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Gegründet in 50er JahrenIm Warmwalzwerk Königswinter ist alles schwer und vieles heiß

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Hinter der kurz geöffneten Klappe eines riesigen Ofens sind rot glühende Stahlblöcke und ein gelber Feuerschein zu sehen.

Rot glühend kommen die Stahlplatten (Brammen) aus dem riesigen Ofen des Warmwalzwerks Königswinter.

In dem von Paul Lemmerz errichteten Warmwalzwerk erwirtschaften 117 Mitarbeiter einen Umsatz von 70 Millionen Euro. Alte Maschinen leisten unverwüstlich ihren Dienst. 

Die Funken sprühen, das Wasser spritzt und es wird ziemlich laut und heiß, als die Blockteilanlage mit Temperaturen von rund 2000 Grad einen mächtigen Stahlblock (Rohbramme) in „kleine“ Teile (Brammen) schneidet, die aber immer noch jeweils rund 2000 Kilogramm auf die Waage bringen. Später verschwinden diese Brammen in einem riesigen Ofen – bis zu 70 dieser Stahlblöcke passen dort hinein –, den sie nach vier Stunden rot glühend verlassen.

In einer Walze werden sie – wieder Funken schlagend und Wasser sprühend – dann zu Breitflachstahl geformt. Bis zu 42 Meter lang und nur fünf Millimeter dünn können diese flachen „Platten“ werden, die jedoch in der Regel auf Standardlängen von sechs oder zwölf Meter zugeschnitten werden. Die schwere Maschine erledigt das Zuschneiden, als wäre der Stahl ein Blatt Papier. Das Metall aber ist bei diesem Arbeitsschritt immer noch rund 650 Grad heiß.

Energiekosten stiegen durch Krise um sieben Millionen Euro

Es ist so ziemlich alles schwer und vieles sehr heiß im Warmwalzwerk Königswinter (WW-K), einem Industrieunternehmen mit einer besonderen Tradition, in dem imposante Maschinen seit Jahrzehnten schier unverwüstlich ihren Dienst tun. Eine „kleine Zeitreise“ kündigte Betriebsleiter Stefan Scheele denn auch an, als er dieser Tage eine Gruppe der SPD Königswinter durch das Werk führte.

Seit 2010 ist das WW-K als selbstständiges Unternehmen am Markt. Ursprünglich gehörte es zu den Lemmerz-Werken Königswinter. In den 1950er Jahren ließ Räderhersteller Paul Lemmerz es errichten. Laut Firmenhomepage war es „die kleinste und modernste Walzstraße Europas“.

2009 wollte der damalige Eigentümer Hayes-Lemmerz das Werk schließen. Rainer Zimmer übernahm das Walzwerk 2010 und ist zusammen mit Roland Haas bis heute Eigentümer. Die 117 Mitarbeiter erwirtschaften nach Angaben von Stefan Scheele einen Umsatz von rund 70 Millionen Euro im Jahr.

Allein etwa 2000 Tonnen Breitflachstahl verlassen das Werk pro Monat. Hinzu kommen Zehntausende Stanzteile wie Ronden für die Produktion von Rädern. 2022 sei das umsatzstärkste Jahr des Unternehmens gewesen, das laut Betriebsleiter aber die Energiepreiskrise stark zu spüren bekommt.

Neun statt bisher zwei Millionen Euro im Jahr müsse man für die Energiekosten aufbringen, berichtete Stefan Scheele den Besuchern. Wasserstoff sei noch keine Alternative zum Erdgas, man wolle aber über eine neue Brennertechnologie den Energieverbrauch reduzieren.

Warmwalzwerk kann sehr schnell auf Wünsche der Kunden reagieren

Das Königswinterer Werk könne – anders als die großen Mitbewerber – sehr schnell und flexibel auf die Wünsche der Kunden reagieren. „Wir walzen auch für nur fünf Tonnen“, betonte Scheele und sprach von einem „Nischenmarkt“, den das Warmwalzwerk Königswinter bediene. Zu den Abnehmern gehören unter anderem der Hoch- und Tiefbau oder der Metall- und Maschinenbau.

Hauptkunde (rund 65 Prozent des Geschäfts) ist aber nach wie vor der Lemmerzwerk-Nachfolger Maxion Wheels, der sich gleich neben der 350 Meter langen WW-K-Halle befindet. Aus zuvor gestrahlten Breitflachstahlen stanzt hier eine Maschine mit dem Druck von 2000 Tonnen runde Stahlplatten mit einem Loch in der Mitte heraus. Diese sogenannten Ronden verarbeitet Maxion Wheels zu „Schüsseln“ für Lkw-Räder weiter. 400 dieser Ronden werden pro Stunde aus dem Stahl gestanzt, jede rund 20 Kilogramm schwer.

Hier sorgt inzwischen der moderne Kollege Roboter dafür, dass die Scheiben in Metallkisten zum Weitertransport verstaut werden. Beispielsweise mit der Walze und deren 2100 PS starkem Motor (laut Scheele ein „Unikat“ und „Herzstück“ der Firma) sind noch Maschinen aus den 1950er Jahren zuverlässig in Betrieb. Die anfangs erwähnte Blockteilanlage aber, die mit 2000 Grad Hitze die 27 Tonnen schweren Rohbrammen in „kleine“ Teile schneidet, wurde erst im Jahr 2018 neu angeschafft.

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