Abo

Alternative zum FeuerwerkNächstes Jahr dürfen es mehr Drohnen in Bad Münstereifel sein

4 min
Im tiefblauen Nachhimmel erscheint ein aus leuchtenden Punkten gebildetes Schaukelpferd. Unten am Bildrand sieht man die Häuser der Stadt.

Zahlreiche Figuren und Schriftzüge zeichneten die Drohnen in den Himmel.

Zum ersten Mal gab es kein Feuerwerk zur Bad Münstereifeler Kirmes, sondern eine Drohnenschau. Die kam gut an. 

Menschen versammeln sich in Bad Münstereifel, schauen immer wieder auf die Uhr und dann zum Himmel. Das ist dort ganz normal – zumindest am Kirmessamstag. Denn dann warten die Besucher auf das Feuerwerk. So war es auch an diesem Wochenende. Allerdings sollte das Farbenspiel über den Dächern der Stadt eine Premiere für alle Beteiligten darstellen. Erstmals wurde das traditionelle Höhenfeuerwerk durch eine Drohnenshow ersetzt.

„Feuerwerk steht aus Umwelt- und Tierwohlgründen in der Kritik. Außerdem ist es in der Trockenperiode immer gefährlicher“, hatte Dirk Kälble, Vorsitzender der für die Show am Himmel verantwortlichen Schützenbruderschaft, im Vorfeld erklärt, warum man sich in Bad Münstereifel zu dem Wechsel entschieden hat.

Die Besucher kamen mit hohen Erwartungen nach Bad Münstereifel

Die Erwartungen der Besucher an die neue Form waren im Vorfeld durchaus hoch. „Ich habe eine solche Show schon einmal auf YouTube gesehen, war aber noch nie live dabei“, erklärte etwa Nicole Brandt: „Die Choreographie der Drohnen sah in dem Video schon sehr beeindruckend aus. Darum bin ich sehr froh, dass wir es geschafft haben, heute hierher zu kommen.“

Den Erwartungen gerecht zu werden, war der Auftrag von Erwin Wilms und Petrick Becker vom Essener Unternehmen „FlyingStars“. Sie waren bereits Stunden vor Sonnenuntergang mit dem Aufbau der Technik beschäftigt.

Der Aufbau der Technik war aufwendig

Auf dem Parkplatz oberhalb der Burg, an dem in den Vorjahren auch das Feuerwerk vorbereitet wurde, brachten sie nun die fliegenden Protagonisten des Abends in Stellung. Zuvor hatten sie in tagelanger Arbeit das Programm entworfen, das vor Ort per Computer abgespielt und überwacht wurde. Dabei seien für die Erstvorführung in Bad Münstereifel sogar einige Figuren entstanden, die eng mit der Kurstadt verbunden sind.

„Der Schriftzug der Stadt und auch ein Abbild der Kirche sind Teil des Programms“, so Wilms. „Wir sind über die vier weltweiten Satellitennavigationssysteme mit den Drohnen verbunden, so dass diese zu jeder Sekunde auf den Zentimeter genau wissen, an welcher Stelle sie stehen müssen“, erklärte Erwin Wilms.

Erwin Wilms hockt neben einer Kiste voller Drohnen.

100 Drohnen waren für die Show eingeplant..

Zwei Männer arbeiten mit technischem Gerät.

Bereits einige Stunden vor der Show richteten Erwin Wilms und Petrick Becker die Technik ein.

Menschen stehen und sitzen auf einer Mauer und schauen in den Himmel.

Zahlreiche Zuschauer verfolgten die etwa zehnminütige Show, die die Drohnen über Bad Münstereifel boten.

Schützen in Uniform und mit Fackeln marschieren durch die Stadt.

Beim Festzug präsentierten die Bad Münstereifeler Schützen ihre neue Majestät Klaus-Dieter Helsper den Kirmesbesuchern.

Zwei zeitgleich genutzte Frequenzen sollen dafür sorgen, dass selbst kurzzeitige Kontaktabbrüche nahtlos überbrückt werden können. Denn, so Wilms weiter: „Die Drohnen stehen nicht statisch am Himmel, sondern fliegen für jedes Motiv ein neues Ziel an.“

Nachdem am Samstag die Mitglieder der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft in einer feierlichen Parade ihren neuen Schützenkönig Klaus-Dieter Helsper präsentiert hatten, sollte der Abend den Drohnen gehören. Mit rund zehnminütiger Verspätung setzten sich die kleinen Fluggeräte schließlich in Bewegung.

Die Bad Münstereifeler Stiftskirche wurde in den Himmel gemalt

Kaum hatten sich die insgesamt 100 Drohnen in die Lüfte erhoben, nahmen sie auch schon die Formation für das erste Motiv des Abends ein. Die zunächst abstrakt erscheinenden Figuren verwandelten sich von einem kleinen Mädchen, das von einem Luftballon getragen in den Himmel schwebte, in ein Schaukelpferd und schließlich – passend zur Kirmes – in einen Autoscooter.

Als die Bad Münstereifeler ihre Stiftskirche St. Chrysanthus und Daria am Himmel erkannten, brandete Szenenapplaus auf. Zwar wurde das Stadtkürzel „BAM“ von einigen auswärtigen Gästen zunächst als comichafte Lautmalerei fehlinterpretiert, doch dieses Missverständnis wurde schnell von den Einheimischen aufgeklärt.

Und der Umwelt tut es sicher auch ganz gut, wenn mal etwas weniger Pyrotechnik abgebrannt wird.
Holger Meyer

Auch der an die unzähligen Helfer nach der Flutkatastrophe gerichtete Schriftzug „Danke“ fand seinen Platz in der Choreographie, bevor die Drohnen, einem Goldregen ähnlich, langsam wieder zu Boden sanken. Erneuter Applaus machte deutlich, dass die Drohnenshow als Ersatz und gelungene Alternative zum klassischen Feuerwerk angenommen wurde.

Immer wieder geäußertes Lob bestätigte das, zumal neben der Optik auch andere Faktoren eine Rolle spielten. „Wir haben selbst zwei Katzen zu Hause. Für die ist ein Feuerwerk in der Nähe immer eine Qual, bei der sie sich ängstlich unter das Sofa verkriechen“, erklärte Holger Meyer: „Und der Umwelt tut es sicher auch ganz gut, wenn mal etwas weniger Pyrotechnik abgebrannt wird.“

Die Besucher wünschen sich mehr Drohnen

Lediglich die Anzahl der kleinen Luftfahrzeuge und die damit verbundenen Ausmaße der Show wurden mit Blick auf die besonders großen Lichtbilder der Vorjahre bemängelt. „Ein paar hundert Drohnen mehr hätten der Show sicher gutgetan. Das war stellenweise doch recht überschaubar“, kommentierte ein Besucher.

Da es sich bei den 100 Drohnen um eines der kleinen Programme von „FlyingStars“ handelt und angesichts vieler positiver Reaktionen eine Fortsetzung der Show denkbar wäre, könnten schon im nächsten Jahr einige Drohnen mehr den Nachthimmel über Bad Münstereifel zum Strahlen bringen.

Im Zusammenspiel mit dem Late-Night-Shopping am Samstag, dem verkaufsoffenen Sonntag und den zahlreichen Kirmesattraktionen für Groß und Klein durften sich Bad Münstereifeler und Gäste erneut über ein stimmungsvolles Kirmeswochenende freuen.