Zahlen, Rankings, Widerspruch: Wie eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft das Jobcenter bewertet und warum die Behörde das anders sieht.
Deutschlandweiter VergleichWie erfolgreich vermittelt das Jobcenter Rhein-Sieg Arbeitsstellen?

In einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft schneidet das Jobcenter Rhein-Sieg eher schlecht ab.
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Ziel jedes Jobcenters ist es, möglichst viele Bürgergeldbezieher in neue Arbeitsstellen zu vermitteln. Wie erfolgreich war das Jobcenter Rhein-Sieg dabei in den letzten Jahren? Laut einer Studie des Arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) nicht besonders. Das Jobcenter selbst sieht das anders.
In seiner im Dezember veröffentlichten Studie führt das IW für insgesamt 392 Jobcenter in ganz Deutschland die sogenannten Integrationsquoten auf. Diese Quote zeigt den prozentualen Anteil der betreuten erwerbsfähigen Bürgergeld-Empfänger, die die Jobcenter erfolgreich in den Arbeitsmarkt integrieren konnten. Dabei wurden Daten aus den Jahren 2020, 2021, 2023 und 2024 erhoben. Warum das Jahr 2022 herausfällt, wird nicht näher erläutert.
Das Bonner Jobcenter schneidet im IW-Ranking schlechter ab als Rhein-Sieg, Köln ist gleichauf
Das Jobcenter für den Rhein-Sieg-Kreis konnte in diesen Jahren nach Angaben des IW durchschnittlich 19,4 Prozent der Arbeitssuchenden in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen oder Ausbildungen vermitteln. Im deutschlandweiten Vergleich sieht das eher schlecht aus – das Jobcenter Rhein-Sieg landet im Integrationsquoten-Ranking auf Rang 303 von 392. Am wenigsten Arbeitsuchende fanden laut IW in Pforzheim einen Job – lediglich 14,6 Prozent. Das Jobcenter im mittelfränkischen Ansbach hingegen schnitt deutschlandweit am besten ab, hier fanden mehr als 39 Prozent der Arbeitssuchenden tatsächlich eine Arbeit.
Bonn schneidet mit einer Integrationsquote von weniger als 16 Prozent noch schlechter als der Rhein-Sieg-Kreis ab, Köln dagegen kommt genau auf die gleiche Quote wie der Kreis. Insgesamt lag die Arbeitslosigkeit im Rhein-Sieg-Kreis im erforschten Zeitraum durchschnittlich bei 5,6 Prozent. Zum Vergleich: Am höchsten ist diese laut IW in Gelsenkirchen (14,7 Prozent), am niedrigsten laut Ranking im Bayrischen Eichstätt (2,1 Prozent).
Jobcenter Rhein-Sieg: Studie lässt viele Fragen offen
Wie erfolgreich die Jobcenter bei der Vermittlung von Leistungsempfängern in Arbeit sind, hängt von vielen Faktoren ab, die die Einrichtungen nicht immer beeinflussen können. Forschende des IW haben daher ein statistisches Modell entwickelt, um neben der tatsächlichen Integrationsquote auch zu zeigen, wie diese unter Betrachtung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen Region zu bewerten sind. Für den Rhein-Sieg-Kreis schätzte das IW die erwartete Integrationsquote 21,5 Prozent, der Kreis unterschreitet seine Möglichkeiten demnach also um gut zwei Prozent.
Es gibt immer Luft nach oben und sicher viele Dinge, die man besser machen kann, aber unsere Integrationen sind in einer soliden Zahl.
Welche Faktoren genau in diese geschätzte Integrationsquote miteinbezogen werden, würde aus der Studie nicht ganz klar, kritisiert Sabine Schulz, Sprecherin des Jobcenters Rhein-Sieg. Sie zweifelt an der generellen Vergleichbarkeit verschiedener Jobzentren: „Wenn man in Bonn fußfassen will, braucht man eine gute Ausbildung, da sitzen Ministerien, Hochschulen, also Arbeitgeber, die einen guten Abschluss verlangen“, so Schultz, „im Rhein-Sieg-Kreis sind wir dagegen schon ein sehr ländliches Gebiet“.
Hier werden besonders viele Stellen im Pflegebereich oder auch in der Kinderbetreuung vermittelt, so Schulz, „aber es gibt auch viele niederschwellige Angebote für Menschen, die weniger gut ausgebildet sind, beispielsweise in der Gastronomie oder im Verkauf“.
Jobcenter Rhein-Sieg sieht sich erfolgreich in der Arbeitsmarkt-Integration von Geflüchteten
Wichtig sei aus ihrer Perspektive nicht nur die Frage, wie viele Personen zahlenmäßig in den Arbeitsmarkt integriert werden konnten: „sondern zum Beispiel, wie gut funktioniert die Integration von Frauen? Von Alleinerziehenden? Von Jugendlichen? Das alles braucht unterschiedliche Maßnahmen.“ Außerdem gehe aus der Studie nicht hervor, ob die integrierten Personen auch längerfristig in ihren Arbeitsstellen bleiben.
Im Jahr 2025 habe das Jobcenter Rhein-Sieg rund 4800 Menschen in Arbeit gebracht, insgesamt werden hier etwa 25000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte betreut. Besonders gut schätzt sich das Jobcenter Rhein-Sieg in der Integration von Ukrainerinnen und Ukrainern sowie anderen Personen mit Fluchterfahrung ein, „auch in der Integrationsquote von Alleinerziehenden sind wir sehr gut“, sagt Schulz.
Das Soll, dass das Jobcenter Rhein-Sieg nach Auflagen der Agentur für Arbeit erreichen sollte, habe für das Jahr 2025 bei 18,1 Prozent gelegen – mit 19,4 liege man also sogar über diesem Ziel. „Es gibt immer Luft nach oben und sicher viele Dinge, die man besser machen kann, aber unsere Integrationen sind in einer soliden Zahl“, sagt Schulz.
Dass im Ranking des IW vor allem viele Jobcenter in Bayern weit vorne liegen, habe sie nicht überrascht, sagt Schulz. Gründe sieht sie unter anderem in der stärkeren Präsenz von Handwerksbetrieben, beispielsweise in der Holzverarbeitung oder in der Milchwirtschaft. Im Rhein-Sieg-Kreis bleiben noch immer zahlreiche Ausbildungsplätze im Handwerk unbesetzt, der Trend hat sich jedoch gebessert. Die Jugendberufsagentur am Bildungscampus Neuenhof in Siegburg sieht die Sprecherin des Jobcenters für den Rhein-Sieg-Kreis als wichtige Chance, um jüngere Menschen auch für Bereiche zu begeistern, wo es enormen Bedarf an Nachwuchs gibt.

