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AtempauseSPZ Troisdorf organisiert Wanderung für Demenzkranke und Angehörige

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Gemeinsame Rast machten die Wanderer am Leyenweiher, dort warteten kühle Getränke und die Chance, in den Bus zu steigen.

Gemeinsame Rast machten die Wanderer am Leyenweiher, dort warteten kühle Getränke und die Chance, in den Bus zu steigen.

  • Das Sozialpsychiatrische Zentrum Troisdorf hat anlässlich der „Woche der Demenz“ eine Wanderung für Erkrankte und Angehörige ausgerichtet.
  • Viele Teilnehmer waren glücklich über das gemeinsame Angebot.
  • Damit soll auch ein Bewusstsein für die Krankheit geschaffen werden.

Troisdorf/Lohmar – Sie hat es geahnt, ebenso wie ihr Mann. „Er hat so viel vergessen.“ Auch wichtige Dinge, so hatte er selbst bemerkt, blieben nicht mehr im Gedächtnis. Vor zwei Jahren stand am Ende der neurologischen Untersuchungen die Diagnose Alzheimer. Man sieht es ihrem Mann nicht an, ebenso wenig wie den meisten, die sich an diesem Nachmittag auf den Weg machen. Eine Wanderung für demenziell erkrankte Menschen und für Angehörige hat Jutta Spoddig vom Sozialpsychiatrischen Zentrum in Troisdorf organisiert.

Entstanden ist die Idee im Demenznetz Troisdorf, Lohmar und Niederkassel. Zur „Woche der Demenz“ wollten die Teilnehmer „eine Veranstaltung anbieten, die sich auch an Angehörige oder Ehrenamtler wendet und zwei Kommunen verbindet“, erklärt Jutta Spoddig vor dem Aufbruch an der Burg Wissem.

Krankenschwester ist dabei

28 Anmeldungen gab es, Teilnehmer an der Betreuungsgruppe und der Gruppe beginnende Demenz, aber auch Angehörige. In der Vorbereitung achteten sie darauf, „dass die Strecke gehbar ist für Menschen, die eine mäßige Fitness haben“: Ruhe war ein Kriterium und dass keine viel befahrenen Straßen zu überqueren sind.

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Außerdem bauten die Organisatoren Sicherheiten ein. Eine Krankenschwester samt Ausrüstung ist dabei, am Leyenweiher gibt es die Möglichkeit, in einen Kleinbus mit Ziel Altenheim in Lohmar zu steigen. Dort warten Kaffee und Waffeln sowie das gemeinsame Singen auf die Wanderer.

Angebote für Angehörige und Erkrankte

„Ich suche so etwas schon lange“, berichtet eine Teilnehmerin aus Troisdorf, deren Mann an Demenz erkrankt ist. Etwas, „das ich gemeinsam auch mit meinem Mann machen kann“: Da gebe es nicht viel, bedauert sie. Entweder richteten die Angebote sich an die Angehörigen oder an die Erkrankten. Vielleicht solle man die Zeit nutzen, wo man das gemeinsame Tun noch möchte, sagt sie – ihr ist bewusst, dass auch noch schwere Zeiten auf sie zukommen. „Wir müssen uns durchkämpfen“, schildert sie ihren Alltag.

„Andere Leute kennenlernen, sich austauschen“ – das schätzt auch die Lohmarerin an den Angeboten des SPZ. Nach wie vor ist ihr Mann rüstig; der 76-Jährige fährt Fahrrad oder macht lange Spaziergänge. „Er findet immer nach Hause“ – und würde ihr wohl auch nicht erzählen, wenn er nach dem Weg hätte fragen müssen. Zum Wintersport fahren die beiden mit Freunden aus einem Hennefer Verein, „da passt jeder ein bisschen auf ihn auf“.

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Andere Freunde und Bekannte aber haben sich zurückgezogen. „Es ist oft Unsicherheit“, sagt die Lohmarerin. Und fehlendes Wissen: „Er hatte doch so einen anspruchsvollen Beruf“, hört sie bisweilen – und muss klarstellen, dass das nichts mit der Erkrankung zu tun hat. „Das kann jeder bekommen.“

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