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Wie wollen wir sterben?Ambulanter Hospizdienst in Siegburg über Begleitung am Lebensende

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Im Cafe T.O.D. ging es ums Sterben: Auf Einladung von Uschi Stenz sprach Dr. Nina Effer, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes, über den letzten Weg.

Im Cafe T.O.D. ging es ums Sterben: Auf Einladung von Uschi Stenz (rechts) sprach Dr. Nina Effer, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes, über den letzten Weg.

Ehrenamtliche tragen „das Hospiz, das nach Hause kommt“. Ihr Ziel ist es, ein selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu ermöglichen.

Still war es in der Kapelle des Nordfriedhofs. Kein Ort für laute Worte, sondern für Gedanken. Und doch wurde an diesem Sonntagnachmittag viel gesagt, was nicht mal eben in ein Smalltalk-Repertoire passt. Die Vortragsveranstaltung des Café T.o.D. traf ins Innerste. Immer wieder war im Publikum zustimmendes Kopfnicken zu sehen.

Eingeladen hatte die Initiative rund um die Vertreterin Uschi Stenz. Als Referentin sprach Dr. Nina Effer, Koordinatorin des Ambulanten Hospizdienstes der Ökumenischen Initiative zur Begleitung Schwerkranker, Sterbender und Trauernder. Für sie war das Thema nicht nur beruflich präsent. Sie selbst war früher ehrenamtlich in der Begleitung tätig, heute organisiert sie hauptamtlich die Arbeit der Helferinnen und Helfer, die sich diesem besonderen Ehrenamt widmen.

Unterstützung für schwerstkranke und sterbende Menschen

„Die palliative Medizin unterstützt schwerstkranke und sterbende Menschen auf ihrem letzten Weg“, erklärte Effer. Heilen sei dann nicht mehr möglich, aber begleiten schon. Genau dort setzt die Hospizarbeit an. Sie ergänze die medizinische Versorgung um etwas, das im Alltag häufig fehle: Zeit, Zuwendung und Nähe.

Der ambulante Hospizdienst komme dorthin, wo die Menschen sind. Nach Hause, in Pflegeeinrichtungen oder Krankenhäuser. „Wir sind sozusagen das Hospiz, das nach Hause kommt“, sagte Effer. Ziel sei es, ein selbstbestimmtes Leben bis zuletzt zu ermöglichen. Ein Satz, der im Raum nachhallte.

Gleichzeitig machte sie deutlich, dass dieses System ohne Ehrenamt nicht funktionieren würde. Zwar habe jeder Mensch ein Recht auf Begleitung am Lebensende. Doch umgesetzt werde dieses Recht maßgeblich durch Menschen, die sich freiwillig engagieren. „Der Staat stützt sich hier auf etwas, das von Ehrenamtlichen geleistet wird“, betonte Effer. Ein Umstand, der Verantwortung und Chance zugleich sei.

Die Anforderungen an dieses Ehrenamt seien hoch. Es gehe nicht darum, medizinisch tätig zu werden, sondern einfach da zu sein: „Zuhören, aushalten, begleiten“. Gerade in einer Zeit, in der Pflegekräfte und Ärzte oft unter enormem Zeitdruck stehen, sei diese Form der Zuwendung ein unschätzbares Gut.

Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen werden von Angehörigen versorgt

Auch die Belastung der Angehörigen sprach Effer offen an. Viele Menschen pflegten ihre Liebsten zu Hause, häufig bis an die eigenen Grenzen. „66 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt“, erklärte sie. Umso wichtiger sei es, Unterstützung sichtbar zu machen und zugänglich zu halten.

Neben der Sterbebegleitung gehört auch die Trauerarbeit zum Angebot. Einzelgespräche, Gruppenangebote oder gemeinsame Aktivitäten helfen dabei, den Verlust zu verarbeiten. Die dafür ausgebildeten Trauerbegleiterinnen und Trauerbegleiter durchlaufen eine intensive wie professionelle Schulung und bringen viel Erfahrung mit.

„Wir müssen die Themen wieder mehr in die Mitte der Gesellschaft holen“, sagte Effer. Ziel seien sogenannte sorgende Gemeinschaften, in denen Menschen wieder stärker füreinander Verantwortung übernehmen. Dass dieses Anliegen ankam, zeigte sich in den Reaktionen des Publikums.