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Ab 10. JuliDas bedeutet die Sperrung der Bahn zwischen Troisdorf und Unkel

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Bauarbeiten für die S13 zwischen Troisdorf Bonn-Oberkassel bei Sankt Augustin Menden

Bauarbeiten für die S13 zwischen Troisdorf Bonn-Oberkassel bei Sankt Augustin Menden

Vom 10. Juli bis zum 12. Dezember wird die rechtsrheinische Bahnstrecke nach Wiesbaden komplett gesperrt und saniert. Auch Bahnhöfe werden um- und neugebaut.

In der Medizin gibt es den Begriff der Erstverschlimmerung: Vor der Genesung werden die Beschwerden heftiger. Das lässt sich auf die Sanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke zwischen Troisdorf und Wiesbaden durchaus übertragen. Die wird vom 10. Juli bis zum 12. Dezember komplett gesperrt, die Reisenden müssen in Busse umsteigen oder mit dem Auto fahren. Was in der Zeit auf dem NRW-Teilstück zwischen Troisdorf und Unkel passiert und was das für die Fahrgäste bedeutet, erklärten Vertreter der Deutschen Bahn am Mittwoch, 25. März, bei einem Pressegespräch.

Korridorsanierung verspricht stabileren Ersatzverkehr

„Korridorsanierung“ nennt die Bahn das Vorgehen, das inzwischen anderswo mehrfach erprobt wurde. Statt vieler kurzfristiger Baustellen sperrt die Bahn die Strecke komplett, es gibt feste Termine für Start und Abschluss. Alle Gewerke arbeiten gleichzeitig, die Bahn setzt auf stabile Umleitungsverkehre und verspricht einen hochwertigen Ersatzverkehr mit Bussen.

Idealerweise, so Jens Sülwold, Projektleiter für den Ausbau der S13 und für die Sanierung, gelingt es dabei auch, verschlissenes Material wie Gleise und Fahrdraht nicht nur auszutauschen, sondern auch so auszulegen, dass die Strecke kommendes Wachstum im Verkehr aufnehmen kann. Denn jetzt, so räumten die Bahnvertreter ein, ist das Pünktlichkeitsniveau auf einem Tiefststand.

Allein in Troisdorf werden 35 Weichen ausgetauscht

Fast 26 Kilometer ist die Strecke zwischen Troisdorf und Unkel lang, hier werden 37 Kilometer Gleis entweder erneuert oder saniert, außerdem 14 Kilometer Oberleitung. Eine Eisenbahnüberführung entsteht, drei Verkehrsstationen werden umgebaut, mit dem Bahnhof Bad Honnef eine sogar komplett neu gebaut. Allein auf Troisdorfer Stadtgebiet werden während der Sperrpause 35 Weichen ausgetauscht, außerdem die Gleise. Insgesamt werden 54 Weichen ersetzt und die gesamte Strecke mit moderner Leit- und Sicherungstechnik ausgestattet.

Männer mit Helm und Warnweste an einer Baustelle. Von einem Hubschrauber werden Masten für Signale herabgelassen.

Für den S-13-Ausbau ließ die Deutsche Bahn im Sommer 2025 Signalmasten mit einem Hubschrauber einfliegen.

Dagegen ist das sogenannte Überwerfungsbauwerk in Troisdorf noch nicht in Sicht. Die Planung für die Brücke, die eines Tages die kreuzungsfreie Verbindung zwischen Oberkassel und dem Flughafen ermöglichen soll, stecke „noch in den Kinderschuhen“, sagte Jens Sülwold. „Eine seriöse Zeitschiene“ gebe es dafür nicht, man sei aber „noch weit entfernt von der Umsetzung.“

Als „Turbo für den S-13-Ausbau“ bezeichnet die Bahn die Sanierung: Während der Sperrzeit kann die Strecke bis Beuel fertiggestellt werden – zwei Jahre früher als einst geplant. Andererseits wurden neun Kilometer Strecke schon im Zuge des Ausbaus erneuert, zwischen Sankt Augustin-Menden und Bonn-Beuel ist laut Sülwold auch „eine Vielzahl“ an Brücken bereits fertiggestellt. Nach 2030 soll dann der Ausbau der S13 südlich von Beuel beginnen – die Strecke wird benötigt als Umleitung für eine bevorstehende Generalsanierung und Komplettsperrung der linksrheinischen Strecke.

Eine S-Bahn der Linie S13 am Bahnhof Troisdorf.

Für den Ausbau der S13 zwischen Troisdorf und Oberkassel wurden schon etliche Kilometer der 26 Kilometer langen Strecke bis Unkel erneuert.

Große Bauvorhaben sind der komplette Neubau des Bahnhofs Bad Honnef, der um 400 Meter nach Norden verlegt wird und damit näher an das Stadtzentrum sowie die Endhaltestelle der Linie 66 heranrückt. Barrierefrei werden die Bahnstationen Niederdollendorf, Rhöndorf und Königswinter ausgebaut. „Eine Besonderheit“ gebe es in Königswinter, erklärte Jens Sülwold: Dort wird nach über 20 Jahren vorbereitender Planung die Beseitigung des Übergangs an der Drachenfelsstraße in Angriff genommen.

Visualisierung des neuen Bahnhofes in Bad Honnef

So soll der neue Bahnhof in Bad Honnef aussehen.

Dazu werde die Bahn den Betonrahmen unter den Gleisen herstellen; die Stadt sei dann für den in ihrer Verantwortung stehenden Straßenbau nicht mehr auf eine Sperrpause für die Züge angewiesen. In den kommenden Jahren werde das erfolgen – der bisherige Bahnübergang aber vorerst erhalten bleiben.

„Verkehrspurpur“ wird die prägende Farbe im Ersatzverkehr sein: So sind die Busse lackiert, die anstelle der Linien RE8 sowie RB27 von Mönchengladbach nach Koblenz verkehren. In der ersten Phase vom 10. Juli bis 11. September entfallen die Züge zwischen Troisdorf und Koblenz, vom 12. September bis 12. Dezember zwischen Köln Messe/Deutz und Koblenz. Betroffen sind aber auch andere Linien wie die S12 und die S19, die manchmal nur im Stundentakt verkehren.

Von Ramersdorf nach Königswinter fährt die Linie 66 alle zehn Minuten

Zwischen Troisdorf und Bonn-Ramersdorf soll die Fahrzeit mit dem Bus 19 Minuten betragen, zwischen Troisdorf und Koblenz verlängere sich die Fahrzeit von derzeit 1.18 Stunden auf 1.48 Stunden bei der Fahrt über Bonn. Schneller gehe es über Köln mit 1.28 Stunden, erklärte Felix Thielmann von InfraGO. Neben Ersatzbussen, die alle Haltestellen anfahren, wird es in einzelnen Abschnitten auch Schnellbusse geben. Die Stadtbahnlinie 66 zwischen Ramersdorf und der Clemens-August-Straße in Königswinter wird im Zehn-Minuten-Takt verkehren.

Er verspricht einen „hochwertigen Ersatzverkehr“: mit maximal drei Jahre alten Bussen, Echtzeitinformation über Bildschirme in den Bussen und an den Haltestellen sowie einem klaren Leitsystem am Boden. Über das Ersatzkonzept will die Bahn online im Detail informieren. Voraussichtlich ab Anfang April sollen dort das Liniennetz der Ersatzbusse und die Einschränkungen im Zugverkehr abrufbar sein. Auf der Bahn-Homepage sowie in der Navigator-App der DB seien die Änderungen bereits eingearbeitet, hieß es am Mittwoch.