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Drohungen von KollegenWie ein Polizist versucht, die Polizei zu verbessern

3 min
Dobro neu

Kriminalhauptkommissar Oliver von Dobrowolski

Berlin – Wenn man Oliver von Dobrowolski fragt, was in der deutschen Polizei falsch läuft, hat er viel zu berichten. Zuerst spricht er jedoch lieber über das Positive: Im internationalen Vergleich habe Deutschland eine Exekutive, die „durchaus vorne mitmischt“, sagt er. All die negativen Dinge, die über die Polizei ans Tageslicht gerieten, bildeten bei mehr als einer Viertelmillion Polizeibeamter in Deutschland nur einen Teil ab. Von Dobrowolski ist keiner, der die Polizei ablehnt – ganz im Gegenteil. Der Berliner Kriminalhauptkommissar steht selbst seit 23 Jahren im Polizeidienst.

Trotzdem ist er ein lauter Kritiker der Polizei. Probleme sieht er in den Behörden einige. Dass die Polizei nicht einmal anerkenne, dass es überhaupt Probleme gebe etwa. Kritik, auch berechtigte, werde zu schnell und zu heftig zurückgewiesen.

Von Dobrowolski hat das am eigenen Leib erlebt. Seit 2014 engagierte er sich im Verein Polizei Grün, in dem sich Polizistinnen und Polizisten organisieren, die den Grünen zumindest nahestehen, und die vor politischer Kritik an der eigenen Institution nicht zurückschrecken. Seit 2018 war er erster Vorsitzender des Vereins. Im April legte von Dobrowolski das Amt nieder. Weil er anderen den Schritt in die erste Reihe ermöglichen wollte, wie er sagt, und weil er sich mit seiner neugegründeten Initiative Better Police künftig ohne parteipolitischen Anstrich engagieren will.

Schmähungen von Kollegen

In einer Erklärung berichtete von Dobrowolski aber auch von Schmähungen und Anschwärzungen bei seinem Dienstherrn, von Bedrohungen und Gewaltankündigungen, die er in den vergangenen Jahren erhalten habe. Häufig seien solche Nachrichten nicht von irgendwelchen anonymen Rechtsextremen gekommen, sondern von Kolleginnen und Kollegen aus der Polizei selbst. Auch Vorgesetzte hätten ihn wie einen Störenfried behandelt, statt ihm Unterstützung anzubieten.

Wie allergisch Teile der Polizei und ihrer erklärten Unterstützer in der Politik auf Kritik am Behördenhandeln reagieren, wurde im vergangenen Jahr sichtbar, als über eine mögliche „Rassismus-Studie“ diskutiert wurde. Nachdem immer mehr Rechtsextremismus-Fälle in der Polizei bekannt geworden waren, sollten die Einstellungen der Polizistinnen und Polizisten repräsentativ erforscht werden. So forderten es zivilgesellschaftliche Initiativen, Polizeiforscher und einige Politiker. Auch die im Bund mitregierende SPD setzte sich dafür ein. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) setzte dem Vorhaben jedoch ein Ende.

Oliver von Dobrowolski geht es nicht nur um die eklatanten Fälle von Rassismus und Rechtsextremismus. Polizisten, sagt er, sollten grundsätzlich mehr zuhören. Nicht nur ihren politischen Kritikern, sondern auch im täglichen Einsatz. Wie wichtig es ist Dialoge zu führen, sei aus den Köpfen vieler seiner Kolleginnen und Kollegen verschwunden. „Ich kenne selbst Situationen im Einsatz auf der Straße, in denen es hoch her geht, wo die Nerven blank liegen, wenn man angeschrien und angepöbelt wird“, sagt von Dobrowolski. „Da fährt man innerlich erstmal hoch, der Körper schüttet Adrenalin aus und man ist grundsätzlich auf Abwehr.“ Viele Auseinandersetzungen im Einsatz könne man jedoch vermeiden, indem man ein paar Minuten mit seinem Gegenüber spricht.

In einen Dialog treten will von Dobrowolski auch mit seiner Initiative Better Police. Er will Polizisten mit Menschen aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen bringen. „Auch aus Teilen der Gesellschaft, die die Polizei schon immer kritisch gesehen haben und vielleicht selbst bereits durch polizeiliches Fehlverhalten geschädigt worden sind“, sagt von Dobrowolski.