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Kommentar zu Corona-RegelnNur wir können die Pandemie endlich stoppen

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Maske am Boden Berlin

Szene aus Berlin: Eine Maske gegen das Coronavirus liegt am Boden.

  1. Die zweite Welle des Coronavirus ist da – und sie wird besonders in den Großstädten sichtbar.
  2. Das Ärgerliche: Deutschland, NRW und Städte sind wieder zu einem Flickenteppich der Regeln geworden. Auch weil viele Entscheidungen in letzte Minute kamen, obwohl jeder wusste, dass die zweite Welle anrollt.
  3. Um die Pandemie zu besiegen, brauchen wir eine verantwortungsbewusste, konsequente und solidarische Gesellschaft, auch wenn die Akzeptanz der Maßnahmen schwindet, kommentiert Jan Sternberg.

Das Virus hat keinen Plan. Natürlich nicht. Wäre es anders, hätte Sars-CoV-2 zumindest einen Sinn fürs Timing, für Sünden und Bestrafung. Der Sommer ist vorbei und damit auch die Illusion, die Pandemie irgendwie überwunden zu haben. Pünktlich zum Beginn der Herbstferien in vielen Bundesländern ist aus Deutschland wieder ein Flickenteppich von Beherbergungsverboten geworden.

Nach dem Sommer der Unvernunft folgt nun die Strafe auf dem Fuße: Sperrstunde im rauschverwöhnten Berlin, Maskenpflicht auf der Reeperbahn, „Zerstreuungsgebot“. Letzteres ist ein verharmlosender Ausdruck für das erneut in Kraft gesetzte Verbot, sich abends mit mehr als fünf Menschen auf der Straße aufzuhalten.

Neue Last-Minute-Regeln prasseln auf das Land ein

Die neuen Einschränkungen scheinen ebenso plötzlich wie im Frühjahr auf uns einzuprasseln, als erneute Last-Minute-Zumutungen der Regierenden, die Freiheitsrechte einschränken. Doch das stimmt nicht ganz. Während im März das gesamte öffentliche Leben von einem Schlag auf den anderen eingefroren wurde, ist es im Oktober anders. Wir wissen mehr über das Virus. Wir wissen, dass es unnötig ist, Geschäfte zu schließen und Bahnen zu meiden – wenn alle Maske tragen.

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Wir wissen, dass es widersinnig war, Spielplätze mit Flatterband einzupacken und Familien von Picknickdecken aufzuscheuchen. Wir haben gesehen, dass Deutschland am Experiment Homeschooling gescheitert ist – und deswegen vermieden werden muss, erneut Schulen und Kinderbetreuung flächendeckend dichtzumachen.Wir müssen Schnelltests in ausreichender Zahl bereithalten, um die zwischenmenschlichen Grausamkeiten des Frühjahrs zu vermeiden – wie Besuchsverbote in Altenheimen.

Die Versäumnisse des Sommers rächen sich im Winter

Aber es gab auch schwere Versäumnisse im Sommer: Viel zu spät wurde über Teststrategien für Reiserückkehrer diskutiert, viel zu zögerlich bei Großveranstaltungen kontrolliert – und so gut wie gar nicht zum korrekten politischen Entscheidungsweg zurückgekehrt. Dass mehr als ein halbes Jahr nach den ersten Einschränkungen die Pandemie weiter mit kurzfristigen Verordnungen der Exekutive bekämpft wird und die Parlamente weiter entmachtet sind, kann zum handfesten Akzeptanzproblem werden.

Dass der Flickenteppich zwischen den Bundesländern seit Monaten wortreich beklagt wird und dennoch jeder weiter seins macht, erst recht. Wer darf sich wo und wann mit wie vielen Personen verabreden, welche Bußgelder gibt es für Maskenverweigerer, welche Veranstaltungen finden statt – kaum jemand steigt hier mehr durch.

Was also bleibt jetzt, um die Welle noch zu brechen? Vernunft ohne Hektik. Maskentragen ohne Diskussion. Verzicht auf große Runden. Ein Wiedergewöhnen ans Homeoffice und ein möglichst weitgehendes Ausschließen des Homeschooling. Die Metropolen haben die zweite Welle als erstes abgekriegt, aber jetzt sind wieder alle gefragt. (RND/Jan Sternberg)