Immer wieder stoßen Bauarbeiter auf Reste historischer Bauten in Köln. Der Bogen am Goldschmied-Carré stammt aus dem 13. Jahrhundert.
Am geplanten Goldschmied-CarréMittelalterlicher Torbogen bei Bauarbeiten in Kölner Innenstadt freigelegt

An der Baugrube am Goldschmied-Carré in der Kölner Innenstadt wurde ein Torbogen aus dem 13. Jahrhundert freigelegt und geborgen.
Copyright: Mike Külschbach
Bei den Bauarbeiten zum geplanten Goldschmied-Carré in der Kölner Innenstadt wurde bei Rückbauarbeiten ein historischer Torbogen freigelegt. In der vergangenen Woche wurde damit begonnen, den Bogen fachgerecht zu bergen und abzutransportieren.
Schätzungen von Historikern zufolge stammt die vollständig erhaltene Bogenreihe aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts und war ursprünglich als wichtiges Stützelement im Keller eines Patrizier- oder Kaufmannshauses verbaut, wie Mike Külschbach, Sprecher der ausführenden Baufirma Bauwens, mitteilte. Der Bogen besteht aus Trachyt, einem vulkanischen Gestein, das bereits seit der Römerzeit am Drachenfels im Siebengebirge abgebaut wurde und im Mittelalter einer der wichtigsten Bausteine für statisch beanspruchte Bauteile war.

Der Bogen stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts.
Copyright: Mike Külschbach
Die Bergung geschieht in enger Zusammenarbeit mit dem Römisch-Germanischen Museum Köln. Mitarbeitende des Museums sorgten für den fachgerechten Ausbau des Bogens. Auf Instagram teilte Bauwens einen Einblick in die Bergungsarbeiten. Die Steine werden einzeln durch die Arbeiter mithilfe eines Kranfahrzeugs aus der Grube gehoben und auf Paletten gesichert. Nach dem vollständigen Abbau wird der Rundbogen als „wichtiges Element der mittelalterlichen Baustruktur“ zur dauerhaften Lagerung in die Depots des Museums gebracht. Ob der Bogen ausgestellt wird, ist noch nicht bekannt.
Im Instagram-Video erklärt Gregor Wagner vom Römisch-Germanischen Museum zudem, warum man den Bogen recht präzise zeitlich einordnen kann. Das Haus, zu dem der Bogen gehörte, wurde 1292 geteilt: „Wir können das anhand der mittelalterlichen Grundstücksakten, der Schreinsurkunden nachvollziehen.“ Auf Grundlage dieser Akten könne man das Bogenkonstrukt auf das 13. Jahrhundert datieren, es stamme „wahrscheinlich erst aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts“.
Das geplante Goldschmied-Carré der Hanse Merkur Grundvermögen ist Teil eines großen Neubauprojekts am Kölner Dom. Es besteht aus drei Bauteilen und soll auf einer Fläche von 3200 Quadratmetern ein Hotel, Büros, Einzelhandels- und Gastronomieangebote sowie eine Tiefgarage beherbergen. Im März dieses Jahres wurde das Richtfest gefeiert und mit den Bauarbeiten begonnen, die ersten Gebäudeteile sollen 2027 fertiggestellt werden. Der mittelalterliche Torbogen wurde bei der Herstellung der Baugrube für den letzten „Bauteil C“ gefunden, der ab Herbst 2028 als Bürohaus genutzt werden soll.
