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London lästert – und impft weiterGroßbritannien verwundert über Debatte in der EU

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Impfung GB

Menschen stehen vor einer Apotheke Schlange und warten darauf eine Impfdosis des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca verabreicht zu bekommen.

London – In der Downing Street hätten sie am liebsten den Union Jack auf die Impfstofffläschchen drucken lassen. Dieser von der britischen Regierung geäußerte Wunsch wurde zwar abgelehnt, aber vor allem konservative Politiker werden nicht müde, den von der Universität Oxford in Zusammenarbeit mit dem schwedischen Unternehmen Astrazeneca entwickelten Impfstoff als „großen britischen Erfolg“ zu feiern. Premierminister Boris Johnson sprach nach der Zulassung im Königreich von einem „Triumph für Großbritanniens Wissenschaft“.

Mehr als elf Millionen Dosen Astrazeneca sind im Land bereits zum Einsatz gekommen, und bislang gebe es keinerlei Anzeichen für ein erhöhtes Auftreten von Thrombosefällen, hieß es von Großbritanniens Regulierungsbehörde für Arzneimittel und Gesundheitsprodukte MHRA.

Mehr als 26 Millionen Impfungen bereits vorgenommen

Sie hält einen Impfstopp zum jetzigen Zeitpunkt für nicht angebracht und ermutigt vielmehr die Menschen, ihre Termine wahrzunehmen. „Wir prüfen die Berichte genau, aber die vorliegenden Indizien deuten nicht darauf hin, dass der Impfstoff die Ursache ist“, sagte Phil Bryan von der MHRA.

Also wird auf der Insel weiter geimpft. Beinahe die Hälfte der erwachsenen Bevölkerung hat bereits zumindest die erste Dosis erhalten. Mehr als 26 Millionen Impfungen wurden bislang vorgenommen – ob in Impfzentren, in Apotheken, bei Hausärzten oder in umfunktionierten Kathedralen oder Rugby-Stadien. Sogar in Taxis wird geimpft.

Impfstopp als Anti-GB-Kampagne gewertet

Die Nachricht, dass in vielen europäischen Ländern das Verimpfen des Astrazeneca-Impfstoffs erst einmal ausgesetzt wird, löste vor allem Verwunderung und Unverständnis aus. Abgeordnete riefen die Briten dazu auf, die „Fake News“ vom Kontinent zu ignorieren und stattdessen die Einladung zum Piks in den Arm anzunehmen.

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Ohnehin wittern zahlreiche europaskeptische Beobachter eine Schmutzkampagne gegen das Königreich, auch wenn es dafür keinerlei Ansatzpunkte gibt. Doch das Verhältnis zwischen London und der EU ist nach jahrelangen Streitereien um den Austritt Großbritanniens angespannt. Der Tory-Parlamentarier Anthony Browne etwa schimpfte, europäische Politiker wären angetrieben von „Politik, nicht Wissenschaft“. Das „Brexit-Schmollen“ werde in der EU Menschenleben kosten.

Die bunten Blätter verhöhnen schon seit Wochen den langsamen Impffortschritt auf dem Festland – und zeigen auf die EU. Obwohl die Union nichts mit dem Stopp der Astrazeneca-Verabreichungen zu tun hatte, wurde dieser kurzerhand als Brüsseler Racheakt am Königreich bewertet. „Waghalsige EU erteilt GB-Impfung Abfuhr“, titelte etwa die „Daily Mail“.