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Einer gegen alle?Universal-Vakzin für kommende Pandemien dringend gesucht

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Wird es in Zukunft einen Impfstoff gegen verschiedene Viren geben?

  1. Pharmaunternehmen und Wissenschaftler arbeiten bereits an der nächsten Impfstoffgeneration für die Coronavirus-Varianten – und suchen nach einem Universalvakzin für kommende Pandemien.

Die Idee, einen Impfstoff gegen möglichst viele Krankheitserreger auf einmal zu entwickeln, klingt ambitioniert und genial zugleich.

Durch die beschleunigte Impfstoffforschung in der Pandemie ist das ein Stück weit realistischer geworden: Mithilfe bestimmter neutralisierender Antikörper könnten Vakzine entwickelt werden, die gegen viele bestehende Virenstämme auf einmal schützen und gegen neue Erreger, die womöglich die nächste Pandemie in dieser Welt auslösen. Vielleicht wirken sie sogar noch gegen HIV und Grippe?

„Wir fordern einen alternativen Ansatz zur Vorbereitung auf Pandemien“, schrieben der Immunologe Dennis Burton und der Kardiologe Eric Topol Anfang Februar in der Fachzeitschrift „Nature“. Die schnelle Entwicklung hochwirksamer Corona-Impfstoffe weniger als ein Jahr nach Auftreten von Sars-CoV-2 sei eine große Erfolgsgeschichte. Das nächste Virus mit Pandemiepotenzial sei aber möglicherweise weniger entgegenkommend. Die Herstellung eines Impfstoffs könne dann unter Umständen viel länger dauern. Schon jetzt könnten Corona-Mutationen für bereits verimpfte Mittel in dieser Pandemie problematisch werden. Die US-Forscher fordern deshalb „eine Investition in die Grundlagenforschung, die zur Bevorratung breit wirksamer Impfstoffe führt“.

Bis das so weit ist, wird es aber noch dauern. „Die nächsten zugelassenen Covid-19-Impfstoffe werden sicherlich noch nicht universell sein“, prognostizierte Klaus Cituchek, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), bei einem Gespräch mit dem Science Media Center. Er verweist auf die lange Zeitspanne auf der Suche nach länger nutzbaren Grippeimpfstoffen. Diese müssten bislang jede Saison an veränderte Erreger angepasst werden. Nun gebe es nach 20 Jahren Forschung erste sichtbare Erfolge, die auf bald länger nutzbare Vakzine hoffen ließen. „Ich hoffe, dass wir bei den Coronaviren etwas schneller sind.“

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Die Forschung zu einem Supermittel gegen alle Coronaviren steckt noch in den Anfängen, auch in Deutschland. „Theoretisch sind solche Konzepte schon angedacht“, berichtet Marylyn Addo, die zu Vektorimpfstoffen am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) forscht. Es gebe aber noch keine konkreten Entwicklungsprogramme.

„Es gibt bei Viren eine ständige Evolution“, sagt Biontech-Chef Ugur Sahin. „Die Natur wird immer gegen universelle Impfstoffe arbeiten.“ So ein Impfstoff sei zwar denkbar, es brauche aber intelligente Konzepte. Und für diese brauche es auch Kapazitäten. Bis mindestens zum Sommer habe das Unternehmen alle Hände voll mit der Verteilung von BNT162b2 und der Fortführung von Studien zu tun.

Die Pharmaunternehmen arbeiten schon an einer nächsten Generation von bereits zugelassenen Vakzinen gegen Covid-19. Grundsätzlich könnten mRNA-Impfstoffe innerhalb von sechs Wochen verändert und auf einzelne Mutanten ausgerichtet werden, so Cichutek. Dann müssten noch einmal rund sechs Wochen für die veränderte Produktion eingerechnet werden. Es liefen schon Gespräche mit der europäischen Kommission, damit bei einer möglichen Anpassung der Impfstoffe keine komplette Neuzulassung erforderlich sei.

„Die Variantenanpassung wird eine neue Wissenschaft sein“, prognostiziert Biontech-Chef Sahin. Man arbeite im Labor bereits daran, dass der Impfstoff angepasst werden könnte, auch wenn derzeit noch kein akuter Handlungsbedarf bestehe. „Wir wollen im Moment keinen Impfstoff gegen neue Varianten, bei dem aber der Wildtyp nicht ausreichend neutralisiert wird“, erklärt er. Bei der britischen und brasilianischen Virusvariante sei beim Biontech-Impfstoff derzeit nicht abzusehen, dass sie die Schutzwirkung gefährden. Bei der südafrikanischen Variante könnte das Mittel möglicherweise „gewisse Abstriche“ haben. „Wir selbst haben dafür aber noch keine Real-World-Daten“, so Sahin. Bei Vektorimpfstoffen wie dem von Astrazeneca braucht es ein größeres Zeitfenster für Anpassungen. Die Trägerviren, die das genetische Material eines Erregers für die Immunantwort per Impfung in die Zellen einschleusen, müssten erst herangezüchtet werden, so Expertin Addo: „Das dauert wahrscheinlich zwei bis drei Monate.“

Auffrisch-Impfung

Impfstoffforscher untersuchen eine weitere Möglichkeit, um einen verstärkten Schutz gegen Varianten zu generieren: ein Boost, also eine Auffrischimpfung, die noch einmal höhere Antikörpertiter hervorruft und die Immunantwort stärker ausfallen lässt. Für die erneute Impfung könnten wohl auch mRNA-Impfstoffe mit Vektorimpfstoffen kombiniert werden – also etwa das Mittel von Biontech mit dem von Astrazeneca. Zu so einer „Mix and match“-Strategie liefen auch schon Gespräche zwischen den Herstellern, berichtet Addo. Grundsätzlich würde man bei einer Kombination unterschiedlicher Vakzine keine ungewöhnlichen Nebenwirkungen erwarten. Auch dazu liefen derzeit schon Studien.

Die Entwicklung von Varianten beobachtet die Forscherin aufmerksam. „Wir werden wahrscheinlich noch weitere Varianten bekommen, solange es ein hohes Infektionsgeschehen in der Welt gibt“, prognostiziert die Impfstoffexpertin. Nur die Impfungen und das Verhalten der Menschen könnten diese Entwicklung bremsen. Und sollte sich zeigen, dass die Varianten die Impferfolge nicht gefährden, sei die Forschung auf diesem Gebiet nicht umsonst gewesen. „Alles, was wir jetzt lernen, wird einen Wissensbeitrag leisten für die nächste Pandemie“, betont Addo.