Die Redaktion hat bei den Kommunen nachgefragt, welche Maßnahmen sie ergreifen, um sich an die Klimafolgen anzupassen.
Folgen des KlimawandelsWie die Kommunen im Rhein-Sieg-Kreis auf die steigende Hitze reagieren

Meteorologe Karsten Brandt mit dem Hitzemesser unterwegs in Siegburg. (Archivbild)
Copyright: Sandra Ebert
„Nicht schon wieder blauer Himmel“: Bereits vor dem kalendarischen Sommeranfang stöhnte man unter der Hitzeglocke. Gerade in den urbanen Gebieten der Region kletterten die Temperaturen seit Mitte Juni in selten erreichte Höhen. Dort heizen sich dichte Bebauung und gepflasterte Flächen erbarmungslos auf, machen auch die Nächte bisweilen tropisch. Die Notwendigkeit, auf die Folgen des Klimawandels zu reagieren und sich anzupassen, haben die Kommunen offenbar erkannt. Ein Überblick
Siegburg
„Siegburg bleibt cool“ ist der Titel des im Juni 2024 vorgelegten Hitzeaktionsplans der Kreisstadt. Schon jetzt, so die Publikation, sei ein Großteil des stark besiedelten Stadtgebietes von einer starken bis extremen Wärmebelastung betroffen. Und das Ende der Fahnenstange sei womöglich noch nicht erreicht. Eine hohe Belastung wurde beispielsweise für die Innenstadt und den angrenzenden südlichen Teil der Nordstadt ermittelt.
Weil dort zugleich die höchste Dichte vulnerabler Anwohnerinnen und Anwohner zu finden ist, sollen diese Gebiete vordringlich berücksichtigt werden, wenn man Maßnahmen ergreift. Ein bisschen weniger dringlich sieht man Kaldauen, auch wenn dort ebenfalls eine hohe Zahl „hitzevulnerabler“ Menschen wohnt.
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählen beispielsweise Vernebelungsanlagen wie die am Rhein-Sieg-Forum, eine breite Informationskampagne oder eine interaktive Karte mit Coolen Spots. Dort sollen verstärkt Sitzgelegenheiten geschaffen und Sonnensegel für soziale Einrichtungen gefördert werden. Vermehrt setzt die Stadt auf Information, langfristig soll sich auch die Bauleitplanung auf den Klimawandel einstellen und zum Beispiel Frischluftschneisen berücksichtigen, um das Stadtklima erträglich zu gestalten. Ein Klimafolgenanpassungskonzept ist derzeit in Arbeit.
Troisdorf
Troisdorf erarbeitet gerade ein neues Klimakonzept, an dem sich auch die Bürgerinnen und Bürger beteiligen können. „Kühle Orte“ wie schattige Spielplätze, Kirchen, die Bibliothek oder Refill-Stationen für Trinkflaschen sind handgreifliche Maßnahmen. Im städtischen Geoportal sind sie zu finden, außerdem gibt es eine Liste im Hitzeratgeber, den man von der städtischen Homepage herunterladen kann.

Mehr Grün in der Fußgängerzone in Troisdorf wünschen sich die Kommunalpolitiker; dagegen steht der Architekt, der sein Copyright geltend macht.
Copyright: (Archivbild) Dieter Krantz
In der Troisdorfer Fußgängerzone, von Kritikern als eher schlechtes Beispiel für klimagerechtes Bauen gebrandmarkt, macht derzeit ein mobiles Grünes Zimmer Station: Für insgesamt zwölf Wochen steht das „Mobile Grüne Zimmer“ der Firma Helix zunächst auf dem Menderesplatz in der Fußgängerzone, bevor es auf die Fläche zwischen Stadthalle und dem Verwaltungsgebäude Kaiserstraße 1 wandert. Bepflanzt unter anderem mit Kiwi und Lavendel und bewässert durch einen Tank im Unterbau, soll es zeigen, wie sich Bepflanzung positiv auf das Stadtklima auswirkt.
„Gute Aussichten für Troisdorf“ verspricht auf der städtischen Homepage die Arbeit am 2025 initiierten Klimakonzept. Bis 2027 sollen Angebote und Maßnahmen entwickelt werden; Erwachsene sind ebenso zum Mitmachen aufgerufen wie Kinder und Jugendliche.
In den vergangenen Jahren wurden über das Programm „1000 Bäume für Troisdorf“ einige Hundert Bäume gepflanzt; im neuen Haushalt – dessen Entwurf bis heute nicht beschlossen wurde –fehlt das Geld dafür allerdings ebenso wie das für den Fond Klimawandelanpassung für Fassadenbegrünung. Aus diesem Topf wurden in den zurückliegenden Jahren private Vorhaben auf Antrag bezuschusst.

Die Grundschule Much Klosterstraße muss erweitert werden. Fast ein Jahr nach der ursprünglichen Entscheidung bestätigte der Gemeinderat die Entscheidung für die teurere von am Ende noch zwei Varianten. Bei der nun verworfenen Lösung hätten der Spielplatz und die Fläche der Pausenhalle (im Hintergrund) als Bauplatz herhalten müssen.
Copyright: (Archivbild) Dieter Krantz
Much und Ruppichteroth
Dass sich beim Thema Klimaschutz die Akzente verschoben haben, wird beim Blick in die Bergischen Kommunen deutlich. Im Oktober 2012 stellten Lohmar, Much und Ruppichteroth ein Interkommunales Klimaschutzkonzept vor. Darin ging es vor allem um klimafreundliche Mobilität, um Energieversorgung etwa mit Biogas, um die Nutzung von Holz, Kraft-Wärme-Kopplung und darum, Heizungsanlagen zu optimieren. Hitze als Bedrohung war damals noch nicht das Thema.
Hennef
Unterdessen ist die Bedeutung des Hitzeschutzes längst in den Entscheidungsgremien der Kommunen angekommen. So hat die Stadt Hennef im September 2023 einen Hitzeaktionsplan vorgelegt. Vor allem die Hennefer Innenstadt wird darin als „Stadtklimatop mit moderater Überwärmung“ ausgemacht. Dort liegen auch – wenig überraschend – die Hitze-Hotspots. Ausgerechnet südlich der Bahntrassen, wo die Belastung noch einmal höher ist, liegen Einrichtungen wie Kindertagesstätte, Spielplatz, Altenheime und die Hennefer Tafel.

Fontänenfeld mit 15 Düsen auf dem Marktplatz, Trinkbrunnen auf Knopfdruch, neue Sitzbänke, neue Pflanzkübel, die bei Bedarf weggeräumt werden können: So reagiert die Stadt Hennef.
Copyright: (Archivbild) Klaus Heuschötter
Das Klimaschutzportal der Stadt weist aber auch Cool Spots aus. Die gibt es nicht nur in den ländlichen Gebieten der „Stadt der 100 Dörfer“. Auch ein Spielplatz unter schattenspendenden Bäumen oder ein kleiner Park mit Sitzmöglichkeiten im Baumschatten könne für Entlastung sorgen, heißt es da.
Lohmar
Einen Hitzeratgeber hat inzwischen auch die Stadt Lohmar vorgelegt: Überarbeitet und aktualisiert, liegt die Broschüre zur kostenlosen Mitnahme im Stadthaus, Rathaus und der Villa Ffriedlinde aus. Das Heft wurde an die Senioreneinrichtungen der Stadt verteilt und kann auch von der Homepage der Stadt heruntergeladen werden.
Die Leserinnen und Leser erfahren, wo es in der Stadt Kühle Orte gibt – im Schatten, am Wasser oder in kühlen Innenräumen. Aufgelistet werden die Refill-Stationen für Trinkflaschen und Toiletten, die kostenlos genutzt werden können. Außerdem haben die Verantwortlichen um den Klimaschutzmanager Dirk Schulz eine Fülle an Tipps zum richtigen Verhalten bei großer Hitze – für ältere Menschen, für Diabeteskranke und ebenso auch für Jüngere.
Königswinter
In Königswinter arbeitet seit April 2025 Joana Pires Heise als Klimaanpassungsmanagerin. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern soll sie Ideen für ein Klimaanpassungskonzept entwickeln. Das Ziel: Die Stadt und ihre Bewohner sollen besser auf Hitze, Trockenheit oder Starkregen vorbereitet sein.
Auf einer interaktiven Karte können Bürgerinnen und Bürger im Internet besonders heiße oder auch kühle Orte eintragen oder Ideen für Anpassungsmaßnahmen, die in das Konzept einfließen sollen. Zugleich zeigt das vom Rat beschlossene Klimaschutz-Vorreiterkonzept einen Fahrplan für die Stadt auf dem Weg zur Klimaneutralität im Jahr 2040 auf.
Bad Honnef
Vor wenigen Wochen erst haben die Mitglieder des städtischen Umweltausschusses einstimmig ein Klimaanpassungskonzept für Bad Honnef beschlossen. Es umfasst insgesamt 34 Punkte – vom Hitzeschutz an Schulen bis zur Renaturierung von Bachläufen, von der Einführung eines Hitzetelefons zur Klimaanpassung in Bauleitplänen. Im Zeitraum von 2027 bis 2037 sollen nach einer ersten groben Schätzung 9,7 Millionen Euro an Investitionen für die Umsetzung nötig sein.
