Abo

Kommentar

Kein Geld für Verbraucherschutz
Politische Mehrheit lässt Troisdorfer mit Problemen allein

Ein Kommentar von
2 min
Eine Mappe der Verbraucherzentrale liegt auf einem Tisch. (zu dpa: «Verbraucherberatung für Geflüchtete jetzt dauerhaft») +++ dpa-Bildfunk +++

„Wir haben den Durchblick“ verspricht die Verbraucherzentrale. In Troisdorf droht die Schließung

Mit der geplanten Streichung des städtischen Zuschusses beschließt die politische Mehrheit in Troisdorf faktisch das Aus für die Verbraucherzentrale.

250 Euro für eine halbe Stunde. Das ist ein üblicher Honorarsatz, wenn man in einer Kanzlei juristischen Rat sucht. Vorausgesetzt, man findet einen Anwalt oder eine Anwältin, die sich des Problems annehmen will oder kann. 250 Euro sind viel Geld für eine Mehrheit der Menschen – auch in Troisdorf. Und für viele zu viel.

Dennoch hat sich die Mehrheit im Hauptausschuss dafür ausgesprochen, der Verbraucherberatung in der Stadt den Geldhahn zuzudrehen. Die Schließung der Beratungsstelle wird die Folge sein. Und dann wird vielen Menschen, die heute auf den kostenlosen oder preiswerten Rat der Verbraucherschützer zählen, nur noch der Weg zum Anwalt offenstehen.

Mündige Bürger bräuchten keine staatlich geförderte Beratung, begründen die Liberalen im Stadtrat ihren Antrag. Was für ein Hohn angesichts des immer unübersichtlicher werdenden Dschungels, durch den sich viele Verbraucherinnen und Verbraucher im Internet schlagen müssen. Wie herablassend gegenüber Menschen, die Rat suchen, wie sie ihr Haus, ihre Wohnung, ihre gemietete Immobilie fit machen können für die dringend notwendige Energiewende.

In den Beratungsgesprächen würden keine stadtspezifischen Gespräche verhandelt, trägt die CDU als Argument zur Entscheidungsfindung bei. Das stimmt. Aber in Troisdorf haben die Menschen die gleichen Probleme wie in vielen anderen Kommunen auch. Von der politischen Mehrheit in der größten Stadt des Rhein-Sieg-Kreises werden sie damit spätestens mit Ablauf des Jahres 2029 alleingelassen.