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Kommentar zur SchulsituationSchafft das Sitzenbleiben ab – nicht nur in der Krise

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Leere Klassenzimmer: Die Schüler müssen gerade im Distanzunterricht lernen. 

„In diesem Schuljahr darf niemand sitzenbleiben.“ Es ist ein einfacher, klarer Satz, den die Lehrergewerkschafterin Marlis Tepe spricht.

Und die GEW-Chefin hat Recht damit. Denn das, was für manch einen vielleicht nach einem Freifahrtschein fürs Faulenzen klingt, ist einfach nur gerecht: Schüler, Lehrer und Eltern stecken in der Pandemie durch den erneuten Fernunterricht in einer riesigen Stresssituation. Vieles funktioniert im Distanzunterricht nicht so, wie es sollte.

Soll am Ende etwa der einzelne Schüler mit einem verlorenen Jahr den Preis dafür zahlen, dass die Politik die Schüler nicht besser auf diese Situation vorbereitet hat? Dafür, dass Deutschland ein digitales Entwicklungsland ist? Das darf nicht sein.

Ungerecht wäre ein Sitzenbleiben in der Pandemie auch deshalb, weil es wieder einmal vor allem die träfe, die es ohnehin besonders schwer haben: nämlich diejenigen, die zu Hause nicht so gut gefördert werden können. Einige haben nicht einmal ein Zimmer, in dem sie in Ruhe arbeiten können. Diese Kinder brauchen besondere Unterstützung – und nicht eine Zurückstufung, die ihre ganze Bildungskarriere erschwert.

Auch über die Sondersituation von Corona gilt übrigens: Es wäre klug das Sitzenbleiben abzuschaffen. Der Chef der Pisa-Studie, OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher, weist schon lange zu Recht darauf hin, dass das Sitzenbleiben erstens stigmatisierend wirkt, zweitens aber auch ineffizient ist.

Sitzenbleiben ist volkswirtschaftlich teuer. Es werden entsprechend größere Kapazitäten an den Schulen benötigt – und der Betroffene startet später ins Erwerbsleben und zahlt später Steuern. Wenn wir dieses Geld in eine bessere individuelle Förderung stecken, ist also nicht nur dem Einzelnen geholfen, sondern allen. Falls das Sitzenbleiben abgeschafft wird, hätte Corona zumindest einmal etwas Gutes bewirkt.