Die Schauspielbühne bringt in „Atmen“ ein existenzielles Thema auf die Bühne: Den Wunsch nach einem Kind in schwierigen Zeiten.
KomödienpremiereIkea als Theaterkulisse im Siegburger Kaufhof

Premiere im Kaufhof-Gebäude: Komödie „Atmen“ von Studiobühne und Schauspielschule Siegburg
Copyright: Andreas Helfer
Eine weiße, kugelrunde Hängeleuchte aus Papier gehört ebenso wie Bücherregal Billy oder das Bällebad im Eingangsbereich des „unmöglichen Möbelhauses aus Schweden“ zur deutschen Alltagskultur. Gerade für junge Pärchen, die die Einrichtung für die erste Wohnung kaufen. Aber liegt es deshalb nahe, in der Schlange vor der Kasse auch die Frage zu klären, ob auch noch ein Kind als Mitbewohner gewünscht ist? Ein junger Mann jedenfalls erweckt damit durchaus zwiespältige Gefühle mit einigem Konfliktpotenzial bei seiner Partnerin.
Die Szene ist die Ausgangssituation für eine ebenso turbulente wie tiefsinnige, bewegende und spannende Komödie, die am Freitagabend, 22. Mai, Premiere hat, nicht bei Ikea in Godorf, sondern auf der ehemaligen Saturnebene im Siegburger Kaufhof, die von der Studiobühne und der Schauspielschule Siegburg genutzt wird.
Welchen CO-2-Fußabdruck bringt ein neuer Erdenbewohner mit sich?
Das Bühnenbild ist minimalistisch wie effektvoll: 72 papierene Kugelleuchten hängen in drei fahrbaren Ständern, die das sechsköpfige Ensemble als Hintergrund nutzt, zwischen den Leuchten verschwindet oder zu einem Separee verschieben kann. Davor, dahinter oder mittendrin, geht es hoch her: Denn die Entscheidung, „einen Menschen in die Welt zu setzen, hat es in sich und wirft Fragen auf: Wer gibt zumindest zeitweise den Beruf auf? Sie, die kurz vor der Promotion steht, oder er, der als nicht allzu erfolgreicher Musiker kaum eine Familie ernähren könnt? Wie wirkt sich die Schwangerschaft auf den Körper, wie auf das Liebesleben aus? Und das sind nur die eher persönlichen Fragen. Auch über den CO-2-Fußabdruck, den ein zusätzlicher Erdenbewohner mit sich bringt, muss gesprochen werden, über Überbevölkerung, Erziehung und Konsumverhalten.
„Atmen" heißt das Stück nach der Vorlage „Lungs“ des britischen Dramatikers Duncan Macmillan, das 2011 in Washington Premier hatte. Christoph Wolff, vielen Theaterfreunden aus seinen Rollen als René Benko in „Kaufhof Monopoli“, Butler James in „Dinner for One“ oder Privatdetektiv Phil Dick in „Schnüffler, Sex und schöne Frauen“ bekannt, legt mit der Komödie seine erste Regiearbeit vor.

Die Entscheidung für oder gegen ein Kind macht sich das Pärchen nicht leicht.
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Das ungewöhnliche Bühnenbild, stammt von Wolff, auch der Einfall, die weibliche Rolle viermal, die männliche Rolle zweimal zu besetzen. Am Anfang wirkt das skurril, doch der Zuschauer findet schnell in die manchmal zweistimmigen, manchmal vielstimmigen Dialoge, in den die jungen Mimen von der Schauspielschule präzises Timing zeigen und starken Ausdruck zeigen.
Konflikt einer ganzen Generation
Mit großer Spielfreude bringen sie die großen Emotionen des Pärchens auf die Bühne, das sich heftig streitet und wieder verträgt, miteinander schmust und tanzt. Die Mehrfachbesetzungen verdeutlichen auch, dass der Konflikt für eine ganze Generation steht, die sich hin- und hergerissen sieht zwischen Familienglück, individuellen Plänen und großen Sorgen um Überbevölkerun, und Klimakrise. „Es geht um den Sinn des Lebens selbst“, heißt es an einer Stelle. Oder: „Wenn man vorher darüber nachdenken würde, würde man es nie machen."
„Sind wir gute Menschen“, das sei im Prinzip die Schlüsselfrage, erläutert Christoph Wolff im Gespräch. Er ist sicher, dass sich verschiedene Generationen über das Stück gut austauschen werden können. Einfacher sei die Entscheidung für oder gegen Kinder wohl kaum geworden. „Früher wurden solche Gespräche bestimmt anders geführt.“
„Atmen - Leben in Zeiten des Zweifels“ hat am Freitagabend, 22. Mai, Premiere, weitere Aufführungen am Samstag, 23. Mai und Sonntag, 14. Juni. Beginn ist auf der Etage 6a des ehemaligen Kaufhofgebäudes in Siegburg jeweils um 19.30 Uhr. Karten sind online erhältlich.
