Ein Video von einem hoffnungslos überfüllten Zug wurde mit dem Thema Abschiebung und Wahlen in Sachsen-Anhalt in Verbindung gebracht. Das bleibt nicht unerwidert.
Soziale MedienKritik an fremdenfeindlichem AfD-Videobeitrag

Die Initiative „Siegburg zeigt Haltung“ setzt sich gegen Fremdenhass und Rassismus zur Wehr.
Copyright: Gerriet Scheben
Ein hoffnungslos überfüllter Zug, Menschen drängeln sich auf Trittbrettern und sogar dem Dach der Waggons, begeben sich in Lebensgefahr: Solche Bilder kennt man etwa von Eisenbahnen in Indien oder Bangladesch. Auf dem Instagram-Account der AfD Siegburg fand sich ein entsprechendes Video mit einem Bezug zur deutschen Politik: „Abschiebezug, wenn die AfD gewinnt“, hieß die Überschrift dazu kurz vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt.
Die Initiative Siegburg zeigt Haltung ließ das nicht so stehen und nahm Stellung: „Aus unserer Sicht ist dieser Beitrag menschenverachtend und angesichts der Bildsprache insbesondere vor dem historischen Hintergrund von Deportationen im Nationalsozialismus zutiefst geschmacklos. Dass ein solcher Beitrag von einem Ortsverband veröffentlicht wird, dessen Partei im Siegburger Stadtrat vertreten ist, halten wir für politisch relevant.“
Demokratische Ratsfraktionen angeschrieben
Man habe deshalb die demokratischen Ratsfraktionen angeschrieben und sie aufgefordert, sich mit dem Vorgang auseinanderzusetzen. „Aus unserer Sicht sollte die Frage, welche Formen politischer Kommunikation und welchen Umgang mit Menschen wir in Siegburg akzeptieren wollen, nicht allein den sozialen Medien überlassen bleiben.“
Siegburger SPD-Ratsfraktion und Ortsverein schreiben auf Instagram: „Menschen werden darin als anonyme Masse dargestellt, die man aus ihrem Zuhause reißen und wie Fracht wegschaffen könne.“ Teilen werde die SPD das Video nicht. „Es lebt von Aufmerksamkeit, und die bekommt es von uns nicht.“ Wer Menschen auf Züge setze, um politische Punkte zu machen, wisse genau, welche Bilder er damit aufrufe. Das sei die Sprache der Entmenschlichung. „In Siegburg leben Menschen aus der ganzen Welt. Sie arbeiten hier, ihre Kinder gehen hier zur Schule, sie sind unsere Nachbarn. Ihnen gilt unsere Zusage: Diese Stadt gehört Euch genauso wie allen anderen. Wer Euch zur Zielscheibe macht, hat uns gegen sich.“
Menschenverachtendes Grunddenken
„Geschmacklos“ ist der Beitrag nach Ansicht von Bürgermeister Stefan Rosemann. „Das zeigt das menschenverachtende Grunddenken dieser Partei.“ Zwischenzeitlich wurde der Instagram-Beitrag gelöscht. Die Frage warum, beantwortete die AfD, von der Redaktion um Stellungnahme gebeten, nicht.
Die SPD appelliert, am Samstag, 12. September, ab 14 Uhr das Fest des Bündnisses für Demokratie und Vielfalt am VHS-Studienhaus an der Humperdinckstraße 27 zu besuchen. Auf dem Programm stehen Musik, Tanz und Stände von 19 Siegburger Institutionen und Vereinen sowie der Tag der offenen Tür der VHS. Anlass ist der Internationale Tag der Demokratie.
