgebaut wird. Nach dem Richtfest wird es bis zur Eröffnung aber noch bis 2028 dauern – da können auch die Eisenbahner mit Uniformen aus verschiedenen Epochen nichts dran ändern.
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Wenn Museumszimmermann Edgar Lauterbach und seine Kollegen am Sonntag ihre Arbeitskluft anlegen, muss es dafür einen besonderen Grund geben: Vor rund 300 geladenen Gästen wurde im Freilichtmuseum das Richtfest für das im Frühjahr 2024 von Walporzheim nach Kommern translozierte Bahnhofsgebäude gefeiert.
Für Ortsvorsteherin Petra Lanzerath, die zusammen mit knapp 50 weiteren Einwohnern aus Walporzheim zur Feier gekommen war, ein sehr emotionaler Moment: „Es war uns allen ein großes Anliegen zu sehen, wie es mit dem Bahnhof weitergeht. Wir alle sind sehr froh, dass es ein gutes Ende für den Bahnhof genommen hat.“ Denn eigentlich sollte das Gebäude abgerissen werden: Die Bahn hatte keine Verwendung mehr dafür – im Zuge der Planungen für die Elektrifizierung der Strecke zwischen Remagen und Ahrbrück sollte das Gebäude aus dem Jahr 1912 durch einen moderne Verkehrsstation ersetzt werden.
„Das muss etwa im Jahr 2019 gewesen sein, als ich von den Abrissplänen erfahren habe“, erinnert sich Monika Lindener. Die Walporzheimerin, damals Fahrdienstleiterin bei der Bahn, griff zum Telefonhörer. „Ich kannte das Kommerner Freilichtmuseum seit meiner Kindheit und habe gedacht, dass das Gebäude unbedingt erhalten werden muss.“
Das Projekt Museumsbahnhof läuft bereits seit einigen Jahren
Am anderen Ende der Leitung erkannte man sofort, welche Chance sich dem Museum damit bot. „Ein Bahnhof gehörte tatsächlich schon bei der Konzeption der Baugruppe Marktplatz Rheinland unbedingt dazu“, so Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. Unter seinem Vorgänger Dr. Josef Mangold begannen die Gespräche mit der Bahn und dem Museumsträger, dem Landschaftsverband Rheinland (LVR), um das Projekt in trockene Tücher zu bekommen – und die Finanzierung zu sichern.

Zimmermann Edgar Lauterbach und Hausforscherin Anne Karl während des Richtspruchs für den Museumsbahnhof.
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„Die gelang schließlich mit Unterstützung durch die Regionale Kulturförderung aus Mitteln des Gemeindefinanzierungsgesetzes“, so Vorwig weiter. Vor zwei Jahren musste es dann auf einmal aber sehr schnell gehen: „Wir hatten ein sehr sportliches Zeitfenster, in dem wir agieren konnten.“ Denn vor der Translozierung des Gebäudes von der Ahr in die Voreifel galt es zunächst, den damaligen Ist-Zustand genau zu dokumentieren. „Die Diensträume und auch einige persönliche Gegenstände der Mitarbeitenden wanderten also in unseren Fundus – inklusive Kaffeetasse und Figur aus dem Überraschungsei“, so Bauforscherin Anne Karl, die das Projekt im vergangenen Jahr von ihrem verstorbenen Vorgänger Raphael Thörmer übernahm.
Kein Foto des Bahnhofs Walporzheim aus der Wirtschaftswunderzeit
Die Projektleiterin spricht von einer echten Herausforderung für das Museumsteam: „Der letzte Ist-Zustand von 2023 war sehr gut dokumentiert. Die zweite Hälfte des Bahnhofs soll jedoch – passend zum Marktplatz Rheinland – im Zeitschnitt der 1950er-Jahre präsentiert werden“, so Karl. Und aus dieser Zeit gab es keine Fotos, auf denen die damalige Ausstattung erkennbar gewesen wäre. Umfangreiche Archiv-Recherchen begannen, die die Forscher vom Kreisarchiv in Ahrweiler über das Koblenzer Landesarchiv bis ins Preußische Staatsarchiv nach Berlin führten.

Der Wartesaal soll in den Bauzustand der 1950er-Jahre zurückversetzt werden, inklusive einer umlaufenden Sitzbank.
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Rund 300 geladene Gäste, darunter etliche Bewohner des Ahrtal-Orts Walporzheim, kamen zum Richtfest nach Kommern.
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Eine Erkenntnis, die man auch an einem benachbarten Bahnhof der Ahrtalbahn in Hönningen gewinnen konnte: Das Dach des Bahnhofsgebäudes in Walporzheim war früher mit Schiefer eingedeckt und verfügte über mehrere kleine Dachgauben. Die Zimmerleute des Museums unter Leitung von Jörg Linden haben also eine Dachhälfte wieder in den früheren Zustand versetzt, während auf der anderen Seite die moderne Dacheindeckung wiederverwendet wurde.
Solche Orte zu bewahren und zu erforschen, ist eine zentrale Rolle des Freilichtmuseums. Auf diese Weise werden die Lebenswelten vergangener Generationen erhalten und sichtbar gemacht.
Tipps in Bezug auf die modische Entwicklung der Dienstkleidung von Reichs- und späteren Bundesbahnern können bei Bedarf die Mitglieder des Freundeskreises historischer Eisenbahnuniformen im Rheinland den LVR-Forschern geben: Unter der Leitung von Stefan Ingenfeld präsentierten sie am Sonntag verschiedene Bahn-Uniformen von den 1920er-Jahren bis in die jüngere Vergangenheit.
Bahnhof als Zeichen für Infrastruktur und gesellschaftlichen Wandel
Warum man sich im Freilichtmuseum überhaupt so große Mühe mit dem Wiederaufbau des alten Bahnhofsgebäudes macht, erklärte Anne Henk-Hollstein, die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland: „Solche Orte zu bewahren und zu erforschen, ist eine zentrale Rolle des Freilichtmuseums. Auf diese Weise werden die Lebenswelten vergangener Generationen erhalten und sichtbar gemacht.“
Der Bahnhof stehe dabei in besonderer Weise für die Geschichte der Mobilität, Infrastruktur und den gesellschaftlichen Wandel, zu dem viele Menschen eine emotionale Bindung hätten. „In der Zeit des Wirtschaftswunders entwickelte sich dann auch der Weintourismus an der Ahr, der die Region auch heute noch prägt“, ergänzte Museumsleiter Carsten Vorwig.
Bis zum nächsten großen Termin am Bahnhof wird es allerdings etwas dauern. „Nach heutigem Stand ist die Fertigstellung für das Jahr 2028 vorgesehen“, so Museumssprecher Daniel Manner. Bis dahin sollen auch Gleise am Bahnsteig verlegt werden und ein passendes Schienenfahrzeug angeschafft werden.
In der Milchbar aus Brühl gibt es ab sofort traditionelle Eissorten
Passend zu den sommerlichen Temperaturen während des Richtfests bietet die aus Brühl stammende Milchbar am Marktplatz Rheinland des Kommerner Freilichtmuseums ab sofort auch selbst gemachtes Eis an.

In einem benachbarten Pavillon bietet die Brühler Milchbar ab sofort traditionelle Eissorten an.
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„Es sind genau die klassischen Sorten, die es auch ab den 50er-Jahren in der Milchbar gab“, so Museumsleiter Dr. Carsten Vorwig. Im Angebot: Vanille, Schoko, Erdbeere, Banane, Sanddorn und erfrischende Zitrone. Der Preis ist mit 1,30 Euro pro Kugel familienfreundlich.
