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Hotellerie in der tiefsten KriseMotel One ist bisher komplett leer ausgegangen

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Motel One in Köln

Die Hotellerie ist die von der Pandemie am härtesten getroffene Branche. Das hat das Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung anhand einer Skala für finanzielle Beeinträchtigungen durch die Coronakrise ermittelt. Von den staatlichen Hilfen ist aber zumindest bei Motel One bisher nichts angekommen. „Wir haben in Deutschland bislang keine Coronahilfen erhalten“, sagte Firmenchef Dieter Müller am Mittwoch in München.

Die von ihm und seiner Ehefrau Ursula im Jahr 2000 gegründete Kette gehört zu den größten in Deutschland. Es seien zwar vier Millionen Euro geflossen, sagte Müller – aber in Österreich. Auch in der Schweiz funktioniere es. „Am schlechtesten ist es bisher in Deutschland gelaufen.“ Motel One sei lange nicht einmal antragsberechtigt gewesen, was sich erst diesen Monat geändert habe. 40 Millionen Euro hat die Kette nun rückwirkend für November und Dezember beantragt. „Wir haben aber noch keinen Bescheid, geschweige denn Geld erhalten“, sagte Müller. Staatshilfen flössen in der Branche bei weitem nicht so, wie von Ministerien stets behauptet. Andere Branchen wie die Autoindustrie hätten eine mächtigere Lobby.

Wie die Lage ist, zeigt ein Blick in die Bilanz von 2020. Die Auslastung der 21 000 Hotelzimmer brach von 77 auf 28 Prozent ein, im vierten Quartal waren es sogar nur 14 Prozent. Entsprechend schrumpfte der Umsatz auf ein Drittel: Nur noch 209 Millionen Euro Erlös kamen in die Kasse. Das Ergebnis war ein Verlust von 102 Millionen Euro – der erste in der Firmengeschichte. 2019 stand noch ein Gewinn von 166 Millionen Euro zu Buche. Das gibt einen Vorgeschmack auf das laufende Jahr: „Es könnte noch schlimmer werden als 2020“, sagt Müller.

Angst um die Existenz hat er dennoch nicht, auch weil Hausbanken loyal geblieben seien. „Drei Jahre Krise würden wir aber wahrscheinlich auch nicht überleben“, räumt der Firmengründer ein. Auch zwei Jahre Krise schlagen ins Kontor: „2020 haben wir über 100 Millionen Euro verbrannt.“ Die Liquiditätsreserve sei auf noch ansehnliche 163 Millionen Euro geschrumpft. Konkurrenten hätten kein solches Polster.Mit einer echten Verbesserung der Lage, rechnet Motel One nicht vor dem Herbst. Ein Buchungsniveau wie vor der Pandemie werde sich wohl erst zwei Jahre später bis Herbst 2023 wieder einstellen. Müller rechnet damit, dass auf Dauer weniger Geschäftsreisende kommen werden. Das will er durch mehr Urlaubsgäste ausgleichen. „Inwieweit das gelingt, wird man sehen.“

Das Personal der Gruppe wurde 2020 schon um 600 auf noch gut 2000 Stellen reduziert. „Es ist weiter abnehmend“, sagt der im Mai in den Aufsichtsrat wechselnde Konzernchef. Das liege weniger an bewusstem Stellenabbau, als an der Abwanderung des Personals in andere Branchen, die in der Krise besser funktionieren. „Ich habe Verständnis dafür“, sagt Müller. Sein Appell an die Politik: „Alle Ressourcen auf Impfprogramme und an Zusagen halten.“

Hotels dürfen in Deutschland seit bald sechs Monaten keine Urlaubsgäste mehr empfangen. Daran ändern auch zertifizierte Sicherheitskonzepte nichts, für die Motel One bislang unter anderem in chemiefreie Vernebelung und Desinfektion sowie Laboruntersuchungen investiert hat.An ihren Expansionsplänen hält die Gruppe fest. 2020 wurde zwar mit einem Hotel in Bonn nur eines statt geplanter vier Häuser eröffnet. Dieses Jahr sollen aber schon wieder sechs neue Budgethotels unter anderem in Köln und Stuttgart dazukommen. Bis 2021 will man europaweit 102 Hotels haben. Heute gibt es 75 Motel One mit Schwerpunkt Deutschland.

Nach der Pandemie soll auch ein neues Nachhaltigkeitskonzept Gäste locken. Das umfasst grünen Strom, Bio-Frühstück und Nachhaltigkeit schon beim Hotelbau. Mitarbeiter erhalten kostenlose Elektrofahrräder für den Weg zur Arbeit. Neu ist auch eine eigene App, die neben digitaler Buchung künftig auch Online-Check-In und digitalen Meldeschein umfassen soll.