Die Kölner Heliosschule, gegründet 2015, kämpft mit erheblichen Bauverzögerungen und soll nun erst 2029/30 in das fertige Schulgebäude ziehen.
Erneute VerzögerungenKölner Heliosschule kann erst in drei Jahren in neues Gebäude ziehen

Das neue Gebäude der Heliosschule in Ehrenfeld: Der Bau ist noch nicht fertig, aber schon musste die Fassade saniert werden.
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Die Heliosschule kann erst in drei Jahren vollständig in ihr neues Gebäude in Ehrenfeld einziehen, zum Schuljahr 2029/2030. Die Schüler müssen also noch länger als erwartet – der letzte bekannte Einzugstermin war Anfang 2027 – an drei Standorten lernen, die jeweils mehrere Kilometer voneinander entfernt liegen. Mutter Jennifer Haack sagt: „Die Eltern mit Kindern in verschiedenen Stufen verbiegen sich.“
Auch bedeutet die Verzögerung, dass weiter Viertklässler der Helios-Grundschule nicht sichergehen können, auch einen Platz in der fünften Klasse der Helios-Gesamtschule zu erhalten. Haacks Sohn in der vierten Klasse, müsse nun „bangen“. Dabei sieht das pädagogisch hochgelobte Konzept der Schule ein jahrgangsübergreifendes Lernen vor. Die Mutter sagt: „Das Konzept der Schule ist zukunftsweisend“, sie könne nicht verstehen, dass man dem „Steine in den Weg legt“.
Schüler besuchen Interimsstandorte
Seit dem ersten Spatenstich im Mai 2019 werden zum jetzt avisierten Einzug zehn Jahre Bauzeit vergangen sein. Der Einzug war zur Schulgründung 2015 für das Jahr 2022 geplant, die Schülerinnen und Schüler besuchen seither diverse Interimsstandorte – dieses Jahr macht der Gründungsjahrgang Abitur, ohne je im finalen Gebäude gelernt zu haben.
Schulleiter Andreas Niessen sagt: „Ich hatte gehofft, dass wir noch vor der Oper fertig werden.“ Die Oper eröffnete nach vierzehn Jahren Sanierung am Donnerstag mit einem Festakt wieder. Zählt man die größten Dauerbaustellen der Stadt auf, steht recht weit oben auf der Liste (bislang kurz hinter den Bühnen) auch die Heliosschule. In den vorigen Jahren kam es wiederholt zu Verzögerungen und Verteuerungen. Die letzte bekannte Summe der Baukosten stammt aus dem März 2025 und lautete 156,5 Millionen Euro. Dass die Kosten angesichts der Bauzeitverlängerung bis 2029 noch einmal gestiegen sind, gilt als sicher. Einen belastbaren Termin- und Kostenrahmen wollte die Stadt laut jüngster Mitteilung an den Schulausschuss im 3. Quartal 2026 nennen. Das endet mit dem September, ohne dass die Summe bekannt ist.
Die jüngste Hiobsbotschaft der Dauerbaustelle musste die Stadt im Februar dieses Jahres bekannt geben, als sie sich von dem Architekturbüro Schilling getrennt hatte, dessen Entwurf 2015 den Wettbewerb für den Neubau gewonnen und ihn seither eng begleitet hatte. Seitdem waren nicht nur die Kosten ungewiss, sondern auch, wann die Schule einziehen können wird. Der bis dahin genannte Termin war das erste Quartal 2027 gewesen, zweieinhalb Jahre vor dem neuen Datum.

Das Projekt des Neubaus der Heliosschule wurde im Februar erneut zurückgeworfen: Die Stadt Köln hatte den Vertrag mit dem Architekturbüro aufgelöst.
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In der Sitzung des Schulausschusses vorige Woche hatte eine Verwaltungsmitarbeiterin nach Anfragen der Politikerinnen und Politiker nun mitgeteilt, der Beginn des Einzugs der Schule könne im laufenden Betrieb Ende 2028 starten. Der komplette Einzug in ihr neues Gebäude steht nach derzeitigem Plan für das Schuljahr 2029/2030 an.
Auf der Baustelle wird das Projekt laut Stadtverwaltung nach Kündigung des Architekturbüros noch immer „neu strukturiert“. Das neue Architekturbüro habe einige Planungsmängel festgestellt, etwa bei der Barrierefreiheit seien „umfangreiche Korrekturen“ erforderlich. Auf der Baustelle seien die Arbeiten derweil vorangegangen. Im Oktober 2025 hatte die Stadt mitgeteilt, dass Fassadenarbeiten „mangelhaft umgesetzt“ worden seien. Jetzt teilt sie mit: „Aktuell fokussieren sich die Fassadenarbeiten auf die Sanierung im Bereich der Dachterrassen.“
Eltern, Schüler und Lehrer der Heliosschule leiden unter Interim
Schulleiter Andreas Niessen sagte am nächsten Tag: „Da wir ja von drei Standorten in ein Gebäude ziehen, könnte man durchaus darüber nachdenken, dass es einen gestaffelten Einzug gibt.“ Die Oberstufe will er nicht während ihrer Abiturphase umziehen lassen, aber über Weihnachten oder Ostern sei ein Umzug einiger Stufen denkbar.

Eltern, Schüler und Lehrer der Heliosschule demonstrierten im November 2025 vor dem Rathaus: „Wir leisten seit Jahren Unmögliches – mit Herz, Engagement und Mut. Aber jetzt ist Schluss mit Provisorien!“
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Im November vorigen Jahres hatte die von Schülern, Lehrern und Eltern gegründete Initiative „Heliosschule jetzt“ die Kommunikationsweise der Stadt unter anderem bei einem Protest vor dem Rathaus kritisiert. Die Schulgemeinschaft erwarte „endlich Verlässlichkeit, Transparenz und gesunde Lernräume“. Tjark Sauer, einer der Initiativensprecher, hatte gesagt: „Die Schülerinnen und Lehrer leiden darunter, wenn man Unterricht in angemieteten Räumen oder Containern machen muss, die nicht dafür geeignet sind.“ Und Andreas Niessen und die Leiterin der Helios-Grundschule, Marion Hensel, hatten in einer gemeinsamen Mitteilung neben Kritik an der Kündigung des Architekturbüros auch geschrieben, sie erwarteten nun, dass es zu „keiner weiteren Verzögerung“ und „keinerlei Qualitätsverlust“ komme.

Die drei Interimstandorte der Heliosschule in Köln.
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Nach dem Schulausschuss vorige Woche sagte Andreas Niessen, der Austausch mit der Stadt habe sich tatsächlich verbessert, er sprach von „mehr Transparenz und besseren Kommunikationsstrukturen“. Im Interim der Fünft- und Sechstklässler in der Overbeckstraße komme die Schule aktuell „gut klar“. Dort sind der Schule ab diesem Herbst vier weitere Unterrichtsräume in einem Erweiterungsbau in Aussicht gestellt. Am Standort der Jahrgänge sieben bis zwölf in Vogelsang an der Adresse Am Wassermann hat die Schule mit diesem Jahr deutlich mehr Platz bekommen, auch da komme man vorerst „zurecht“. Denn die Gesamtschule Ossendorf, die dort ebenfalls im Interim untergebracht war, konnte zum Start dieses Schuljahres wie berichtet in ihr neues Gebäude einziehen – das in nur zweieinhalb Jahren fertigwurde und zeigte: Köln kann Schulbau auch schneller.
Doch im Schuljahr 2028/29, kurz vor dem Umzug, erwartet Niessen, dass es in Vogelsang eng werde, denn die dort ebenfalls ansässige Gesamtschule Wassermann wächst jedes Jahr weiter an. Niessen sagte: „Zu Beginn des Jahres werden wir ein Platzproblem kriegen.“ Dafür gelte es noch, eine Lösung zu finden.
Heliosschule: Probleme beim Bau, aber pädagogisches Leuchtturmprojekt
Die Heliosschule verfolgt einen Ansatz, der Lernende ganzheitlich begleiten soll, also von der ersten bis zur 13. Klasse. Formal besteht die Heliosschule aus einer städtischen Grundschule und einer städtischen Gesamtschule. Der Gründungsjahrgang, die Erstklässler aus dem Jahr 2015, machen dieses Jahr ihr Abitur. Sie haben ihre gesamte Schullaufbahn in Interims verbracht.
Dabei ist das Schulgebäude, das Lernlandschaften statt geschlossener Klassenzimmer bieten soll, essenziell, um das pädagogische Konzept der Schule umzusetzen. Solche Lernlandschaften stehen bislang nur Teilen der Oberstufe in neuen Räumlichkeiten Am Wassermann zur Verfügung.
Auf der einen Seite hakt zwar der Bau – die konzeptionelle Entwicklung der Heliosschule als erst zweite Universitätsschule bundesweit wird aber als das Leuchtturmprojekt rezipiert, als das es auch geplant war. Es ist die einzige Universitätsschule mit einem Schwerpunkt auf der Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Niessen berichtet, es komme so gut wie jede Woche eine Delegation einer anderen Uni aus dem deutschsprachigen Raum vorbei, um sich die Arbeitsweise anzusehen.
