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Kommentar zum ImpfstartSkeptiker dürfen nicht die Deutungshoheit erlangen

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Corona Impfung Simulation

Eine Arzthelferin simuliert die Corona-Impfung.

Die Bundesregierung kann nach einem vergeigten November beim Pandemieschutz sowie bei steigenden Infektions- und Todeszahlen nun endlich eine gute Nachricht präsentieren: Mit den Impfungen soll noch in diesem Jahr begonnen werden. Während das noch im Oktober verheißene Weihnachten im Kreise von Familie und Freunden so nicht stattfinden kann, zeigt sich mit der Zulassung des Impfstoffes Licht am Ende des Tunnels. Anlass zur überschwänglichen Freude gibt es nicht.

Die Rückkehr ins normale Leben wird mindestens bis zum Sommer dauern. Möglicherweise noch ein ganzes Jahr. Und auch wenn der Impfstoff zehntausendfach getestet wurde, lässt es sich nicht ausschließen, dass überraschend heftige Nebenwirkungen auftreten. Es gibt auch noch offene Fragen: Wie lange hält der Impfschutz? Wirkt die Impfung in allen Bevölkerungsgruppen gleich?

Gratulieren aber muss man dem Unternehmen Biontech, das in unglaublich kurzer Zeit diesen Impfstoff entwickelt hat. Der Firmengründer hatte bereits im Januar die Pandemie kommen sehen und alle Kräfte für das Erforschen eines Impfstoffs eingesetzt. Eine visionäre Entscheidung. Denn im Januar hatte der Rest Europas das Coronavirus noch für ein Problem der chinesischen Provinz gehalten. 

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Der deutschen Politik gebührt das Lob, über Jahrzehnte Grundlagenforschung gefördert zu haben – auch einen Wissenschaftler wie Ugur Sahin, der mit seinem Glauben an genbasierte Arzneimittel lange recht einsam war. Bislang galt Deutschland als schwach auf dem Feld, von der Grundlagenforschung auch in die Anwendung und damit in den wirtschaftlichen Erfolg zu gehen. Der Biontech-Impfstoff ist ein Musterbeispiel, wie wichtig auch Grundlagenforschung ist, um Wissenschaft in den direkten Dienst für die Menschheit zu stellen. Nun gilt es, in Deutschland die Impfungen schnell, smart und sicher über die Bühne zu bringen. Das ist eine große Herausforderung – logistisch und kommunikativ. Politiker in Bund, Ländern und Kommunen stehen vor der Schwierigkeit, gleichermaßen der Ungeduld der Impfwilligen und der Skepsis der Impfgegner zu begegnen. Für die Impfwilligen bedarf es vor allem Transparenz, warum wer in welcher Reihenfolge drankommt.

Gleichzeitig wird die Politik immer wieder über die Impfungen aufklären müssen. Man wird nicht oft genug erläutern können, dass dieser genbasierte Impfstoff keinesfalls Veränderungen in den Genen der Menschen verursacht, sondern lediglich dem Körper Anreize setzt, selbst Antikörper gegen das Coronavirus zu bilden. Das Thema ist hochsensibel. Wenn die Impfskeptiker die Deutungshoheit erlangen, wird man die für die Immunisierung der Bevölkerung notwendigen 60 bis 70 Prozent nicht erreichen können.