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Digitale StadtverwaltungSiegburgs KI-Chatbot Siggi kam über 30.000-mal zum Einsatz

3 min
Das Siegburger Rathaus  hat 2023 den Chatbot Siggi installiert, der Anfragenm in 95 Sprachen beantworten können soll.

Das Siegburger Rathaus hat 2023 den Chatbot Siggi installiert, der Anfragenm in 95 Sprachen beantworten können soll.

Siggi, die KI der Siegburger Stadtverwaltung, wird seit der Einführung vor drei Jahren mehr und mehr genutzt.

Siggi hat sich zum Traum-Mitarbeiter der Siegburger Stadtverwaltung entwickelt. Nicht nur, dass der KI-Chatbot niemals schläft, er kann vielmehr auch Anfragen in „über 95 Sprachen beantworten“. Dabei ist ihm zugleich der Datenschutz so heilig, dass er alles, was er speichern will, nicht etwa in den USA  ablegt, sondern ausschließlich auf „DSGVO-konformen europäischen beziehungsweise deutschen Servern“. DSGVO heißt übrigens Datenschutzgrundverordnung.

Außerdem ist Siggi einerseits wissbegierig, andererseits aber auch wählerisch: Er lernt und lernt, aber er lernt nicht jeden Unfug. Vielmehr, so beschreibt es die Stadt in ihrem neuesten Jahresbericht an den zuständigen Ratsausschuss: „Siggi lernt durch die Eingaben der Entwickelnden, nicht im direkten Gespräch mit den Chatenden.“

Als Lehrer für Siggi dienen nur die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Wieso das eigentlich erwähnenswert ist? Die Stadt: „Das ist wichtig, da es verschiedenste Beispiele selbstlernender Chatbots gibt, wie zum Beispiel der Chatbot Tay von Microsoft, die auf Grund des ,Selbst-Lernens‘ innerhalb kürzester Zeit diskriminierende und unangemessene Äußerungen von sich gegeben haben.“ Bei Siggi steht demzufolge eher nicht zu befürchten, dass er, wie so mancher Mensch in den sozialen Medien, seine gute Erziehung vergisst und Hass und Hetze gegen sexuelle, ethnische oder religiöse Minderheiten (oder auch Mehrheiten) von sich gibt.

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Die Nutzungsstatistik von Siggi liest sich als große Erfolgsgeschichte. Die Stadt entscheidet in ihrer Bilanz zwischen Chats (regelrechte Unterhaltungen zwischen Maschine und Mensch) und Einzelanfragen. Zählt man aus Gründen der Übersichtlichkeit beides zusammen, ergibt sich, dass die Kommunikation explodiert ist: Sie stieg von 983 im Jahr 2023 auf 15.060 (Stand 31. August 2026). Insgesamt wurde er schon 29.199-mal genutzt.

Siggi ist 24/7, rund um die Uhr, ansprechbar. Die meiste Arbeit hat er morgens um neun Uhr, die wenigste nachts um drei. Auch eine Auswertung nach Wochentagen hat die Stadtverwaltung vorgelegt: Dienstags fragen die meisten Nutzerinnen und ihre männlichen Kollegen an, samstags die wenigsten.

Ich antworte ausschließlich auf Basis der Informationen, die mir von der Stadt Siegburg zur Verfügung gestellt werden. Ich erfinde keine Antworten.
Chatbot Siggi im Dialog

Der Jahresbericht nennt zudem die gefragtesten Sprachen. Das beschreibt der Bericht in einer Grafik, aus die die einzelnen Werte allerdings nicht ausweist. Fragt man bei Siggi selbst nach, bekommt man von ihm zwar keine direkte Antwort, weil er nach eigenen Angaben keinen Zugriff auf die entsprechenden Ratsunterlagen hat. Die KI nennt aber stattdessen anstandslos die zuständige Verwaltungsstelle und ihre Erreichbarkeit, und von dort erfolgt auch blitzschnell die Antwort eines Verwaltungsmenschen: Nummer 1 ist Deutsch, es folgen US-Englisch, GB-Englisch, Arabisch und Französisch (siehe Infobox).

Mit einer solchen - etwas kitschig-naiv wirkenden - Darstellung illustriert die KI ChatGPT auf Anforderung den Siegburger KI-Chatbot Siggi.

Mit einer solchen - etwas kitschig-naiv wirkenden - Darstellung illustriert die KI ChatGPT auf Anforderung den Siegburger KI-Chatbot Siggi.

Auch die häufigsten Anliegen sind aufgelistet. Auf Platz 1 stehen „Termin und Kontakt“ mit 15,0 Prozent, gefolgt von „Anmeldung“ (13,1 Prozent), Ausweisdokumente (10,7 Prozent), Wirtschaft, Steuern und Finanzen (9,8 Prozent) sowie Bauen, Umwelt und Verkehr (8,3 Prozent).

2023 chattet er 225-mal mit dem Bürger, beantwortete 758 Einzelfragen. In diesem Jahr lag die Zahl deutlich höher, wie die Stadtverwaltung am 22. September mitteilte: 3247 Chats und 22.544 Fragen.

Wer vielleicht angesichts der aktuellen internationalen Diskussionen über eine staatliche Regulierung bei der KI immer noch Zweifel hat, ob er das Angebot nutzen soll, könnte seine Frage auch an Siggi direkt richten. Der weist ihn oder sie dann darauf hin, dass er als Hilfe für die Bürgerinnen und Bürger konzipiert worden und auch nur eine Ergänzung sei, dass er den Datenschutz hochhalte und „faktenbasiert“ arbeite: „Ich antworte ausschließlich auf Basis der Informationen, die mir von der Stadt Siegburg zur Verfügung gestellt werden. Ich erfinde keine Antworten“ – na, immerhin!