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Mit Tempo 100 nach TroisdorfNach Verfolgungsfahrt mit Polizei droht MPU-Berater selbst eine MPU

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Ein Polizist hält eine Polizeikelle für eine Kontrolle in der Hand.

Nach einer Verfolgungsfahrt mit der Polizei verlor ein 43-Jähriger seinen Führerschein. Pikant: Der Mann ist MPU-Berater. (Symbolbild)

Es gibt Kurse, die Autofahrern helfen sollen, ihren Führerschein wiederzubekommen. Ein MPU-Berater verlor selbst den Lappen und landete vor Gericht.  

Wer viel zu schnell fährt oder unter Alkohol und Drogen am Steuer erwischt wird, dem droht nach dem Führerscheinentzug in der Regel eine medizinisch-psychologische Untersuchung, kurz MPU. Um diese zu bestehen, investieren die Betroffenen oft Tausende Euro in Vorbereitungskurse. Ein MPU-Berater braucht nun selbst eine MPU: Er stand wegen einer Verfolgungsjagd mit der Polizei vor dem Amtsgericht.

Er war in einer Aprilnacht im vergangenen Jahr einer Polizeistreife aufgefallen, als er über die Siegburger Luisenstraße raste. Nahe der Tankstelle nahmen die Beamten die Verfolgung des Mittelklassewagens auf. Mit Tempo 100 ging es Richtung Troisdorf.

Fahrer wurde erst durch Kollision in Troisdorf gestoppt

Der Fahrer reagierte auf einer Strecke von knapp drei Kilometern nicht auf die Anhaltezeichen, verlor nach zwei Abbiegemanövern in einer schmalen Wohnstraße die Kontrolle und wurde durch eine Kollision mit dem Bordstein unsanft gestoppt. Die Blutprobe ergab 1,1 Promille, außerdem hatte er Kokain konsumiert.    

Seitdem habe er nie wieder so viel getrunken und keine Drogen mehr konsumiert, versicherte der 43-Jährige. Der Führerschein ist immer noch futsch. Wie man ihn schnellstmöglich wieder erlangt, damit kennt er sich aus: Als Quereinsteiger sei er in die MPU-Beratung hineingerutscht, zunächst angestellt, dann selbständig.

Nach dem Hauptschulabschluss der neunten Klasse habe er keine Ausbildung gemacht, sondern in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel als Security-Mitarbeiter, sein Geld verdient, erzählte der ledige und kinderlose Mann.    

Angeklagter schilderte detailliert seine berufliche Tätigkeit als MPU-Berater

Detailliert und wortreich schilderte er seine berufliche Tätigkeit. Das diente auch dazu, die beiden ebenfalls angeklagten Betrugsvorwürfe zu entkräften. Denn zwei seiner Klienten hatten ihn angezeigt. Sie hätten ihn bezahlt, der erste investierte 2000 Euro, der zweite 3500 Euro, aber keine Gegenleistung erhalten.  

Der Angeklagte wies das zurück, nach dem kostenlosen Erstgespräch habe man jeweils einen schriftlichen Vertrag geschlossen. Es wurde eine Anzahlung vereinbart, er habe die individuellen Fälle analysiert, dann einen Katalog mit wahrscheinlichen Fragen des Straßenverkehrsamtes zusammengestellt und sinnvolle Antworten darauf. Außerdem stellte er Infos zum Beispiel über Abstinenznachweise zur Verfügung. Inklusive sei auch die Abfrage vor Ort gewesen sowie simulierte MPU-Gespräche. Dieser Service werde nicht von jedem in Anspruch genommen. 

Der Kunde aus Troisdorf habe lieber einen Führerschein im Ausland kaufen wollen

Im ersten vermeintlichen Betrugsfall habe es sich der Kunde aus Troisdorf zwischenzeitlich anders überlegt, „er wollte sein Geld zurück, statt einer Prüfung lieber einen Führerschein im Ausland kaufen, er kenne dort Leute“, sagte der Angeklagte. „Ich habe ihm gesagt, dass das nicht geht.“

Der zweite Kunde, eine schillernde Persönlichkeit, habe schon zwei MPUs absolviert und von ihm verlangt, dass er einen Führerschein für ihn kauft. „Das kann ich nicht, das will ich nicht, das mache ich nicht“, versicherte der Angeklagte. Dann sei der Kontakt abgebrochen.    

Nach der Zeugenanhörung stellte das Gericht das Verfahren wegen zweifachen Betrugs ein. Für die Verfolgungsfahrt unter Alkohol und Drogen erhielt der bislang nicht vorbestrafte 43-Jährige eine Geldstrafe von 1200 Euro, 80 Tagessätze zu 15 Euro. Die niedrige Tagessatzhöhe orientiert sich am Einkommen: Der MPU-Berater, der sein Büro wegen baulichen Mängeln und aus persönlichen Gründen dicht machte, hat Bürgergeld beantragt.