Der spektakuläre Abriss der völlig maroden Bahnbrücke an der Landesstraße 193 bei Niederdollendorf hat am Mittwoch (15. Juli) begonnen. Die Zeit drängt.
ErsatzneubauWie Großbagger in Königswinter eine Bahnbrücke aus dem Jahr 1963 zerlegen

70 Meter lang ist die Bahnbrücke der L193, die jetzt abgerissen wird.
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Die Motoren der Großbagger dröhnen, der von den riesigen Greifzangen verbogene Stahl quietscht, Betonbrocken fallen krachend zu Boden. Staub nebelt die ganze Szenerie ein, obwohl Arbeiter versuchen, ihn mit Wasserstrahlen zu bändigen.
Projektleiter Adrian Kappes, der die Medienvertreter am Mittwoch (15. Juli) ein Stück näher an die Großbaustelle geführt hat, beobachtet das Spektakel, so wirkt es, recht gelassen. Dabei drängt die Zeit. Bis Sonntag (19. Juli) muss die marode Bahnbrücke, die auf 70 Metern Länge die Landesstraße 193 über fünf Gleise der Deutschen Bahn hinweg führt, abgerissen sein.
85 Meter lange Stahl-Stabbogenbrücke wird vor Ort vormontiert und eingeschoben
Von einem „wichtigen Meilenstein“ beim Ersatzneubau der Bahnbrücke sprach am Mittwoch der Landesbetrieb Straßen.NRW, für den Adrian Kappes das Großprojekt leitet. Schon im Oktober soll eine 85 Meter lange Stahl-Stabbogenbrücke an dieselbe Stelle geschoben werden, die zuvor auf dem Baufeld gleich nebenan komplett vormontiert wird.
Sogenannte selbstfahrende Modulfahrzeuge (SPMT) sollen die neue Brücke in einem Stück in ihre endgültige Position schieben. Direkt nach den gestern gestarteten Abbrucharbeiten beginnt der Bau der neuen Widerlager. „Es läuft vieles parallel“, sagte Adrian Kappes, der für den Landesbetrieb auch schon die mehrjährige Sanierung der Drachenbrücke (B42) oberhalb der Altstadt von Königswinter gemanagt hat.

Adrian Kappes vom Landesbetrieb Straßen.NRW leitet das Projekt Neubau der Bahnbrücke.
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Durch die gleichzeitigen Arbeiten, vor allem aber auch durch eine sogenannte funktionale Ausschreibung soll das 21-Millionen-Euro-Projekt ausgesprochen zügig über die Bühne gehen. „Dieses innovative Vergabeverfahren verzahnt Planung und Bau eng miteinander. Vom ersten Spatenstich im April 2026 bis zur geplanten Verkehrsfreigabe Anfang 2027 vergehen lediglich zehn Monate“, verspricht der Landesbetrieb Straßen.NRW.
Die 1963 in Stahlverbundbauweise errichtete alte Brücke war völlig marode. Unter anderem habe man Beulen an den Stahlträgern festgestellt. Eine Sanierung oder Verstärkung sei technisch und wirtschaftlich nicht sinnvoll. Schon seit ein paar Jahren galt auf der Brücke, die Niederdollendorf quasi direkt an die Bundesstraße 42 anbindet, eine Gewichtsbeschränkung von 16 Tonnen. Rund 6000 Fahrzeuge nutzten vor der Vollsperrung für den Ersatzbau der Bahnbrücke diesen Abschnitt der Landesstraße 193.
Für den seit gestern laufenden Rückbau kommen sechs Großbagger mit Hydraulikhämmern, Abbruchzangen und Greifern zum Einsatz. Im 24-Stunden-Betrieb dauern die Arbeiten bis Sonntag. Den Termin hat die Bahn vorgegeben, wie Adrian Kappes erklärte. Zwar ist die Bahntrasse für die Korridorsanierung bis Anfang Dezember komplett gesperrt. Aber die Bahn selbst brauche die Gleise ab Montag wieder zur Abwicklung ihrer Arbeiten. Zudem müsse das Warmwalzwerk Königswinter (ww-k) wieder mit Stahl beliefert werden.

Reste des Geländers vor einem Widerlager, das noch abgerissen wird.
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Zum Schutz der Gleisanlagen wurde daher ein sogenanntes Fallbett aus Baggermatten, Stahlplatten sowie einer Schüttschicht aus Schotter und Recyclingmaterialien errichtet. „Es fängt herabfallende Beton- und Stahlteile auf und schützt die Gleise während des Abbruchs vor Beschädigungen“, so der Landesbetrieb. Das Abbruchmaterial werde aufbereitet und weitgehend wiederverwertet.
Die neue Brücke bekommt auf der Ostseite einen drei Meter breiten gemeinsamen Rad- und Gehweg und auf der Westseite zusätzlich einen Gehweg. In der Mitteilung der Behörde ist von einer modernen und zukunftsfähigen Straßenverbindung die Rede, „von der alle Verkehrsteilnehmenden profitieren werden“.
