Die Abteilung für Geologie und Paläontologie wurde neu gestaltet und lockt mit interaktiven Medien zu spannenden Themen.
StadtmuseumAls Siegburgs Vulkane noch Lava und Asche spuckten

Alligator statt Krokodil: Neu gestaltete Abteilung zu Geologie und Paläontologie im Stadtmuseum Siegburg
Copyright: Andreas Helfer
Mächtige Krokodile machten einst die Gewässer der Region unsicher, davon konnten zumindest Gäste Siegburgs ausgehen, die im Stadtmuseum ein prächtiges, wenn auch ausgestopftes Großreptil vorfanden. Nach neuen Erkenntnissen musse es aber auch eine Nummer kleiner gehen: Bei der Eröffnung der neu gestalteten Abteilung für Geologie und Paläontologie machte die stellvertretende Bürgermeisterin Susanne Haase-Mühlbauer deutlich, dass es vor rund 25 Millionen Jahren wohl eher Alligatoren gegeben habe – und ein solcher löste jetzt auch besagtes Krokodil ab. „Es wird zurück ins Museum König geschickt“, so Haase -Mühlbauer.
Besucherinnen und Besucher wird eine deutlich überabeitete Ausstellung geboten. Ein großes Tischmodell veranschaulicht die stark durch Vulkanismus geprägte Region von den Wolsbergen und dem Michaelsberg bis zum Siebengebirge, ebenso wie ein großer Felsbrocken, eine so genannte Basaltbombe.
Schwache Erdkruste im Süden der Niederrheinischen Bucht
Nur schwach ist die Erdkruste im Süden der Niederrheinischen Bucht, so die Erklärung auf einer Tafel, durch Störungen gelangten glutflüssige Schmelzen aus 30 bis 50 Kilometern Tiefe an die Oberfläche. Die Auswurfmassen seien vor allem im alten Steinbruch am Wolsberg noch gut zu erkennen. Zahlteiche Kristalle sind in der Ausstellung zusehen, wobei der Fokus in die Region erweitert wird, etwa mit Natrolith-Kristallen vom Weilberg-Vulkan im Siebengebirge oder Calcit-Kristallen aus Bonn-Oberkassel.

Anhand von Gesteinen und Kristallen wird die Region geologisch erklärt.
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Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Fossiliensammlung des Museums, die aus der Grabungsstätte Rott stammen, die auf Hennefer Stadtgebiet liegt. Eine wandfüllende Animation zeigt, wie der frühere Süßwassersee mit einem Durchmesser von drei Kilometern und etwa 40 bis 50 Metern Tiefe ausgesehen haben dürfte. Eine leichte Brise streicht über Wasser und Schilf, Vögel und Riesenlibellen ziehen vorbei, und irgendwann zeigte sich eine längliche Silhouette knapp unter der Wasseroberfläche: Wohl ein Riesensalamander, der eine Länge von bis zu 1,50 Metern erreichte.
Kohlenschweine und Moschustiere
Bärenhunde dürften an den Ufern gelebt haben, bis zu drei Meter lang und 220 Kilogramm schwer, Kohlenschweine und Moschustiere mit beeindruckenden Eckzähnen. Über Touchscreens können Details zu Flora und Fauna im Tertiär eingeblendet werden.
Ein Clou ist Meteorologe Sven Plöger, der mit einer weiteren Videopräsentation gewissermaßen als Zeitreisender auftritt. Er gibt Wetterberichte zu einem Tag vor 25 Millionen Jahren mit alligatorfreundlichen Temperaturen, zum Jahr 2019, in dem die Region bereits unter einer Hitzewelle mit Temperaturen um die 40 Grad japste und auch einen Ausblick auf das Jahr 2064: Die Siegburgerinnen und Siegburger feiern das 1000-jähriges Bestehen ihrer Stadt, während die Wahnbachtalsperre trocken gefallen und der Rhein nur noch eine kümmerliches Rinnsal ist. Zum Glück sind die Folgen eines Hackerangriffs behoben, so dass Drohnen wieder entsalztes Meerwasser aus Cuxhaven heranfliegen können.

Zeitreisender in Sachen Wetter und Klima: Sven Plöger
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Museumsleiterin Gundula Caspary beschreibt die neu gestaltete Abteilung folgendermaßen: „Hier wird die über Jahrmillionen erfolgte Entwicklungsgeschichte zwischen Siebengebirge und Kölner Bucht bis ins Vorgebirge und Bergische Land hinein erzählt. Geologisches Gestein inklusive eines Stücks der Stadtmauer, ein mehrere Meter tiefer Bohrkern mit den für die Region relevanten Erdschichten, eine Stück Lavabombe und vor allem hervorragende Fossilien aus der Lagerstätte Rott machen diese Geschichte anschaulich.“

Fossilien aus der Lagerstätte Rott, im Hintergrund ein Riesensalamander.
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Die Fossillagerstätte Rott sei eine der bedeutendsten Tertiär-Fundstätten in Deutschland und „wegen ihres Umfangs, ihres Reichtums und ihres außergewöhnlich guten Erhaltungszustands von versteinerten Tieren und Pflanzen unter den Paläontologen weltweit bekannt“. Immer wieder kämen Wissenschaftler ins Haus, um „spezifische Leitfossilien“ zu untersuchen. Selten seien die Bedingungen einer Fossillagerstätte dergestalt, dass sie gleichzeitig die Konservierung von Tieren und Pflanzen ermögliche.
In ehrenamtlicher Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern der Universität Bonn habe man die seit mehr als 30 Jahren weitgehend unverändert gebliebene auf der Basis des neuesten Forschungsstandes umgestaltet, mit Dr. Georg Heumann den Raum Geologie und Dr. Bastian Mähler den Raum Paläontologie, die ebenso zur Eröffnung sprachen, wie Anne Henk-Hollstein, Vorsitzende der Landschaftsversammlung des LVR. Die Neugestaltung wurde durch den LVR und den Verein der Freunde des Stadtmuseums finanziell unterstützt.

Uta Rings hat eine Fensterinstallation für den Kulturkiosk auf dem Siegburger Markt geschaffen.
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Einen ungewohnten Anblick bietet derzeit der Kultuirkiosk vor dem Stadtmuseum: Uta Rings hat eine Fensterinstallation geschaffen, die sich als farbiges Band um den Pavillion zieht, wozu die Künstlerin Acrylglasplatten transparent bemalte und in einem bestimmten Rhythmus vor die Fensterfronten montierte. Im Inneren finden sich Kunst-Editionen von Frank Dömer, Tinka von Hasselbach, Johanna Hess, Enrik Hüpeden, Katrin Laade, Monika Lioba Lang, Ute Langanky, Wolfgang Lüttgens, Bernhard Peters, Uta Rings und Petra Siering. Die Installation ist bnis zum 30. August zu sehen.
