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Habeck blockiert ÜbernahmeMünchner Chiphersteller Siltronic bleibt vorerst deutsch

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Siltronic Fabrik 010222

Siltronic-Standort in Freiberg (Archivbild)

Das Münchner Elektronikunternehmen Siltronic bleibt in deutscher Hand. Die Übernahmen durch den taiwanischen Chip-Zulieferer Globalwafers ist geplatzt - nicht zuletzt am Widerstand des Bundeswirtschaftsministeriums.

„Wir haben die Genehmigung der Bundesregierung nicht erhalten“, erklärte Global Wafers-Chefin Doris Hsu nach dem Auslaufen der börsenrechtliche Frist in der Nacht zum Dienstag. Bereits zuvor hatte angekündigt, in diesem Fall keinen zweiten Anlauf starten zu wollen.

Die Bundesregierung begründete die Nicht-Genehmigung mit fehlender Zeit. „Bis zum Ablauf dieser Frist konnten nicht alle notwendigen Prüfungsschritte im Rahmen der Investitionsprüfung abgeschlossen werden“, erklärte eine Ministeriumssprecherin. „Das betrifft insbesondere die Prüfung der erst in der letzten Woche erfolgten kartellrechtlichen Genehmigung durch die chinesischen Behörden.“

Wirtschaftsministerium begründet Nicht-Genehmigung mit fehlender Zeit

Die Prüfung einer möglichen Übernahme läuft zwar seit gut einem Jahr, doch die chinesische Wettbewerbsaufsicht hatte die Genehmigung erst am 21. Januar erteilt, und diese von der Erfüllung einer Reihe von Auflagen abhängig gemacht. Diese Auflagen seien so komplex, dass man die Prüfung nicht vor Ablauf der Übernahmefrist habe beenden können, hieß es aus dem Wirtschaftsministerium. Die für den Kauf notwendige Unbedenklichkeitsbescheinigung habe deshalb nicht erteilt werden können.

Hersteller sogenannter Wafer, dünner Siliziumscheiben, aus denen Halbleiter für die Chipindustrie geschnitten werden, gibt es nur wenige. Der Weltmarkt wird von vier Unternehmen dominiert, Siltronic mit seinen rund 4.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 1,2 Milliarden Euro ist der kleinste. Allerdings ist die Nachfrage riesig, und der Mittelständler mit Werken im sächsischen Freiberg und Singapur gilt als hochprofitabel.

Global Wafers größter Waferlieferant Europas

Durch eine Übernahme wäre Global Wafers mit rund 7.000 Beschäftigten und zuletzt zwei Milliarden Euro Jahresumsatz von der Nummer drei zur Nummer zwei der Welt aufgestiegen. Nach eigenen Angaben ist der taiwanesische Konzern bereits heute der größte Waferlieferant Europas.

Das Unternehmen wird seine Kapazitäten nun in Eigenregie aufstocken, mutmaßlich allerdings nicht in Europa. Global Wafers betonte aber, seine europäischen Kunden trotz der geplatzten Übernahme unvermindert beliefern zu wollen.

China rasselt mit den Säbeln

Die deutschen Meldepflichten zum Verkauf von Hochtechnologie waren zuletzt 2021 verschärft worden - auch im Bereich Halbleiter. Zudem plant die EU die Ansiedelung nennenswerter Produktionskapazitäten für Mikrochips in Europa, die seit Monaten knapp sind.

Mit der nun geplatzten Übernahme vertraute Personen halten Industriepolitik für den eigentlichen Grund der Nicht-Entscheidung durch die Bundesregierung. Eine zur Schlüsseltechnologie erklärte Industrie wie die Chipfertigung solle ab sofort im Land gehalten und nicht mehr nach jenseits europäischer Grenzen verkauft werden. Hinzu kommt, dass China gegenüber Taiwan in letzter Zeit verstärkt mit den Säbeln rasselt und eine Invasion des Inselstaats denkbar geworden ist.

Wacker-Familie sucht alternativen Käufer

Selbst für diesen Fall hätte Global Wafers allerdings Vorkehrungen in den Übernahmeverpflichtungen getroffen, sagen Personen, die Einblick in die Dokumente haben. Im Falle einer Eroberung Taiwans durch China hätte der Kauf rückabgewickelt werden können. Es habe auch weitere verpflichtende Zusagen seitens Global Wafers zur Sicherung von Produktion und Stellen bei Siltronic in Deutschland gegeben. Das Bundeswirtschaftsministerium reichte das offenbar nicht aus.

Unmittelbare Folge ist nun, dass Global Wafers alle nun angedienten Siltronic-Aktien wieder an seine ursprünglichen Besitzer zurückgibt. Damit bleibt der Wafer-Produzent im Einflussbereich des Münchner Spezialchemieherstellers Wacker Chemie und dessen Industriellenfamilie, die damit aber nichts mehr zu tun haben will. Die Wacker-Familie sucht nun jedenfalls einen alternativen Käufer für ihre Beteiligung. Wacker hält 31 Prozent an Siltronic und ist damit größter Einzelaktionär.

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Ein Zusammenschluss von Global Wafers und Siltronic wäre „im besten Interesse nicht nur der beiden Unternehmen sondern auch der deutschen und europäischen Halbleiterindustrie gewesen“, sagte Wacker-Chef Christian Hartel bedauernd gegenüber der dpa. Wacker wolle seine Beteiligung an Siltronic auf jeden Fall weiterhin abgeben. (rnd)