Mit dem neuen Konzept wolle das Team der Siegburger Stadtbibliothek zeigen, was eine moderne Bibliothek bieten kann, erklärte deren Leiter Thomas Druwe.
Ressourcen und Geldbeutel schonenIn Siegburg gibt es jetzt eine Bibliothek der Dinge

Die zwei Verantwortlichen der Bibliothek der Dinge: Leonie Noack (l.) und Dana Kaufmann.
Copyright: Laura Hofschlag
Seit Anfang Februar bietet die Stadtbibliothek Siegburg unter dem Motto „Leihen statt kaufen, gemeinsam teilen statt besitzen“ eine Bibliothek der Dinge an. Das Konzept soll Ressourcen und den eigenen Geldbeutel schonen. Jeder habe Dinge zu Hause, die nach einmaliger Benutzung wieder in den Tiefen des Kellers verschwinden, so Druwe. Mit der Bibliothek der Dinge soll ein zentraler Ort geschaffen werden, an dem Gegenstände für Interessierte bereitstehen. „Da bietet sich natürlich eine öffentliche Bibliothek an. Ich meine, wer kennt sich besser aus mit Ausleihen?“, sagt Thomas Druwe lachend.
Die beiden Mitarbeiterinnen Dana Kaufmann und Leonie Noack haben sich des Projekts angenommen. Im Entstehungsprozess der Bibliothek der Dinge verfolgen sie die Design-Thinking-Methode: „Nicht alles muss direkt fertig sein. Wir wollen, dass die Kunden mit uns interagieren, uns Feedback geben und wir dann gegebenenfalls noch Sachen anpassen können“, erklärt Noack. „Es ist die Bibliothek der Dinge für Siegburg. Wir können ja nicht wissen, was die Siegburgerinnen und Siegburger brauchen“, ergänzt Druwe.
Bibliothek der Dinge: Siegburger können ihre Wünsche äußern
Vor dem Start gab es daher eine Ausstellung, um die Nutzerinnen und Nutzer an das Thema heranzuführen. Viele hätten das Angebot angenommen und ihr Feedback auf das Plakat geschrieben. „Wirklich ehrliche Wünsche und super Ideen. Wir freuen uns total, dass sich die Leute da so engagiert haben“, berichtet Noack begeistert.

Das Feedback-Plakat wurde sehr gut angenommen.
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Für die Bibliothek der Dinge wurden alte Zeitungsfächer umfunktioniert. In bislang 48 Fächern können nun diverse Freizeit-, Alltagsgegenstände oder Werkzeuge gelagert werden. Aktuell sind 30 Plätze belegt. Zur Ausleihe stehen beispielsweise ein Boule-Spiel, ein klappbarer Bollerwagen, ein Bilderbuchkino, ein 3D-Scanner, ein Podcasting-Mikrofon, eine Sofortbildkamera oder ein Häkel-Set bereit. Die ersten Zahlen zeigten, dass das neue Angebot bereits sehr gut angenommen wird, berichtet das Bibliotheksteam.
In den nächsten Wochen sollen noch weitere Gegenstände dazu kommen. Man überlege schon jetzt, die Kapazitäten auszuweiten, sagen die beiden Mitarbeiterinnen. „Wir wollen so viele Bereiche wie möglich abdecken. Vielleicht kommt man dadurch auch auf die Idee, ein neues Hobby – zum Beispiel Häkeln –zu starten“, sagt Dana Kaufmann. „Ich muss ja nicht alle Sachen für ein neues Hobby direkt horten. Dann ist mein Schrank voll und mein Geldbeutel leer“, ergänzt Noack.
Bestand setzt sich aus Spenden zusammen
Der Bestand der Bibliothek setzt sich bislang aus Spenden von Siegburger Unternehmen und Vereinen zusammen. So stellte die Verbraucherzentrale einem Energiemessgerät zur Verfügung. Darüber hinaus hat sich der Freundeskreis der Bibliotheksmitarbeiterinnen und -mitarbeiter beteiligt.

In den ehemaligen Zeitungsfächern finden jetzt die Gegenstände der Bibliothek der Dinge ihren Platz.
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Interessierte, die auch etwas spenden möchten, sollten sich vorher per E-Mail melden und ein Foto von dem „sehr gut erhaltenen oder neuwertigen“ Gegenstand machen, erklärt Leonie Noack. Das Team beurteilt dann, ob die Spende in den Bestand der Bibliothek aufgenommen wird. „Wir möchten vermeiden, dass die Leute hier mit einer Kiste an Spenden ankommen und uns Sachen direkt vorbeibringen“, fährt sie fort.
Für Musikbegeisterte soll es bald auch eine Ukulele zum Ausleihen geben. „Die Spende war jedoch nicht mehr taufrisch und da ist dann beim Stimmen eine Saite gerissen. Da kümmern wir uns aber jetzt drum“, sagt Leonie Noack zerknirscht, aber mit einem Lächeln. Der Blue-Bot, ein Roboter für Kinder, wurde zuletzt von einer Kita ausgeliehen. „Das ist natürlich auch sehr schön, wenn da Kooperationen entstehen“, sagt Noack.
Ausleihe für Bibliotheksmitglieder ab 18 Jahren kostenlos
Bibliotheksmitglieder können die Gegenstände kostenfrei ausleihen. Jedoch ist eine Ausleihe aus versicherungstechnischen Gründen erst ab 18 Jahren möglich. Die Leihfrist beträgt zwei Wochen und kann zweimal verlängert werden. Die Verbrauchsmaterialien sind bei den angebotenen Gegenständen nicht inklusive. So müssen zum Beispiel Batterien oder Bilder für die Polaroid-Kamera selbst angeschafft werden.
Vor der Ausleihe werden die Gegenstände von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern noch mal komplett durchgecheckt und die Elektrogeräte auf ihre Funktion geprüft. „Wir achten darauf, dass wir möglichst hochwertige und langlebige Dinge anschaffen. Wir erhoffen uns dadurch, dass die möglichst lange für die Ausleihe erhalten bleiben“, erklärt der Bibliotheksleiter.

Bei der Anschaffung der Gegenstände achtet das Team auf die Qualität und Langlebigkeit.
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Wenn bei der Rückgabe klar erkennbar ist, dass der Gegenstand bewusst kaputt gemacht wurde, muss der Kunde den vollständigen Preis zuzüglich einer Bearbeitungsgebühr zahlen. Diese wird auch dann fällig, wenn die Gegenstände stärker verschmutzt als normal zurückkommen. Die Gebühr schwankt zwischen zwei und fünf Euro. „Wir halten die Leute natürlich dazu an, dass sie alle Sachen geputzt, heile und ordentlich wieder zurückbringen sollen. Deshalb kontrollieren wir die Sachen nach jeder Ausleihe“, sagt Leonie Noack.
Mitgliederanzahl: Siegburger Stadtbibliothek blickt auf positive Entwicklung
Die Entwicklung der Mitgliederzahl in den letzten Jahren beschreibt der Stadtbibliotheksleiter als positiv. „Wir haben jetzt wieder Zuwächse“, sagt Druwe. Ein Grund sei, dass die Bibliothek Anfang des Jahres zur Open Library geworden ist und somit ihre Öffnungszeiten von 42 auf 72 Stunden in der Woche erweitert hat.
Ebenso habe der Bibliothekspreis im Jahr 2025 für einen großen Zulauf gesorgt. „Die Bibliothek der Dinge soll das Angebot für die Leute jetzt natürlich noch attraktiver machen“, sagt Thomas Druwe. „Wir möchten zeigen, was eine moderne und öffentliche Bibliothek den Menschen bieten kann“, stellt Druwe klar.
Anfragen für neue Spenden können per E-Mail an info@stadtbibliothek-siegburg.de gestellt werden. Wünsche nimmt das Bibliotheksteam über die Medienwunschkarten an der Informationstheke oder ebenso per E-Mail entgegen. Um sich vorab über den Bestand der Bibliothek zu informieren, sind die Gegenstände im Online-Katalog zu finden.

