Nachhaltigkeit ist ein Modewort in vielen Bereichen geworden – auch in der Geldanlage. Die Finanzindustrie wirbt viele Produkte als „grün“ an, doch nicht alle sind es. Wir geben einen Überblick, worauf Anleger achten sollten, wenn sie tatsächlich nachhaltig investieren möchten.Christoph ScherbaumViele Menschen wollen ihr Geld nicht einfach „nur“ anlegen – das Ganze soll möglichst einen nachhaltigen Charakter haben. Aktien von Ölkonzernen, Zigarettenherstellern oder Mischkonzernen, die auch Militärgeräte herstellen, wollen viele Anlegerinnen und Anleger heute nicht mehr im Depot haben.Auf den ersten Blick sieht alles ganz einfach aus. Wer „Nachhaltigkeit“ und „Geldanlage“ googelt, bekommt mehr als sechs Millionen Ergebnisse. Auf den ersten Plätzen finden sich viele bekannte und international agierende Fonds- und Investmentgesellschaften mit ihren Produkten. Man liest viel über sogenannte „Green-Bonds“, „ESG-konforme Aktienfonds“ und „Impact Investments“. Doch was ist überhaupt der Unterschied zwischen diesen Begriffen und Anlageformen? Wir geben einen kleinen Überblick:Die drei Buchstaben ESG stehen für Environment (Umweltschutz), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Unter Soziales fallen beispielsweise Punkte wie Verbot von Kinderarbeit, soziale Arbeitsverträge und keine Diskriminierung von Minderheiten.Unter Green Bonds versteht man am Finanzmarkt wiederum Anleihen, deren Erlöse „ausschließlich zur vollständigen oder teilweisen Finanzierung oder Refinanzierung neuer oder bestehender Projekte mit positiven Umweltauswirkungen verwendet werden“, wie der Bonds-Spezialist Eurizon erklärt. Dazu zählen Windparks, Solar- oder andere Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen, Initiativen der Kreislaufwirtschaft, die Erhaltung der biologischen Vielfalt, Wasserwirtschaft oder auch der Bau energieeffizienter Häuser.ESG-konforme Aktienfonds oder ein nachhaltiger Investmentfonds ermöglichen wiederum laut der US-Bank JP Morgan Anleger „Chancen in Verbindung mit Umwelt-, Sozial- und Governance- (ESG-)Faktoren zu nutzen, Risiken zu steuern und eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.“Als ob dies nicht schon genug Verwirrung bringen könnte, gibt es noch „Impact Investment“. Der Begriff Impact steht hier für die Wirkung, die durch eine Investition erreicht werden soll. Tobias Huzarski von der Commerzbank-Tochter Commerz Real erklärt: „Impact Investment unterscheidet sich von ESG-konformen Aktienfonds hinsichtlich konkreter und positiver und messbarer Wirkung ganz grundsätzlich.“Deutlich werde das anhand dreier Kernfragen, so der Experte. Erstens gehe es um die konkrete Wirkung des Kapitaleinsatzes. „Bei Aktienfonds, ob ESG-konform oder nicht, verbleibt Investitionskapital im Orbit der Finanzwelt“, sagt Huzarski. „Im Gegensatz hierzu fließt bei Impact-Fonds das Kapital, mittelbar oder unmittelbar, in konkrete Projekte, die ökologische oder soziale Wirkung erzielen sollen.“Die zweite Kernfrage ist, mit welchem Ziel Kapital investiert wird. Nachhaltige oder ESG-konforme Aktienfonds arbeiten laut Huzarski intensiv mit sogenannten „Ausschlusskriterien“. Das bedeutet, dass Unternehmen, Themen oder Investitionen, die gesellschaftlich oder ökologisch nicht mehr tragfähig sind, ausgeschlossen werden. Zu welchen Ergebnissen diese Methodik führen kann, zeigt eine Untersuchung von 2020: Die Ratingagentur Morningstar hat die zehn größten nachhaltigen ETFs in den USA beleuchtet und festgestellt, dass 17 Prozent des Portfolios aus Aktien der Internetriesen Facebook, Apple, Amazon, Netflix und Google bestehen. Angesichts der Debatten um Datenschutz, Arbeitsmethoden und monopolistisches Verhalten erscheint das aber nach den Ausschlusskriterien von Impact Investment ungenügend zu sein.Die letzte Kernfrage sei, so Tobias Huzarski, wie transparent über konkrete Wirkung berichtet wird. Aktienfonds könnten nur bedingt Einblick in die realwirtschaftlichen Aktivitäten der jeweiligen Emittenten erlangen, sagt Huzarski. Impact-Fonds, die in konkrete Projekte investieren, „können hingegen konkret und transparent über ökologische Bilanz und Wirkung berichten“.Für Anleger gibt es auf den ersten Blick zuhauf Möglichkeiten, in nachhaltige Finanzprodukte zu investieren. Allein in Deutschland hat sich das Volumen solcher Fonds innerhalb von zehn Jahren auf fast 150 Milliarden Euro verfünffacht. Doch nicht alles ist wirklich grün – sondern eher mit einem Öko-PR-Mantel umgeben, und das Produkt wird wie die vielzitierte Sau durch das (Anleger-)Dorf getrieben. Es handelt sich oftmals um sogenanntes Green Washing. Impact Investment-Fonds dürften hierzu seltener zählen – zu hoch sind die Standards, die sie erfüllen müssen, und zu groß wäre der Aufschrei der Anlegerschaft, wenn es nicht der Fall wäre.
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