Berlin – In der Corona-Pandemie gibt es schon lange diejenigen, die zu Recht warnen: Es ist ein Rechenexempel. Wenn wir die Zahl der Kontakte nicht reduzieren, gehen unweigerlich die Ansteckungszahlen hoch. Die bittere Wahrheit ist sogar: Wir haben es mit einer so komplexen Rechnung zu tun, dass immer wieder unbekannte Variablen ins Spiel kommen können – oft zu unseren Ungunsten.
Das, was Wissenschaftler aus Großbritannien berichten, ist ohne Zweifel Angst einflößend. Eine neu entdeckte Virusvariante sei bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form. Günstig ist, dass es bislang keine Hinweise gibt, dass die Impfstoffe gegen dieses veränderte Virus schlechter wirken als gegen die bisher bekannte Form. Die Entwicklung zeigt aber, wie groß die Gefahr durch Mutationen des Virus für die Menschen sein kann.
Der harte Shutdown ist richtig
Deshalb ist es richtig, wenn die britische Regierung in der Hauptstadt London und weiten Teilen Südostenglands auf einen harten Shutdown setzt. Wie andere Länder wird sich Deutschland in dieser Corona-Krise immer wieder auch mit der Frage von Landeverboten und Einreiseverboten auseinander setzen müssen. Vieles muss schneller entschieden werden, als es in der Demokratie wünschenswert ist. Das ist so unerfreulich, wie es unvermeidlich ist.
Auch die erstaunlich schnelle Entwicklung von Impfstoffen bedeutet nicht, dass die Krise für uns im kommenden Jahr schnell vorbei geht. Es ist gut, dass Deutschland sich jetzt noch einmal zusätzliche Impfdosen gesichert hat. Dennoch ist es ernst zu nehmen, wenn Politiker in den Ländern ihre Sorge zum Ausdruck bringen, dass es mit der Beschaffung des Impfstoffs – gerade für Menschen aus Risikogruppen – nicht schnell genug geht.
Skepsis gegenüber Impfung
Das Paradoxe ist: Während am Anfang womöglich noch Impfstoff für besonders gefährdete Menschen fehlt, könnte sich die Situation im Lauf des Jahres drehen. Was ist, wenn Impfstoff da ist, aber zu viele Menschen zögern, sich impfen zu lassen? Die Politik muss noch Überzeugungsarbeit leisten. Und jeder einzelne Bürger wird sich fragen müssen, welche Verantwortung er selbst zur Krisenbewältigung trägt.Eine besondere Weihnachtsgeschichte
Eigenverantwortung: Um dieses Thema wird es auch an Weihnachten gehen. Die Familien müssen beraten, wie die beste Lösung aussieht. Dabei darf es nicht darum gehen, die bestehenden Regeln möglichst bis zum Maximum auszureizen. Das Ziel muss sein, vernünftige Wege zu finden.
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