Für ihr jahrzehntelanges Engagement für die Vermittlung jüdischen Lebens im Rheinland hat Gabriele Wasser den Rheinlandtaler erhalten.
Jüdisches LebenGabriele Wasser wird in Königswinter mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet

Gabriele Wasser und Jürgen Wihelm bei der Verleihung des Rheinland-talers in Königswinter.
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Für ihr jahrzehntelanges Engagement für den christlich-jüdischen Dialog und die Vermittlung jüdischen Lebens im Rheinland ist Gabriele Wasser am Montag mit dem Rheinlandtaler des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ausgezeichnet worden.
Damit würdige der LVR zugleich Wassers Verdienste um „die kulturelle Entwicklung des Rheinlandes, für ein friedliches Miteinander der Kulturen und Glaubensrichtungen sowie den Kampf gegen Vorurteile in der Gesellschaft und gegen Antisemitismus“, sagte Jürgen Wilhelm, stellvertretender Vorsitzender der Landschaftsversammlung. Er überreichte Gabriele Wasser den Rheinlandtaler bei einer Feierstunde im Siebengebirgsmuseum.
Für Stolpersteine in Königswinter die Schicksale der NS-Opfer recherchiert
Gabriele Wasser, 1946 in Bonn geboren, studierte in Bonn und Jerusalem Geschichte, Germanistik und Pädagogik. Seit Jahrzehnten, so sagte die Geehrte am Montag selbst, begleite sie die Aufgabe, „die Erinnerung an jüdisches Leben und jüdische Geschichte im Rheinland lebendig zu halten“.
Die Bonnerin hatte in den letzten Jahren unter anderem die Verlegung von Stolpersteinen in Königswinter begleitet und die jeweiligen Schicksale der Menschen recherchiert, an die die Stolpersteine erinnern. „Ein Stolperstein“, sagte Gabriele Wasser, „ist klein, aber er verändert den Blick auf eine Straße. Aus einem Haus wird wieder ein Zuhause, aus einem Namen wieder ein Mensch. Und Geschichte findet nicht mehr irgendwo statt, sondern direkt vor unserer eigenen Haustür.“
Von 2007 bis 2015 hat Gabriele Wasser, die Autorin mehrerer Bücher ist und 2023 zusammen mit Georg Divossen einen Film über 900 Jahre jüdisches Leben in Königswinter produzierte, das „Kleine jüdische Lehrhaus“ in Oberkassel geleitet. Heute betreut sie den jüdischen Lehrraum im Brückenhofmuseum in Oberdollendorf. „Ihre Recherchen zur Bonner jüdischen Gemeinde und zum jüdischen Friedhof in Bonn-Schwarzrheindorf sind wegweisend“, betonte Jürgen Wilhelm.
Sigrid Lange, die Leiterin des Siebengebirgsmuseums, erinnerte daran, dass es 2018 Gabriele Wassers Idee war, Führungen über den jüdischen Friedhof in der Altstadt anzubieten. Inzwischen habe sie das ausgebaut zu einer ganzen Stadtführung zu den jüdischen Erinnerungsorten. Zudem habe Wasser dem Museum in der Kellerstraße „tolle Leihgaben“ überlassen, darunter ein Dekret des Kurfürsten Joseph Clemens, der die jüdische Bevölkerung unter einen besonderen Schutz gestellt habe, so Lange. Nicht zuletzt habe sich das Laubhüttenfest im Siebengebirgsmuseum zu einer Tradition entwickelt.
Königswinters Bürgermeisterin Heike Jüngling sagte: „Sie schaffen Begegnungen, fördern den Dialog und laden dazu ein, voneinander zu lernen. Damit bereichern Sie nicht nur unsere Museumslandschaft, sondern auch das gesamte kulturelle und gesellschaftliche Leben in Königswinter.“
Gabriele Wasser betonte, dass das Rheinland für sie „weit mehr als ein geografischer Begriff“ sei. „Es ist Herkunft, es ist Haltung, es ist Heimat.“ Vielleicht verdanke sie dem Rheinland „jene Mischung aus Offenheit, Beharrlichkeit und einer gewissen Dickköpfigkeit, ohne die viele meiner Projekte nie entstanden wären“.
Nicht Mitgefühl mit den Opfern bestimmte vielerorts die Reaktion, sondern ein erschreckend schneller Ausbruch von Judenhass
Die neue Trägerin des Rheinlandtalers berichtete, sie habe als junge Frau in Israel Menschen getroffen, die die Shoah überlebt hatten. Erst durch diese Begegnungen sei aus historischem Wissen menschliche Erfahrung geworden. Als am 7. Oktober 2023 die Terroristen der Hamas mehr als 1200 Israelis ermordeten und über 200 Geiseln in den Gazastreifen verschleppten, seien sie und ihr Mann Eli Harnik gerade in Israel gewesen.
„Auch wir kennen Menschen, die ermordet wurden oder Angehörige verloren hatten.“ Als „verstörend“ aber habe sie die Reaktion in weiten Teilen der Welt erlebt: „Nicht Mitgefühl mit den Opfern bestimmte vielerorts die Reaktion, sondern ein erschreckend schneller Ausbruch von Judenhass“, so Gabriele Wasser. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, dass offener Judenhass in unserer Gesellschaft wieder so sichtbar werden könnte.“ Noch bedrückender sei gewesen, wie wenig Widerspruch ihm entgegengeschlagen sei.
