Unter dem Druck großer Erwartungen kommen an diesem Montag Bundesregierung, Ministerpräsidenten und Vertreter der deutschen Pharmaindustrie zu einem „Impfgipfel“ per Videokonferenz zusammen.
Unter den Teilnehmern werden auch Vertreter der EU-Kommission sein, die für die gesamte EU Impfstoff bei verschiedenen Herstellern einkauft. Angesichts des schleppenden Impfbeginns, der Schwierigkeiten bei der Terminvergabe sowie der Engpässe bei Lieferung und Produktion wächst die Unzufriedenheit mit dem Immunisierungsprogramm, das zum Jahresende begonnen hatte.
Dafür zeigte Gesundheitsminister Jens Spahn am Wochenende Verständnis – und warb um Vertrauen: „Es kommen jede Woche Impfstoffe, und es werden auch mehr, Zug um Zug.“ Neben den Mitteln von Biontech/Pfizer und Moderna hatte die EU am Freitag auch das von Astrazeneca zugelassen.
Bislang seien in Deutschland über 3,5 Millionen Dosen ausgeliefert und 2,2 Millionen gespritzt. Bis zum 22. Februar würden weitere fünf Millionen Impfdosen ausgeliefert. Allerdings gibt es noch wenig Daten über die Wirksamkeit des Astrazeneca-Impfstoffs bei älteren Patienten, sodass die Ständige Impfkommission in Deutschland diesen nur für Menschen zwischen 18 und 64 Jahren empfiehlt. Die Überarbeitung der Impfverordnung dürfte eines der Themen beim Gipfel werden.
Hauptsächlich dürfte es allerdings um eine Erhöhung der Impfstoffproduktion gehen. Die Ministerpräsidenten mehrerer Länder hatten sich im Vorfeld über die Lieferengpässe beklagt. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) forderte ein höheres Tempo: „Wir können das öffentliche Leben nicht auf Dauer herunterfahren. Schon jetzt haben wir mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen“, sagte sie mit Blick auf den Gipfel. Die ansteckenderen Virusmutationen erhöhten den Druck, noch schneller voranzukommen.
Die Linksfraktion warf dem Gesundheitsminister vor, die Lage zu beschönigen. „Die Impfsituation ist dramatisch schlecht. Millionen Ältere warten sehnlichst auf die Impfung“, sagt Co-Fraktionschef Dietmar Bartsch dem RND. Wenn Sanofi und Novartis den Biontech-Impfstoff abfüllen werden, müsse Spahn Anreize erhöhen, damit andere Hersteller das ebenfalls tun.
Warnung vor überzogenen Erwartungen
Die Pharmaunternehmen warnen dagegen vor überzogenen Erwartungen. „Eine Impfstofffabrik ist kein Bücherregal aus dem Möbelhaus, das man schnell aufbauen kann“, sagt Han Steutel, Präsident des Verbandes forschender Arzneimittelhersteller. „Wäre es so, hätten wir es längst gemacht.“
Virologen plädieren nun dafür, die Beschränkungen zu verlängern, vor allem angesichts der sich ausbreitenden Mutationen. Aus der SPD kamen dagegen Rufe nach konkreten Lockerungsplänen: „Neben dem klaren Fokus auf die Reduzierung der Neuinfektionen und auf das dauerhafte Einpendeln des R-Wertes unter 1 brauchen wir dringend eine Diskussion über intelligente Öffnungskonzepte nach dem Grundsatz „Was können wir wann wie wieder öffnen?“, sagte SPD-Fraktionsvize Dirk Wiese dem RND. Bürger und Wirtschaft erwarteten „Planbarkeit anhand konkreter Kriterien“.
