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Kommentar zur steigenden InflationDas Spiel mit dem Feuer

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Börse Symbol

(Symbolbild)

Die Börsianer zeigten sich am Montag erstaunlich gelassen. Der hiesige Leitindex für Aktien (Dax) trottete am Nachmittag mit einem leichten Plus dem Handelsschluss entgegen. Die haben Nerven die Anleger. Schließlich hatte das Statistische Bundesamt zuvor eine Inflationsrate von 3,9 Prozent gemeldet. Das ist der höchste Wert seit 28 Jahren.

Was macht die Investoren bloß so gelassen? Schließlich hängt von der Teuerung auch das Wohl und Wehe am Aktienmarkt ab. Eine hohe Preissteigerung zwingt normalerweise die Notenbanken, die Zinsen zu erhöhen. Hohe Zinsen sind Gift für Aktienmärkte. Die 3,9 Prozent müssten eigentlich ein Warnsignal für die Europäische Zentralbank sein, die sich eine Teuerung von zwei Prozent zum Ziel gesetzt hat.

Doch momentan ist alles anders. Die einst gültigen Regeln sind außer Kraft gesetzt, weil Corona eine bislang einmalige Situation geschaffen hat. Durch Lockdowns wurde die Wirtschaft zeitweise in ein Wachkoma versetzt. Um sie zu reanimieren, haben die Regierungen weltweit massive Hilfsprogramme auf den Weg gebracht. Das Hochschießen der Inflation ist die Folge davon.

Sorgen vor einer Lohn-Preis-Spirale

Bislang waren sich die Notenbanker einig, dass das nur eine vorübergehende Angelegenheit ist. Doch die Zweifel wachsen. Eine Teuerung von mehr als fünf Prozent und Lohnsteigerungen von fast gleicher Höhe bereiten in den USA zunehmend Sorgen. Vor einer Lohn-Preis-Spirale.

Jetzt ist das Feingefühl der Notenbanker gefragt. Wann ist der Moment zum Bremsen bei der ultra-lockeren Geldpolitik gekommen? Das weiß niemand, eben weil die derzeitige Lage so einzigartig ist. Klar ist nur: Wer zu spät die Zügel anzieht, muss mit unkalkulierbaren Folgen rechnen. Die Börsianer wetten jedenfalls darauf, dass die Ausbreitung Delta-Variante diese Bremswirkung haben wird. Ein Spiel mit dem Feuer.