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„Restposten mit anstehendem Verfallsdatum“Experte kritisiert Impf-Almosen für Afrika

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Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke, drängt auf die Lieferung zusätzlicher Impfdosen für Afrika.

Vor dem Hintergrund der in Südafrika entdeckten Omikron-Variante des Corona-Virus drängt der scheidende Afrikabeauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke (CDU) auf die Lieferung zusätzlicher Impfdosen für Afrika.

„Die Entwicklung in Afrika muss man ernst nehmen“, sagte Nooke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Um die aktuelle Welle zu brechen, müssen auch für Afrika genügend Impfdosen bereitgestellt werden. Da muss noch einmal ordentlich etwas draufgelegt werden.“

WHO: Risiko durch die Omikron-Variante sehr hoch

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte, das weltweite Risiko durch die Omikron-Variante sei sehr hoch. Die Bundesregierung hat als Folge die Einreise aus Südafrika sowie aus Namibia, Simbabwe, Botsuana, Mosambik, Eswatini, Malawi und Lesotho eingeschränkt.

Nooke warnte, sich damit zu begnügen, Impfdosen aus nationalem Vorrat mit kurzfristigen Verfallsdatum weiterzugeben. „Einfach die Restposten mit anstehendem Verfallsdatum abzugeben, ist ein falsches Signal. Das wirkt wie ein wenig überzeugendes Almosenverteilen zur Beruhigung des schlechten Gewissens. Und es unterschätzt den zeitlichen Verwaltungsvorlauf, den so ein Export bedarf.“

Weit verbreitete Impfskepsis in Afrika

Der Afrikabeauftragte forderte eine differenzierte Strategie im Umgang mit der Corona-Hilfe für Afrika. „Wichtig ist: Man kann nicht von Kairo bis Kapstadt dieselbe Strategie fahren. Es muss regional genau betrachtet werden, wo welche logistischen Probleme bestehen.“ In Afrika gebe es zudem „eine weit verbreitete Impfskepsis, die auch dazu führt, das Impfdosen verfallen“, sagte Nooke. „Das Akzeptanzproblem muss durch mehr Aufklärung begegnet werden.

Zurückhaltend zeigte sich der CDU-Politiker gegenüber einer von afrikanischen Ländern sowie den USA geforderten Patentfreigabe für Corona-Impfstoffe: „Eine Patentfreigabe sehe ich skeptisch. Es wäre schneller und einfacher, wenn die Firmen vor Ort produzieren würden, etwa in Südafrika, Senegal und Ghana“, sagte er.

WHO, Covax und Avatt drängten auf zusätzliche Impfstoff-Lieferungen

Die Bundesregierung unterstütze dies mit 100 Millionen Euro. „Für das Brechen der aktuellen Welle ist das allerdings nicht relevant. Der Aufbau von Produktionskapazitäten wird mindestens mehrere Jahre in Anspruch nehmen.“

Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die globale Impfinitiative Covax und die Beschaffungskommission der Afrikanischen Union (Avatt) drängten auf zusätzliche Impfstoff-Lieferungen, die zudem besser planbar und mindestens zehn Wochen haltbar sein müssten. Die bislang weltweit gespendeten 90 Millionen Covid-19-Impfdosen seien eher spontan zur Verfügung gestellt worden, bemängelten die Organisationen. Hilfsmittel wie Spritzen oder Verdünnungsmittel würden oft nicht mitgliefert, planbar und zuverlässig sein.

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Bislang sind nur 6,6 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Afrikas sind Angaben des Afrikanischen Zentrums für Infektionskrankheiten (Africa CDC) vollständig geimpft.In Deutschland sind 68,4 Prozent der Bevölkerung vollständig geimpft. Über 130 Millionen Impfstoff-Dosen wurden an Ärzte und Impfzentren ausgeliefert. Ab Dezember sollen in Deutschland zunächst 2,4 Millionen Impfstoff-Dosen für Kinder bereit stehen – die Zulassung der Kinderimpfung wird dann erwartet.

Die WHO hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2022 in jedem Land mindestens 40 Prozent der Bevölkerung zu impfen. Dieses Ziel wird bei anhaltender Impfgeschwindigkeit in den allermeisten afrikanischen Ländern deutlich unterschritten werden.Die WHO drängt seit Monaten auf eine gerechtere Verteilung der Corona-Impfstoffe.