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Burg WissemBilderbuchmuseum in Troisdorf zeigt Anke Kuhl

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Bilderbuchmuseum Burg Wissem, Dr. Pauline Liesen, Almut Tscheuschner, Anke Kuhl Einzelausstellung 10. Mai bis 6. September

Dr. Pauline Liesen (rechts) und Almut Tscheuschner haben die Ausstellung vorbereitet.

Seit sie 2002 das Troisdorfer Bilderbuchstipendium erhielt, ist die Künstlerin dem Museum eng verbunden.

Mit ihrem Buch „Cowboy kann nicht reiten“ wurde Anke Kuhl in Troisdorf bekannt: 2002 erhielt sie für die Verwirklichung ihres Buchprojekts das erste Troisdorfer Bilderbuchstipendium. Seither sind Arbeiten der Illustratorin immer wieder im Museum Burg Wissem gezeigt worden, eng blieb sie dem Haus verbunden. Nun widmet das europaweit einzigartige Museum der Künstlerin eine große Einzelausstellung.

„Sie ist eine der besten Illustratorinnen in Deutschland“, sagt Museumsleiterin Dr. Pauline Liesen über die 1970 geborene Kuhl, die in Mainz und Offenbach studierte und nach dem Abschluss 1998 unter anderem mit Philip Waechter die Labor Ateliergemeinschaft in Frankfurt gründete. Die Ausstellung im Herrenhaus der Burg blättert die gesamte Bandbreite ihrer Arbeiten auf, zeigt Buchcover und Arbeiten für klassische Bilderbücher, Kuhls Zeichnungen für Sachbücher und Mitmachbücher, die in der Ateliergemeinschaft enstanden.

Eine satirische Zeichnung zur Frage "was ist ein Kaiserschnitt"

Keine Scheu vor heißen Themen hat Anke Kuhl: Hier eine Illustration aus dem Buch "Klär mich weiter auf"

Seit 2015 befasst sich Anke Kuhl mit dem Comic, damit ist die Künstlerin auch im Erdgeschoss der Burg in der aktuellen Comic-Ausstellung „Kein Kinderkram“ vertreten. In der Einzelausstellung sind zudem eine Handvoll plastischer Arbeiten aus Pappmachée und Illustrationen für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung zu sehen. Gern, so verrät die Museumsleiterin, würde Anke Kuhl auch einen Trickfilm realisieren.

In der von Pauline Liesen mit Anke Kuhl kuratierten und vom Grafikerteam von Zubinski (Zuni Fellehner und Kirsten Fabinski) gestalteten Schau begegnet man auf Schritt und Tritt dem besonderen Blick, den die Illustratorin auf die Welt wirft. Sie scheut sich nicht, schwierige Themen anzugehen, hat beispielsweise mit der Sexualpädagogin Katharina von der Gathen gleich zwei Bücher veröffentlicht.

In „Klär mich auf“ und dem Folgeband „Klär mich weiter auf“ handeln die beiden anonym gestellte Fragen von Grundschulkindern zu Liebe und Sexualität ab: mit himmelschreiend komischen Zeichnungen, der Reproduktion der Fragen mit allen Rechtschreibfehlern und – auf der Rückseite – ernsthaften Antworten. „Alles, was Kinder interessiert, wonach sie fragen, darf auch besprochen und bebildert werden“, sagt Anke Kuhl in einem Interview, das im Katalog nachzulesen ist.

Ein Skizzenblatt mit historischen Frisuren.

Eine Skizze zu "Any Body - Das große ABC von unserem Körper-Zuhause".

Immer wieder behandelt sie in ihren Arbeiten die Frage: „Was ist normal?“ Und wer bestimmt, was normal ist? Ihr Buch „Alles Familie“ von 2010, im Jahr darauf mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis bedacht, zeigt beispielsweise, wie verschieden Familien ausssehen können. Auch „Any Body“ feiert als „das große ABC von unserem Körper-Zuhause“ die Verschiedenheit der Menschen in Vergangenheit und Gegenwart.

Ausstellung Anke Kuhl Bilderbuchmuseum Burg Wissem

Darf man darüber lachen? Aus dem ABC der Schadenfreude.

An anderer Stelle bricht Anke Kuhl mit einem Stereotyp der Kinderliteratur. „Sie zeigt auch richtig fiese Kinder“, formuliert das Pauline Liesen. Zum Beispiel in „Alle Kinder“, dem „ABC der Schadenfreude“. Kleine Kostprobe? „Alle Kinder fahren mit dem Bus. Außer Gunther – der liegt drunter.“ Den Hang zum Grotesken bekommt sogar Kuhls Auseinandersetzung mit dem Tod. „Radieschen von unten“ heißt das Bilderbuch, das auch die Ausstattung des Sarges mit Stoff – „verdeckt die Schrauben “– und Kissen nicht ausspart. 

Die Ausstellung „Anke Kuhl. Tach zusammen!“ wird am Sonntag, 10. Mai, um 15 Uhr in Anwesenheit der Künstlerin eröffnet. Im Bilderbuchmuseum Burg Wissem, Burgallee, ist sie danach bis zum 6. September zu sehen. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der für 15 Euro zu erwerben ist.