- Bernd Osterloh plant den Wechsel ins Management. Der 64-Jährige hat ein Angebot der Lkw-Holding Traton.
- Wie geht es jetzt weiter bei VW? Die Hintergründe.
VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh plant offenbar den Abschied aus Wolfsburg. Der 64-Jährige habe das Angebot, Personalvorstand bei der konzerneigenen Lkw-Holding Traton zu werden, bestätigten Konzernkreise am Abend. Die Entscheidung soll nach Informationen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND) an diesem Freitag fallen. Osterloh würde dann auch aus dem VW-Aufsichtsrat ausscheiden. Der Betriebsrat wollte das am Abend nicht kommentieren.
Als Favoritin für seine Nachfolge gilt die bisherige Stellvertreterin Daniela Cavallo. Sie war zuletzt auch öffentlich weiter nach vorn gerückt, denn in einem Jahr stehen bei VW Wahlen zum Betriebsrat und für die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat an. Es zeichnete sich schon länger ab, dass Osterloh dort nicht mehr antreten würde. Cavallo ist im Betriebsrat unter anderem für das Thema Qualifizierung verantwortlich und hat die Bedingungen für das neu gegründete Softwareunternehmen Cariad ausgehandelt. Hier sammelt VW gerade Tausende Software-Experten aus allen Teilen des Konzerns. Cariad ist aktuell eins der wichtigsten Projekte und gilt als Testfall für die Transformation vom Autobauer zum Mobilitätskonzern.
Machtfaktor Osterloh
Osterloh übernahm den Vorsitz 2005, nachdem Klaus Volkert wegen des Betriebsratsskandals zurückgetreten war. Der gelernte Industriekaufmann stand 2015 schon einmal vor dem Wechsel ins Management, behielt aber wegen der Unruhe im Dieselskandal seine Rolle als Betriebsratschef. Den Job des VW-Personalvorstands, der damals zur Debatte stand, bekam später Osterlohs enger Vertrauter Gunnar Kilian. In eineinhalb Jahrzehnten wurde Osterloh zur einzigen Machtkonstante im VW-Konzern. In seine Amtszeit fielen der Übernahmekampf mit Porsche, das Zerwürfnis mit Ferdinand Piech sowie der Dieselskandal mit dem erzwungenen Abschied Martin Winterkorns. Mit Herbert Diess erlebt Osterloh gerade den vierten Vortstandsvorsitzenden.
Bei der börsennotierten Traton SE wartet keine leichte Aufgabe. Der zum Konzern gehörende Lkw-Hersteller MAN steckt in einer harten Sanierung. Tausende Stellen fallen weg, Werke werden abgegeben, im österreichischen Steyr könnte es sogar zur Schließung kommen. Es gab heftige Konflikte zwischen den Arbeitnehmern und dem Management, die nur mühsam befriedet werden konnten. Osterloh soll nun offenbar auch das Verhältnis kitten.
