In der Aula des Schultzentrums Oberpleis wird es unerträglich heiß. Die Lüftungsanlage funktioniert schon seit 2015 nicht mehr.
HitzeWarum die Aula im Schulzentrum in Königswinter zur Sauna wird

Da war die Temperatur noch kein Problem: die konstituierende Sitzung des Rates Anfang November 2025 in der Aula Oberpleis. Am Montag (13. Juli) kamen die Mitglieder aber mächtig ins Schwitzen.
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Kühle Orte sind in diesen Hitzetagen sozusagen heiß begehrt. Die Aula des Schulzentrums Oberpleis gehört allerdings definitiv nicht dazu, wie die Männer und Frauen des Königswinterer Kommunalparlaments am Montagabend erfahren mussten: Der Rat tagte quasi in einer Sauna.
Glück hatten jene Kommunalpolitiker, die noch nicht komplett auf digitale Ratsarbeit umgestellt hatten – sie konnten sich mit Unterlagen ein bisschen Luft zufächeln. Die Lüftungsanlage ist allerdings sage und schreibe bereits seit 2015 nicht mehr in Betrieb, wie die Stadt am Dienstag auf Anfrage dieser Zeitung erklärte.
Stadt veröffentlich Online-Karte mit kühlen Orten in Königswinter
Zur „Sauna-Sitzung“ des Rates passt thematisch zweierlei: Der Rat beschloss am Montagabend, einen Antrag zu stellen, um eine auf 36 Monate befristete Personalstelle gefördert zu bekommen. Der oder die Beschäftigte soll sich mit der Umsetzung des Klimaanpassungskonzeptes befassen, das zurzeit in Arbeit ist. Federführend ist zurzeit Klimaanpassungsmanagerin Joana Pires Heise.
Zweitens veröffentliche die Stadtverwaltung am Dienstag eine erste Karte, auf der „Kühle Orte“ im Stadtgebiet aufgeführt werden. Sie ist online abrufbar und kann erweitert werden. „Die Karte zeigt öffentlich zugängliche Orte, die eine Möglichkeit zur Abkühlung und Erholung bieten“, so die Stadt.
Dazu zählen bisher aber „nur“ etliche Kirchen sowie die klimatisierte Petersberg-Apotheke und einige schattige Orte an Frischluftschneisen. „Ziel ist es, niederschwellige Rückzugsorte sichtbar zu machen und die Aufenthaltsqualität im Stadtgebiet während Hitzeperioden zu verbessern“, teilte die Stadt mit.
In der klimatisierten Petersberg-Apotheke an der Heisterbacher Straße in Oberdollendorf gibt es nach Angaben eines Mitarbeiters im Eingangsbereich eine Bank, auf der sich drei bis vier Menschen eine Weile aufhalten könnten. Die Inhaberin biete das auch in ihrer Engel-Apotheke in Troisdorf an der Poststraße an; das gelte auch für das Nachfüllen von Wasserflaschen.

Ein kühler Ort: St. Judas Thaddäus in Heiserbacherrott. Der Vorraum (Kapelle) ist täglich von 9-17 Uhr offen. Es ist in der Tat kühl durch die dicken Mauern.
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Sorgen, dass die Geschäfte bei Hitze überlaufen werden könnten, habe man nicht. Aber in einem Dorf wie Oberdollendorf sei eine Apotheke stets auch ein sozialer Treffpunkt, sagte der Mitarbeiter. Die Liste kühler Orte umfasste bis gestern (14. Juli) zwölf Standorte, darunter beispielsweise die Kirchen St. Michael in Niederdollendorf und St. Pankratius in Oberpleis oder auch die Logebachstraße.
Sie sei „im Sommer und besonders an Hitzetagen ein beliebter Aufenthaltsort. Durch den Bach und die Bäume entsteht ein angenehmes Mikroklima“, heißt es auf der Website. Zugleich bittet die Stadt dort „um ein respektvolles und rücksichtsvolles Verhalten“ an den jeweiligen „Kühlen Orten“.
Das müssen wir machen, anders ist es hier nicht aushaltbar
In der „Sauna-Sitzung“ des Rates war es übrigens SPD-Ratsmitglied Dirk Lindemann, der außerhalb der Tagesordnung die dicke Luft in der Aula beklagte. Die Klimaanlage müsse dringend repariert werden, auch im Interesse der Schülerinnen und Schüler, meinte er. Bei Bürgermeisterin Heike Jüngling rannte er damit offene Türen ein. Sie habe sich zuletzt etwa bei den Entlassfeiern nicht wohlgefühlt vor allem mit Blick auf die älteren Menschen. Mit Hinweise auf die nötige Reparatur sagte sie: „Das müssen wir machen, anders ist es hier nicht aushaltbar.“
Wie die Stadtverwaltung am Dienstag auf Anfrage erklärte, liegt der Grund für Außerbetriebnahme vor zwölf Jahren darin, dass die Anlage ein „nicht mehr zulässiges Kältemittel“ enthalte. Es könne auch kein anders verwendet werden, da die alte zentrale Kältemaschine neuartige Kühlmittel nicht verarbeiten könne.
Zur Dringlichkeit teilte sie mit: „Die Hitzetage zeigen, dass eine Durchführung von Schulentlassfeiern, Theaterstücken, Ratssitzungen etc. für die Besucherinnen und Besucher kaum mehr zumutbar ist. Daher muss nun gehandelt werden.“ Die Stadt prüfe, ob die Aula mit einer autarken Kälteversorgung ausgestattet werden könne. Wann das umgesetzt wird, könne man noch nicht sagen. Im Haushaltsplan stehen aber für 2027 480.000 Euro für einen Austausch der Lüftungsanlage bereit.
Über eine Lösung des Problems würden sich auch die Schulen im Schulzentrum Oberpleis – das sind die Petersberg-Gesamtschule und das Oelberg-Gymasium mit zusammen fast 2000 Schülerinnen und Schülern – freuen, wie Gesamtschulleiter Godehard Mai auf Anfrage dieser Zeitung sagte. Neben Schulveranstaltungen gebe es in der Aula auch städtische Events oder Vereinsveranstaltungen wie Karnevalssitzungen. Eine Investition in die Aula käme damit der ganzen Stadt zugute, so Mai. Bei der Abi-Feier bei 40 Grad Außentemperaturen sei es zuletzt jedenfalls „unerträglich warm“ gewesen.
Die Stadt Königswinter nimmt die Meldung kühler Orte oder Angebote im Stadtgebiet per E-Mail an Klimaschutz@koenigswinter.de entgegen.

