Abo

Hälfte nicht ausgezahlt„Aktion Deutschland Hilft“ mit Spendenrekord bei Fluthilfe

2 min
Neuer Inhalt

Zum Jahrestag der Hochwasserkatastrophe zieht das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“. Ein Jahr nach der Flutkatastrophe ist noch immer viel zu tun. Hier das Ahrtal (Symbolbild).

  1. Nach Soforthilfen in Millionenhöhe stockt die Auszahlung weiterer Spendengelder.
  2. Das liegt vor allem an bürokratischen Hürden beim Wiederaufbau.
  3. Und die Betroffenen sind ein Jahr nach der Katastrophe noch immer traumatisiert.

Rund drei Wochen bevor sich die Hochwasserkatastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz jährt, hat das Bündnis „Aktion Deutschland Hilft“ eine Zwischenbilanz zur Fluthilfe vorgestellt.

Über 282,2 Millionen Euro an Spendengeldern gingen bei „Deutschland Hilft“ ein, die höchste Summe in der Geschichte des Bündnisses. Die Hälfte der Gelder ist allerdings noch nicht ausgezahlt.

35 Millionen Euro Soforthilfen an Privatpersonen

„Der Sprint ist vorbei, es wurde viel geleistet und aufgeräumt“, sagte Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin bei „Deutschland Hilft“. „Trotzdem hören wir immer noch von vielen Menschen, dass bei ihnen noch nichts angekommen ist. Das wissen wir. Es dauert. Es ist ein Marathon.“ An die Mitgliedsorganisationen, zu denen beispielsweise die Johanniter, die Malteser und der Arbeiter-Samariter-Bund zählen, habe man bislang 126 Millionen Euro ausgezahlt. Privatpersonen haben bislang 35 Millionen Euro an finanzieller Soforthilfe erhalten.

„Die teurere Phase in der Fluthilfe ist aber die langfristige“, sagte Edith Wallmeier, Vorstandsvorsitzende beim Bündnis und Geschäftsführerin im Bereich Einsatzdienste und Bildung beim Arbeiter-Samariter-Bund. „Da geht es um den Wiederaufbau, um neuen Hausrat.“ Die Betroffenen können dafür allerdings erst Spendengelder beantragen, sobald der Staat und die Versicherung 80 Prozent der Kosten für Hausschäden übernommen haben. Die restlichen 20 Prozent Eigenleistung können dann aus Spendenmitteln fließen. Sie rechne damit, dass viele Betroffene noch zwei bis drei Jahre in temporären Unterkünften leben müssen.

Für viele Betroffene stelle sich außerdem die Frage, ob sie ihr Haus am Ort der Katastrophe überhaupt erneut beziehen wollen. „Die Menschen sind im Zwiespalt. Sie wollen ihr Haus wieder aufbauen, aber es ist flussnah.“

Viele Betroffene sind noch traumatisiert

Ein Problem aus der Praxis sei weiterhin, dass die Wiederaufbauanträge beim Land ausschließlich online eingereicht werden können. „Ältere Menschen sind damit komplett überfordert“, sagte Felix Neuhaus, der die Hochwasserhilfe der Arbeiterwohlfahrt (AWO) koordiniert. Bei der Erstellung der Anträge unterstütze man die Betroffenen, kläre mit Hilfe von mobilen Teams vor Ort immer noch über die diversen Hilfsangebote auf.

Hinzu komme psychosoziale Hilfe. „Wir hatten den ersten Starkregen vor vier Wochen, einige Häuser mit neuem Estrich standen da schon wieder unter Wasser. Man mag sich nicht vorstellen, was das für ein Trauma ist“, so Wallmeier. „Einige Kinder haben Angst zu baden, Erwachsene zu duschen.“

„Wir müssen uns verdeutlichen, dass der Klimawandel nicht vor Deutschland Halt gemacht hat“, sagte Manuela Roßbach. „Es wird ein nächstes Mal geben.“