Bundesverkehrsminister machte sich ein Bild von den Abbrucharbeiten der Vorlandbrücke und erläuterte aktuelle Entwicklungen zum Neubau.
Fuß- und Radverkehr noch 2026Bundesverkehrsminister zur Lage der Bonner Nordbrücke: „Voll im Zeitplan“

Verkehrsminister Steffen Bilger (mitte) auf der Baustelle der Nordbrücke mit NRW-Minister Oliver Krischer (2.v.l.), Dirk Brandenburger von der Autobahn GmbH (2.v.r.) und Guido Dèus, Bonner Oberbürgermeiser (rechts).
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An diesem Tag ist es vergleichsweise ruhig auf der Baustelle an der Bonner Nordbrücke, kein Hämmern, kein Kreischen der Baumaschinen, nur hin und wieder Lkw, die Schutt transportieren – es ist nicht ruhiger, weil es nichts zu tun gäbe, sondern weil Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) die Basutelle besuchte.
Gute Nachrichten für die Menschen vor Ort hatte Bilger im Gepäck. „Wir haben die Situation hier und die Anwohner im Blick“, sagte er. Es sei klar, was für eine Belastung durch die Abbrucharbeiten für die Menschen vor Ort sowie durch die Sperrung für den Verkehr, Pendler und die Wirtschaft entstehe. Bei den Abbrucharbeiten werde ein beeindruckendes Tempo vorgelegt und man arbeite auch mit Hochdruck daran, den Bauauftrag für den Ersatzneuau noch in diesem Jahr erteilen zu können.
2028 solle die Brücke wieder für den Verkehr freigegeben werden können. Allerdings muss danach auch die restliche Nordbrücke (die Strombrücke über dem Fluss und die rechtsrheinische Vorlandbrücke) noch ersetzt werden. Die Baustelle wird für die Anwohner noch jahrelang eine große Rolle spielen.
Bilger: „Keine Vorfestlegung auf Erweiterung der Nordbrücke“
Für den Fuß- und Radverkehr, für den die Brücke wieder freigegeben soll, gab es nun immerhin einen zeitlichen Rahmen: Laut Bilger soll der Fuß- und Radverkehr noch in diesem Jahr wieder die Strombrücke nutzen können. „Der Bau der Rampentürme soll noch im September beginnen“, so der Verkehrsminister.

Auch Anwohnerinnen und Anwohner forderten an der Baustelle schnelle Lösungen für die Öffnung für den Rad- und Fußverkehr.
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Neu ist außerdem, dass für den Fall der Verbreiterung der Nordbrücke eine andere Variante als bisher bevorzugt werden soll. Bilger wollte sich nicht darauf festlegen, ob die Friedrich-Ebert-Brücke beim Neubau, wie es der ursprüngliche Plan vorsieht, von aktuell 30 Metern auf dann 60 Meter verbreitert wird, um Platz für mehr Fahrspuren zu bieten.
„Es erfolgt hier keine Vorfestlegung auf eine Erweiterung“, betonte er. Er sagte aber auch, dass der Ausbau auf sechs Fahrspuren laut Verkehrsprognose notwendig sei. Die neue Vorlandbrücke werde so geplant, dass sowohl ein Anschluss an eine vierspurige als auch eine sechsspurige Strombrücke möglich werde.

Die Abrissarbeiten an der Vorlandbrücke sollen bis November beendet sein. Noch in diesem Jahr soll der Auftrag für den Neubau vergeben werden.
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Die Variante, die bisher als am wahrscheinlichsten für die Erweiterung der Brücke galt, ist die mit dem größten Eingriff in die angrenzende Wohnbebauung. Bis zu 20 Gebäude mit 90 Wohneinheiten müssten dafür abgerissen werden. Bilger erklärte aber nun, dass die Variante mit dem geringsten Eingriff in die Wohnbebauung bevorzugt werde. „Das ist die platzsparendste Möglichkeit und es bleibt mehr Wohnraum erhalten.“ Laut Planung der Autobahn GmbH der drei möglichen Vorzugsvarianten entspricht das einer modifizierten Variante 1, einer Südverbreiterung der Brücke mit dem geringsten Eingriff auf die Nordseite im Linksrheinischen.
„Wir liegen beim Abbruch der Vorlandbrücke im Zeitplan“, sagte Dirk Brandenburger, technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH. „Ich bin zuversichtlich, dass wir auch weiterhin gut und schnell vorankommen. Von den 660 Metern der Vorlandbrücke sind 356 inzwischen abgebrochen.“ Er bedankte sich ausdrücklich für die Geduld und das Durchhaltevermögen der Anwohnerinnen und Anwohner, die täglich mit der Belastung durch den Lärm und den Staub der Baustelle zu tun hätten.
Wir müssen den Verkehr stemmen können.
Auf die dennoch kritische Gesamtsituation wies Sebastian Hartmann, SPD-Bundestagsmitglied, beim gemeinsamen Gang über die Baustelle hin. Experten hätten mit Blick auf den Sanierungsbedarf der Brücke jahrelang darauf hingewiesen, dass „wir uns auf so eine Situation mit einer Vollsperrung der Brücke zubewegen.“ Dass die Brücke noch einmal komplett vom Verkehr abgeschnitten werden muss, „darf bei der Strombrücke nicht nochmal passieren“, betonte Hartmann.
Björn Franken, Fraktionsvorsitzender der CDU im Kreistag sowie Landtagsmitglied, betrachtete es im Gespräch mit der Redaktion als gutes Zeichen, dass Steffen Bilger nach Bonn gekommen sei. Franken sprach sich auch für die Tendenz aus, sich auf den sechsspurigen Ausbau der Brücke zu fokussieren. „Wir müssen den Verkehr stemmen können.“
Ich glaube, dass eine vierspurige Brücke für den künftigen Verkehr ausreichen würde.
Eine andere Meinung hat dazu Ingo Steiner, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag: „Ich fände einen eins zu eins Ersatzneubau besser“, sagte er der Redaktion. „Ich glaube, dass eine vierspurige Brücke für den künftigen Verkehr ausreichen würde.“ Insgesamt sei er aber dennoch „vorsichtig optimistisch. Es klingt gut, was hier heute verkündet wurde, aber wir müssen gucken, was passiert, wenn es dann wirklich in die Planfeststellung geht.“
Auch einige Anwohnerinnen und Anwohner fanden sich an der Baustelle ein und versammelten sich vor dem Bauzaun. Der Bundesverkehrsminister sprach spontan mit einigen von ihnen und beantwortete Fragen. Der Unmut bei den Anwohnern, dass es weiterhin eine Tendenz zur Verbreiterung der Brücke gibt, war deutlich zu spüren.

Anwohnerinnen und Anwohner kamen mit Transparenten und Fragen zur Baustelle. Der Minister unterhielt sich spontan mit einigen Anwohnern.
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Zu der Kritik, dass die Auffahrt in Richtung Beuel an der Vorlandbrücke laut aktuellem Plan für den Ersatzneubau möglicherweise auf Jahre wegfallen könnte, sagte Dirk Brandenburger von der Autobahn, dass er aktuell keine abschließende Antwort dazu geben könne. Es gehe jetzt in die Detailplanung und der Auftrag an die Autobahn, weiter im Sinne aller zu optimieren, sei deutlich.
NRW-Minister Oliver Krischer versuchte, zwischen den Anwohnern und den politischen Vertretern zu vermitteln. „Es ist verständlich, dass hier natürlich Interessen aufeinandertreffen. Aber es wird hier auch aufeinanderzugegangen“, sagte er mit Blick auf die neue Vorzugsvariante mit weniger Eingriff in die Wohnbebauung.
Marodes Bauwerk
Dass die Nordbrücke ersetzt werden muss, ist bereits seit rund 20 Jahren bekannt. Die Strombrücke weist laut Autobahn GmbH nur noch eine geringe sogenannte Restnutzungsdauer bis 2034 auf. Bevor die Nordbrücke gesperrt wurde, fuhren täglich etwa 100.000 Fahrzeuge darüber. Insgesamt ist die Nordbrücke, eigentlich Friedrich-Ebert-Brücke, rund 1,3 Kilometer lang, darunter die 660 Meter lange linksrheinische Vorlandbrücke, die 520 Meter lange Strombrücke und die 107 Meter lange rechtsrheinische Vorlandbrücke.
Für den Neubau soll das Bauwerk von heute 30 Metern und vier durchgehenden Fahrstreifen auf 60 Meter und sechs durchgehende Fahrstreifen verbreitert werden, um aufgrund der Verkehrsentwicklung Platz für mehr Fahrzeuge zu bieten. Beschlossen wurde dies im Bundesverkehrswegeplan 2030 im Jahr 2016. (at)
