Die Humperdinck-Freunde wollen eine Reproduktion in Auftrag geben und veranstalten am 9. August ein Benefizkonzert im Stadtmuseum.
Zerstörte Bronze-PlastikSiegburg soll Hänsel und Gretel-Figuren wiederbekommen

Zerstörte Hänsel- und Gretel-Plastik von Karlheinz Goedtke, Überreste
Copyright: Humperdinck-Freunde Siegburg
Fassungslos waren viele Siegburgerinnen und Siegburger, nachdem Unbekannte die Hänsel-und-Gretel-Plastik am Spielplatz auf dem Michaelsberg zerstört hatten. Später fanden Dezernent Martin Rosorius und Nico Novacek vom Bürgermeisterbüro zumindest die Gretel-Figur in einem Gebüsch unweit der Ilse-Hollweg-Brücke.
Doch es sieht danach aus, dass die Plastik reproduziert werden könnte. Die Vorsitzende der Humperdick-Freunde Siegburg, Susanne Haase-Mühlbauer, berichtet, der Verein habe über den Freundeskreis Karlheinz Goedtke eine Registernummer in Erfahrung gebracht, die zur Urform einer Kunstgießerei in Düsseldorf hätte führen können. Dort sei die Nummer auch tatsächlich bekannt, die Form aber unauffindbar gewesen, berichtet Susanne Haase-Mühlbauer.
„Für eine neue Figur braucht man eine neue Legierung.“
Zum Glück gebe es aber eine Alternative: „Anhand von Fotos kann mit einem 3D-Drucker eine neue Form gebaut werden, das ist nicht unüblich“, so Haase-Mühlbauer. Nicht möglich wäre es wohl, die Gretel-Figur einzuschmelzen: „Für eine neue Figur braucht man eine neue Legierung.“ Ob sich ihr Verein das werde leisten können, sei noch unklar. „Wir warten jetzt auf ein Kostenangebot.“ Der Bezug liegt in Siegburg weniger in dem Märchen der Brüder Grimm als in der weltberühmten Märchenoper, die der in der Stadt geborene Komponist Engelbert Humperdinck über das Geschwisterpaar geschrieben hat.
Martin Rosorius geht heute davon aus, dass Metalldiebe am Werk waren, die Gretel sorgsam abgelegt hatten, um sie später abzutransportieren – was aber offensichtlich nicht mehr geschah. Am Spielplatz blieb nur die Bodenplatte mit den abgebrochenen Füßen als traurig anzuschauender Rest. „Ein Stück Zeitgeschichte und Kulturgut ist damit verloren“, kommentierte Bürgermeister Stefan Rosemann den Diebstahl.

Die Plastik Hänsel und Gretel von Karlheinz Goedtke auf dem Michaelsberg wurde beschädigt
Copyright: Andreas Helfer
„Die Skulptur hat in mehrfacher Hinsicht einen besonderen Wert für Siegburg“, erläutert Haase-Mühlbauer. Deutschlandweit finden sich Arbeiten des Bildhauers; Hänsel und Gretel seien ein Geschenk der Phrix-Werke anlässlich der 900-Jahr-Feier Siegburgs 1964 gewesen. „Deshalb wollen wir die Zerstörung nicht einfach hinnehmen und uns bei einem Benefizkonzert für eine Wiederherstellung der lieb gewonnenen Skulptur einsetzen.“ Immer wieder werde sie auf die Plastik angesprochen, berichtet Haase-Mühlbauer, die auch stellvertretende Bürgermeisterin und Vorsitzende des Kulturrats ist.
Sie würde sich wünschen, dass für eine neue Plastik ein geschützter Raum gefunden wird, vielleicht im Innenhof des Rathauses oder vor dem Stadtmuseum. Als Beispiel nennt sie das Cantulia-Männchen, das Maskottchen des früheren Siegburger Akkordeonherstellers Cantulia, das jetzt einen Platz im Innenhof der Musikwerkstatt Engelbert Humperdinck gefunden hat.
Auch andere Goedtke-Plastiken wurden gestohlen
Karlheinz Goedtke (1905-1995) absolvierte ab 1930 eine Ausbildung an der Meisterschule des Kunsthandwerks in Stettin bei dem ehemaligen Bauhaus-Schüler Kurt Schwerdtfeger. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und im Krieg schwer verwundet. Seine künstlerische Arbeit setzte er in der Nachkriegszeit in Farchau bei Ratzeburg fort, 1951 zog er nach Mölln. Er schuf zahlreiche Plastiken, darunter die „Badende“ in Timmendorfer Strand, den Eulenspiegelbrunnen in Mölln und den „Segler“ in Kiel.
Der Stadtverwaltung zufolge wurden auch andernorts Goedtke-Kunstwerke entwendet: So sei „Die Lesende“ von einem Friedhof in Schmilau im Landkreis Herzogtum Lauenburg verschwunden, später habe das LKA Berlin sie aber in der Hauptstadt sichergestellt. An der Breitenburger Fähre bei Itzehoe wurde ein Relief gestohlen, das verschiedene Querungen des Tideflusses zeigt, ein durch das Wasser watendes Pferd wie auch die Autobahnbrücke, die Hamburg und Husum verbindet.
„Entführt, verschleppt, ausgesetzt“ – das sei das dramatische Schicksal der Geschwister gewesen, das Humperdinck mit seiner Oper aufgegriffen habe, so Haase Mühlbauer. 133 Jahre nach der Uraufführung sei es der Plastik ähnlich ergangen.
Zum Konzert am 9. August, 15 Uhr, wird auch der 110. Todestag der Textdichterin und Ideengeberin Adelheid Wette begangen. Die Schwester Humperdincks schrieb das Libretto zu „Hänsel und Gretel“. An dem Abend liest Urenkelin Irmi Wette aus dem Briefwechsel zwischen Engelbert Humperdinck und seiner Schwester. Musik kommt laut Ankündigung von einem Quintett aus fünf international erfolgreichen Musikern, die unter anderem Helen Mills' Bläserquintett „Hänsel und Gretel“ spielen. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Gratistickets gibt es bei Vivenu.
