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Kommentar zur InflationDer Aufschwung der Wirtschaft ist mit Schmerzen verbunden

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Inflation Symbolbild

Das Leben ist teurer: Die Inflationsrate im Juli 2021 betrug 3,8 Prozent.

Die Zahl erzählt von Aufschwung. Um 1,5 Prozent ist die deutsche Wirtschaftsleistung innerhalb von drei Monaten gewachsen – so viel wie sonst in einem ganzen Jahr. Das war zwar etwas weniger als nach dem bitteren Jahresbeginn erwartet, aber trotzdem ein klares Zeichen: Nach zwei Lockdowns und monatelanger Agonie kommt die Wirtschaft wieder ins Laufen.

Aber für viele fühlt es sich nicht nach Aufschwung an. Der Optimismus, den er verbreiten sollte, wird durch eine andere Zahl gedämpft: 3,8 Prozent. Das war die Inflationsrate im Juli – das Leben ist deutlich teurer als vor einem Jahr. Und wie der Mensch eben ist: Spätestens an der Tankstelle vergisst er die Erleichterung über seinen geretteten Job und verflucht den teuren Sprit. Die Preisentwicklung dürfte zum großen Thema der nächsten Monate werden – wirtschaftlich und politisch, Wahlkampf inklusive.

Den „Inflationsmonster“ die Zähne ziehen

Allerdings sollte man dem vermeintlichen „Inflationsmonster“ erst einmal ein paar Zähne ziehen. Da wäre zuerst der Sprit: Der ist nicht jetzt extrem teuer, sondern war vor einem Jahr krisenbedingt besonders billig. Ähnliches gilt auch für andere Güter, denn im Juli 2020 senkte die Bundesregierung vorübergehend die Mehrwertsteuer. Das machte das Leben billiger – für ein halbes Jahr, das längst vorbei ist. Zieht man diesen Effekt ab, verliert die Inflationsrate einiges an Schrecken.

Die Stimmung hebt das trotzdem nicht, denn der Preisanstieg wird sich in den nächsten Monaten absehbar beschleunigen, Ende des Jahres erwarten Experten eine Vier vor dem Komma. Die Zinsen werden dabei aber extrem niedrig bleiben, viele Ersparnisse also schneller schrumpfen.

EZB-Strategie ist schwer vermittelbar

Auf der Suche nach Schuldigen findet sich dann schnell die Europäische Zentralbank mit ihren Strafzinsen und Anleihekäufen. Und tatsächlich ist nur noch schwer vermittelbar, warum die EZB kaum Zeichen für einen Abschied von ihrer Krisenpolitik sendet. Sie geht damit doppelt ins Risiko: Kommt die Inflation nachhaltiger in Fahrt, als es die Notenbanker jetzt erwarten, werden sie irgendwann schärfer bremsen müssen, als es der Wirtschaft guttut. Flaut der Aufschwung aber ab, haben sie kaum noch zusätzliche Mittel, um ihn wieder in Gang zu bringen.

Aber vor einer Inflation, wie wir sie bisher erleben, kann eine Notenbank niemanden bewahren. Teuerung ist der logische Begleiter eines Aufschwungs. Wo Nachfrage wächst, steigen die Preise – und danach meist die Löhne. Würde die EZB heute die Zinsen erhöhen – so hoch, dass Sparer nach Abzug der Inflation noch Rendite haben –, bräche die Wirtschaft zusammen. So führt kein Weg daran vorbei, dass auch ein Aufschwung mit Schmerzen verbunden ist. Die Menschen werden sie lindern durch höhere Forderungen in Tarifrunden und mehr Geldanlage in Aktienfonds statt Sparbücher.