„Kein Kinderkram“ heißt die neue Ausstellung im Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf. Gewidmet ist sie den Comics für Kinder.
Comics für KinderTroisdorfer Museum widmet sich einem lange verschmähten Genre

Die Ausstellungsmacherinnen (von links): Jennifer Walter-Hammel, Lena Sofuoglu, Dr. Pauline Liesen und Vivien Sudermann.
Copyright: Dieter Krantz
Einen ausgesprochen schlechten Leumund hatten Comics für Kinder in den 70er Jahren in vielen deutschen Haushalten: Als „Drecksheftchen“ wurden sie bisweilen geschmäht, in anderen Familien waren es die „amerikanischen Hefte“ mit ebenfalls eher zweifelhaftem Ruf. Das Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf widmet dem Genre nun eine eigene Ausstellung.
Seit etwa drei Jahren, berichtete Museumsleiterin Dr. Pauline Liesen beim Presserundgang vor der Eröffnung, seien die Kindercomics „nicht mehr wegzudenken“ aus dem Buchmarkt. Was einst verpönt war – die verkürzte Sprache, die Handlungserzählung in Bildern und die Kürze der Geschichten –, wird heute gesehen als idealer Einstieg für Erstleser und Kinder, die vielleicht schon ein wenig mehr Leseeerfahrung haben.
Ausstellung in Troisdorf versammelt gut 200 Exponate
„Kein Kinderkram“ ist dennoch die Ausstellung überschrieben. Text und Zeichnung erscheinen oft nicht mehr als Heftchen, sondern in hochwertigem Druck auf gutem Papier. Zugleich findet Pauline Liesen die Einstufung des Comics als Medium für Erstleser und Sprachförderung „nur bedingt richtig“.

Kein Kinderkram heißt die neue Ausstellung im Bilderbuchmuseum Burg Wissem; Fertige Bücher und Vorarbeiten sind zu sehen
Copyright: Dieter Krantz
Im Gegenteil verlange doch der Comic dem Kopf der Lesenden einiges ab: Text und Bild müssten gleichzeitig abgerufen werden, die Pause zwischen den einzelnen Bildern, den „Panels“, müsse der Betrachter im Hirn mit Inhalt füllen. Hier finden Wechsel von Perspektive oder Zeit statt, Erfahrung und Fantasie sind nötig. Zwischen dem Bild, das einen Sekundenbruchteil abbildet, und dem Text, der deutlich länger ist, sieht Liesen eine ebenfalls fordernde Verschiebung. Kurzum: „Comic ist eine Herausforderung.“
Gut 200 Exponate haben die Ausstellungsmacherinnen in der Burg Wissem versammelt, wobei das Polle-Magazin eine Art Blaupause lieferte: Seit 2018 erscheint das Heft zweimal jährlich in Köln, hier veröffentlichen bekannte Namen ebenso wie noch nicht etablierte Vertreterinnen und Vertreter des Genres. 27 Künstlerinnen und Künstler sind in der Troisdorfer Schau zu sehen; „alles geliehen“, beschreibt Pauline Liesen die Provenienz der gezeigten Arbeiten.
Auch der Entstehungsprozess wird nachvollziehbar
Ein Glücksfall, denn die angefragten Künstlerinnen und Künstler schickten reichlich Material, das auch den Entstehungsprozess nachvollziehbar macht: Es gibt Vorzeichnungen und Reinzeichnungen, Entwürfe, mit denen allein die Verteilung der Sprechblasen geplant wird. Dabei sind Größen wie Axel Scheffler und Anke Kuhl, in Troisdorf schon mit dem Bilderbuchstipendium ausgezeichnet, gute Bekannte in Troisdorf wie auch Philip Waechter. Aber auch Ralf König aus Köln ist vertreten, den man eher nicht als Zeichner für Kinder auf dem Schirm hat, sowie weniger bekannte Künstlerinnen und Künstler.

Auch Ralf König hat schon für Kinder gezeichnet.
Copyright: Dieter Krantz
Dass der Markt der Kindercomics keine thematischen Beschränkungen kennt, ist im Erdgeschoss des Herrenhauses erkennbar. Da hängen die Bilder zu „Trip mit Tropf“, der gemeinsamen Flucht eines angeschossenen Wolfs und eines krebskranken Kaninchen aus einer Tierklinik. Die Lebenswelt der Kinder in der Schule, aber auch die Welt der Fantasie, die keine Grenzen kennt, lässt sich in wunderbare Bilder fassen.
Ein Angebot, das die Ausstellungsmacherinnen auch den jungen Besucherinnen und Besuchern machen: Museumspädagogin Jennifer Walter-Hammel, Lena Sofuoglu und Vivien Sudermann haben Mitmachstationen entwickelt und aufgebaut, an denen Jungen und Mädchen ihre eigenen Comics schreiben und gestalten können.
Die Ausstellung im Bilderbuchmuseum Burg Wissem in Troisdorf, Burgallee, ist im Anschluss bis zum 30. August zu sehen.
