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Pro und ContraSoll künftig vor allen Schulen eine Deutschlandflagge stehen?

4 min
Deutschlandfahne

Wehen künftig Deutschlandfahnen vor deutschen Schulen?

  1. Ein Antrag für den CDU-Bundesparteitag sieht vor, dass künftig vor allen Schulen Deutschlandflaggen stehen.
  2. Echte Patrioten wüssten Besseres mit dem Geld zu tun, meint Tobias Peter.
  3. Flaggen vor der Schule könnten dabei helfen, schon bei jungen Menschen eine entspanntere Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Nationalsymbol einziehen zu lassen, sagt Christian Burmeister.
  4. Zwei Meinungen, zwei Kommentare.

Pro: Gerade da! von Christian BurmeisterEin bisschen aufgeregt geht es ja immer zu, wenn hierzulande die Sprache auf nationale Symbole kommt. Auch diesmal ist es nicht anders: Die CDU will auf ihrem Parteitag einen Antrag beschließen, der die Beflaggung vor allen deutschen Schulen vorsieht: mit der Europa-, Landes- und Nationalflagge. Der Vorschlag wird vermutlich eine Mehrheit finden - und das ist völlig in Ordnung.

Klar: Fehlende Flaggen sind nicht das Hauptproblem an unseren Lehreinrichtungen. Eher fehlendes Personal oder eine marode Infrastruktur. Trotzdem wäre Schwarz-Rot-Gold vor Schulen genau richtig platziert. Denn die deutsche Trikolore steht nicht für engstirnigen Nationalismus wie manche behaupten, sondern ist schon aus ihrer Geschichte heraus ein Wahrzeichen für Freiheit und Demokratie. Und genau um diese Werte sollte es - neben der Wissensvermittlung - an unseren Schulen doch gehen.

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Natürlich verfolgt die CDU mit dem Vorhaben auch ihre eigenen Hintergedanken - wohl nicht zuletzt den, sich wieder als „Deutschland-Partei“ in Position zu bringen, wie sie es zuletzt vor allem unter Helmut Kohl getan hat. Aber das Gute an der Nationalflagge ist: Sie gehört niemandem alleine. Nicht der CDU. Nicht den Grünen, deren Spitzenpersonal kürzlich auf ihrem Parteitag wohl nicht ganz zufällig in schwarzer (Habeck), roter (Göring-Eckhardt) und gelber (Baerbock) Kleidung die Bühne betrat. Und schon gar nicht der AfD. Sie gehört allen.

Flaggen vor der Schule könnten dabei helfen, schon bei jungen Menschen eine entspanntere Selbstverständlichkeit im Umgang mit dem Nationalsymbol einziehen zu lassen, als das heute oft der Fall ist. Schwarz-Rot-Gold ist weder Anlass zur Scham noch für nationalistisches Gejohle. Die Flagge ist ein Symbol für demokratische Offenheit und die Bereitschaft, diese zu verteidigen. Darauf kann jeder, dem es ein Bedürfnis ist, sogar stolz sein.

Contra: Kauft Bücher, keine Flaggen!

von Tobias Peter

Danke, Schülerunion! Danke, CDU-Landesverband Baden-Württemberg! Danke, CDU-Antragskommission!

Deutschland kommt nicht voran in Sachen Bildung. Unser Bildungssystem ist himmelschreiend ungerecht. Ein Professorenkind hat eine mehr als dreimal so große Chance wie ein Facharbeiterkind, eine Empfehlung für das Gymnasium zu bekommen – bei gleicher Kompetenz und kognitiven Fähigkeiten. Deutschland ist laut internationalen Vergleichen in Sachen Bildung nur gehobenes Mittelmaß, weit entfernt von Pisa-Spitzenreitern wie Finnland oder Singapur. Mancherorts regnet es in Klassenzimmer rein. Und nicht selten gilt: Wehe dem Kind, das in der Schule zur Toilette gehen möchte. Oder, noch schlimmer: muss.Für alle diese Probleme hat die CDU Baden-Württemberg jetzt in einem von der Antragskommission zur Annahme empfohlenen Antrag für den Bundesparteitag endlich eine Lösung gefunden: die Deutschland-Flagge vor allen Schulen hissen.

Für gute demokratische Bildung

Wäre die Flaggen ein Problem, würden Schüler damit sozusagen zu Nationalisten erzogen? Nein, natürlich nicht. Spätestens seit der Weltmeisterschaft 2006 wissen alle Deutschen und die ganze Welt, welch ein freundliches, weltoffenes Symbol unsere Flagge sein kann. Und nach den Vorstellungen der CDU-Antragsteller sollen ja auch noch die jeweilige Landesflagge und die Flagge der Europäischen Union dazukommen.

Gleichzeitig gilt aber: Kein Mensch braucht die Flaggen vor den Schulen – außer vielleicht denjenigen, die mit dem Verkauf von Flaggen und Fahnenmasten Geld verdienen. Es gibt, anders als in den Vereinigten Staaten, in der Bundesrepublik keine Tradition einer solchen Beflaggung an den Schulen. Und es gibt, ganz offenkundig, auch keinen dringenden Grund, jetzt eine solche Tradition zu schaffen.

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Nichts gegen die Liebe zum eigenen Land. Es ist wichtig, dass in der Schule ein Grundstein dafür gelegt wird, dass junge Menschen die Gemeinschaft, in der sie leben, mitgestalten wollen und können. Aber das ist keine Frage von ein bisschen Textil-Stoff, sondern von Unterrichtsstoff, von guter demokratischer Bildung.

Erst das Land, dann die Partei

Eine Debatte über Flaggen vor den Schulen hilft vielleicht der CDU, ihr Profil als patriotische Partei zu schärfen. Den Lehrern, Schülern und Eltern, die sich Fortschritt an deutschen Schulen wünschen, hilft sie nicht. „Erst das Land, dann die Partei“: An diesen guten, alten Grundsatz sollte die CDU sich erinnern. „Kauft gute Deutschbücher, keine Deutschlandflaggen!“ möchte man ihnen zurufen.

Wie wäre es, wenn die Politik einfach mal ein paar echte Probleme löst. Wenn sie das geschafft hat – was nach der derzeitigen Geschwindigkeit der Problemlösung in unserem Bildungssystem frühestens im Jahr 2100 der Fall sein dürfte – kann sie gern Flaggen vor den Schulen aufstellen. Dann gibt es etwas, worauf alle stolz sein können.