Mithilfe des Fördervereins hat das Bilderbuchmuseum Skizzen und Studien des Berliner Autors Sebastian Meschenmoser gekauft.
Nicht nur was für KinderTroisdorfer Bilderbuchmuseum kauft Skizzen zu „Rotkäppchen hat keine Lust“

Märchenstunde im Bilderbuchmuseum (v.l.n.r.): Andrea Schrahe (Mitglied Vorstand Förderverein Bilderbuchmuseum), Karl Arnold (Vorsitzender Förderverein Bilderbuchmuseum) und Pauline Liesen (Leiterin Bilderbuchmuseum).
Copyright: Laura Hofschlag
Das Troisdorfer Bilderbuchmuseum erweitert seine seit 2000 bestehende Rotkäppchensammlung mit Illustrationen von Sebastian Meschenmoser, einem Berliner Autor und Künstler. Den Ankauf hat der Förderverein des Museums möglich gemacht. Schon im Jahr 2016 gingen sämtliche Originalillustrationen seines Buches „Rotkäppchen hat keine Lust“ in die Sammlung des Museums über. Nun werden diese mit 15 Studien und zwölf Skizzen ergänzt. Sie sollen Einblicke in den Schaffensprozess des Illustrators geben.
„Rotkäppchen hat keine Lust“ war Meschenmosers erste und „meiner Meinung nach auch beste Adaption“, sagt Dr. Pauline Liesen, Leiterin des Bilderbuchmuseums in Troisdorf. Die Bilderbücher des Autors und Künstlers waren mehrfach für den Jugendliteraturpreis nominiert.

Zeigen die Illustrationen (v.l.n.r.): Susanne Meinel (stellvertretende Vorsitzende Förderverein Bilderbuchmuseum), Karl Arnold (Vorsitzender Förderverein Bilderbuchmuseum) Pauline Liesen (Leiterin Bilderbuchmuseum) und Andrea Schrahe (Mitglied Vorstand Förderverein Bilderbuchmuseum).
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Rotkäppchen sei dabei keinesfalls nur etwas für Kinder. In Meschenmosers Büchern fänden sich auch Anspielungen, zum Beispiel auf Goethe, wieder. „Das Bild erzählt weit über den Text hinaus. Anspielungen, die über das Wissen von Kindern hinausgehen, machen ein gutes Bilderbuch aus“, erläutert Liesen.
Bekanntes Märchen: Meschenmoser interpretiert Rotkäppchen neu
In „Rotkäppchen hat keine Lust“ erwacht der Wolf einsam und hungrig nach seinem Winterschlaf. „Er hört dann auf den Rat seiner Großmutter, bei Verbitterung ein süßes Mädchen zu fressen, und macht sich sogleich auf den Weg, um einem Mädchen im Wald aufzulauern“, erzählt Pauline Liesen voller Begeisterung. Doch dann kommt alles anders: Rotkäppchen stapft erst einmal wutschnaubend an dem Wolf vorbei und das Rollenverhältnis wird umgekehrt. Der Wolf beginnt, Kuchen zu backen, und Rotkäppchen entwickelt ein überraschend eigenwilliges Abenteuerleben.

Die Entwicklung einer Bilderbuchseite.
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Die ursprüngliche Geschichte vom Rotkäppchen, „Le petit chaperon rouge“, wurde bereits im Jahr 1697 von Charles Perrault schriftlich festgehalten. Hier verführe der Wolf das Rotkäppchen, erklärt Liesen. „Die Geschichte war für Erwachsene am Hof gedacht und eher eine erotische Variante.“ Im deutschsprachigen Raum erhielt das Märchen vor allem durch die Brüder Grimm ihre bis heute bekannte Form. Um die Abwandlung von Sebastian Meschenmoser zu verstehen, muss man das Märchen in seiner Ursprungsform kennen – „ein Grundwissen wird erwartet und verlangt“, sagt Liesen.
Bilderbuchmuseum: Skizzen zeigen kreativen Entstehungsprozess
Skizzen und Studien haben für das Bilderbuchmuseum eine besondere Bedeutung. „Es gibt nichts Schöneres, als zu sehen, wie der Künstler zu seinem Ergebnis kommt“, schwärmt die Leiterin. Man könne den kreativen Entstehungsprozess nachvollziehen. „Die Skizzen zeigen das Rantasten, das Entwickeln und, dass jeder Illustrator sich abarbeitet“, erklärt Pauline Liesen. Es sei wichtig, dass Kinder diesen Prozess noch verstehen könnten. „Das ist ein Gegenpol zur KI. Hier kann man noch die Individualität und Persönlichkeit sehen.“
Die neu erworbenen Skizzen des Berliner Autors sollen im Rotkäppchenraum des Bilderbuchmuseums ausgestellt werden. Liesen überlegt, die Pinnwand abzuhängen, um Platz für die Illustrationen von Meschenmoser zu schaffen.

Die aktuelle Pinnwand im Rotkäppchenraum.
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Ende April plant das Bilderbuchmuseum eine Comicausstellung, unter anderem mit dem Kindercomic „Kiste“ von Patrick Wirbeleit. Auch hier will Liesen dafür sorgen, dass nicht nur die fertigen Comicseiten zu sehen sind, sondern auch Vorstudien, wie zum Beispiel Skizzen oder ein Storyboard – je nach finanziellen Möglichkeiten. Dabei erhält das Bilderbuchmuseum immer wieder Unterstützung vom Förderverein. Auch Sebastian Meschenmoser Illustrationen wurden mithilfe des Vereins angeschafft.
Liesen: Bilderbücher immer noch relevant für Gesellschaft
Pauline Liesen erklärt, man könne die Menschen immer noch in zwei Gruppen unterteilen. Diejenigen, die viel lesen, führten auch ihre Kinder an das Lesen heran und sähen in den Bilderbüchern eine gute Möglichkeit der Leseförderung. „Ein bisschen verloren geht die Bereitschaft, sich auf das Bild einzulassen“, sagt Liesen. In Bilderbüchern beeinflussten die Bilder die Geschichte stark, dennoch liege der Fokus vermehrt auf dem Wort. „Wir verlernen es, ins Bild zuschauen. Sich darauf einzulassen, wie das Bild funktioniert und eigene Worte dafür zu finden“, mahnt Liesen.
Dabei hätten Bilderbücher auch heute noch eine hohe Relevanz für die Gesellschaft. Sie deckten eine Themenvielfalt und auch aktuelle politische Themen ab. „Mittlerweile wird das immer wichtiger. Vor allem, weil Kinder durch andere Medien mit den Themen schon früh in Kontakt kommen“, betont Liesen. „Das Bilderbuch greift da vor, kann erläutern und erklären.“

