Nach Jahren mit Rekordausgaben kündigt die Stadt einen Kurswechsel an. Angesichts knapper Kassen sollen Schulbauprojekte kostengünstiger geplant werden – obwohl der Sanierungsstau weiterhin enorm ist.
Sanierungsstau weiter enormKöln will künftig am Schulbau sparen – Das sind die teuersten Projekte

Bauarbeiten für das Interim-Schulgebäude der Europaschule in Raderthal – Kölns teuerstes Schulbauprojekt (Archivbild).
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Zehn Jahre lang galt dem Schulbau in Köln die „höchste Priorität“, so sagte es die ehemalige Oberbürgermeisterin Henriette Reker während ihrer Amtszeit von 2015 bis 2025 mehrfach. Das hieß auch: fast egal zu welchem Preis. Das war nötig, weil davor Jahrzehnte lagen, in denen in Köln viel zu wenig Geld in die Schulen geflossen ist, so war man sich in Rat und Verwaltung lange weitestgehend einig. Doch diese zehn Jahre der großen Investitionen in den Schulbau sind jetzt vorbei. Kämmerin Dörte Diemert hatte vorige Woche angekündigt, auch beim Schulbau künftig sparen zu wollen.
Auch die Schulpolitiker, die sich selbst als Lobbyisten der Schulen bezeichnen, wollen künftig Projekte in den bisherigen teils „schwindelerregenden Höhen“ (Bärbel Hölzing, Grüne) nicht mehr abnicken. „Dass wir teilweise 200 Millionen Euro für eine Schule ausgeben, ist inakzeptabel“, sagt Oliver Seeck (SPD) und ist sich darin mit Helge Schlieben (CDU) einig. Gleichwohl bleibt der Sanierungsstau ungebrochen groß und die zahlreichen schon geplanten Großprojekte im Schulbau sollen fortgeführt werden.
Dass wir teilweise 200 Millionen Euro für eine Schule ausgeben, ist inakzeptabel
Schulbau fast um jeden Preis. Köln präsentiert sich gerne als Bildungsstadt im Aufbruch: Neue Schulbauten wie das Hansa-Gymnasium oder die Nippeser Grundschule an der Friedrich-Karl-Straße stehen für moderne Architektur, zeitgemäße Lernkonzepte und ausgezeichnete Gestaltung – für die Kaiserin-Augusta-Schule gab es sogar einen Architekturpreis.

Das neue Gymnasium an der Brügelmannstraße
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Zuletzt entstanden Schulen in Rekordzeit, das Gymnasium Brügelmannstraße in Deutz hatte eine Bauzeit von nur zweieinhalb Jahren, dank des Investorenmodells. Dann ist nicht die Stadt selbst Bauherrin über ihre Gebäudewirtschaft, sondern ein privater Partner errichtet das Schulgebäude und die Stadt mietet es langfristig an. Die frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagte bei der Eröffnung in Deutz: „Wir schöpfen alle Möglichkeiten aus, deshalb bauen wir auch Museen um, stapeln Holzmodule oder arbeiten mit privaten Investoren zusammen.“ Allerdings führt das mitunter zu enormen Kosten, schließlich lässt sich ein Investor das bezahlen: Der Mietzins für das Porzer Gymnasium wird die Stadt künftig mit 11 Millionen Euro im Jahr belasten, der der Gesamtschule Kalk im ehemaligen Odysseum mit 8,7 Millionen Euro.

Die 10 teuersten Schulbauprojekte der Stadt Köln
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Zu den größten laufenden Schulbauprojekten, die die Stadt selbst baut, (siehe Grafik) zählen die Europaschule am Raderthalgürtel mit rund 452 Millionen Euro, gefolgt vom Schulzentrum Porz an der Heerstraße mit etwa 420 Millionen Euro und die Generalinstandsetzung des Gymnasiums Kreuzgasse (266 Millionen Euro). Auch bei diesen Projekten lässt sich die Stadt maßgeblich unterstützen und setzt auf General- oder Totalunternehmer. Der Vorteil: Ein Unternehmer führt Planung und Koordination sämtlicher Gewerke aus einer Hand aus, das soll zu weniger Verzögerung beim Bau führen. Der Nachteil: Das kostet die Stadt mehr und macht sie abhängiger.
Allein für die kommenden Jahre weist der Wirtschaftsplan 2025 der Gebäudewirtschaft Investitionen in Höhe von rund 467,5 Millionen Euro für 2026, 585,8 Millionen Euro für 2027 und 538,9 Millionen Euro für 2028 aus. In diesen Summen sind sowohl Neubauten als auch Erweiterungen und umfassende Sanierungen enthalten. Hinzu kommt, dass sich die Projekte in unterschiedlichen Bauphasen befinden und sich damit sowohl Kosten als auch Fertigstellungstermine über viele Jahre erstrecken.

Jahrelang wurde das Hansagymnasium in der Innenstadt saniert.
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Neben den Investitionen und den Mieten fließen jährlich zusätzliche Mittel in die laufende Instandhaltung: Für 2026 sind dafür rund 93,9 Millionen Euro vorgesehen, für 2027 etwa 100,7 Millionen Euro und für 2028 rund 109,3 Millionen Euro. Insgesamt summieren sich damit Investitionen und Unterhalt im Schulbereich auf deutlich dreistellige Millionenbeträge pro Jahr – von 2026 bis 2029 fließen rund zwei Milliarden Euro Investitionskosten in den Schulbau.
Haushalt zwingt zum Umdenken. Ab jetzt aber schaut Kämmerin Dörte Diemert angesichts der „wirklich schwierigen Wirtschaftslage“ noch genauer auf die Ausgaben und Investitionen der Stadt Köln: „Wir reden über alles, auch über Bau und Ausstattung von Schulen.“ Es mache einen Unterschied, ob man in anspruchsvoller Architektur oder in Modulbauweise baut. „Wir wollen hier auch weiterhin ein gutes Niveau sicherstellen, aber wir müssen darüber diskutieren, was wir uns in Zukunft leisten wollen.“
Der Sanierungsstau bleibt. Dafür erntete sie teilweise Kritik. Etwa von der Stadtschulpflegschaft, die der Redaktion umgehend schrieb: „Wer beim Schulbau spart, spart an den Zukunftschancen unserer Kinder.“ Und von Johannes Segerath, langjähriger Schulleiter des Berufskollegs Ehrenfeld: „Wenn ich jetzt lese, dass, anstatt die Verwaltung effizienter zu gestalten, bei denen gespart werden soll, für die auskömmlich gesorgt werden muss (siehe Schulgesetz NRW), dann sehe ich eine düstere Zukunft für den Standort Köln.“
Wer beim Schulbau spart, spart an den Zukunftschancen unserer Kinder
Denn abseits der Vorzeigeprojekte belastet der Sanierungsstau den Alltag der Kölner Kinder weiter stark. Zwischen den modernen Neubauten und veralteten Sanierungsfällen liegt eine wachsende Kluft, die Fragen nach Prioritäten und Realität der Kölner Bildungspolitik aufwirft. Die Schulpflegschaft berichtet: „Fehlende Räume, provisorische Lösungen und überlastete Standorte beeinträchtigen die Bildungsqualität und erschweren die Arbeit an den Schulen erheblich.“ Johannes Segerath berichtet, warum das Berufskolleg nicht mehr Erzieher ausbilden konnte: „Wir haben über Jahre vielen motivierten jungen Menschen aus Gründen des Raummangels Absagen müssen. Diese Fachkräfte fehlen heute.“ Er sagt: „Berufliche Bildung ist gleichzeitig Standortpolitik für die Wirtschaft in Köln.“
Einige Fallbeispiele: Seit 16 Jahren wartet die Gemeinschaftsgrundschule Merianstraße in Chorweiler auf eine neue Mensa. Uwe Reich, Schulleiter der Grundschule Alzeyer Straße in Bilderstöckchen, klagt, dass man über einen lecken Unterrichtscontainer auf dem Schulhof einfach eine Plane geworfen habe, anstatt das Loch, durch das es in einen Klassenraum regnet, abzudichten. Das Hölderlin-Gymnasium machte 2025 Schlagzeilen, weil während der Hitzewelle in rund 30 Klassenräumen die Heizungen wegen defekter Thermostate weiterliefen. Johannes Segerath bemängelt: „Die finanziellen Mittel waren in der Vergangenheit oft da – die Umsetzung verlangte den Schulen sehr viel Frustrationstoleranz ab.“
Hoher Sanierungsstau
Die Stadt ist sich der weiterhin bestehenden Probleme bewusst. Nach Angaben der Verwaltung beläuft sich der Instandsetzungsstau laut der jüngsten Untersuchung auf einen „hohen dreistelligen Millionenbetrag“. Die Datenlage sei jedoch nicht vollständig aktuell, da derzeit eine umfassende Neubewertung der Gebäudezustände im Rahmen eines vom Rat beschlossenen Maßnahmenpakets erfolgt. Klar ist damit: Trotz laufender und geplanter Milliardeninvestitionen bleibt ein erheblicher Teil der bestehenden Schulgebäude sanierungsbedürftig – ein Befund, der den hohen Investitionsbedarf der kommenden Jahre zusätzlich unterstreicht.
Und selbst dort, wo gebaut wird oder werden sollte, läuft längst nicht alles rund: Das Porzer Gymnasium wird ein Jahr später fertig als geplant, die Ehrenfelder Heliosschule entwickelt sich zur Dauer-Baustelle, an der sich im Februar die Stadt vom Architekturbüro getrennt hat. Den künftigen Standort für das Gymnasium Neustadt-Nord musste die Stadt im Januar aufgeben, weil der Investor für das Gelände an der Krefelder Straße mehr Geld als geplant verlangte.
Hinzu kommen Platzprobleme, weil die Grundschulen ab dem kommenden Schuljahr für die ersten Klassen einen Rechtsanspruch auf einen Offenen Ganztag umsetzen müssen, und weil die 38 Gymnasien Räume für 3900 weitere Schüler einplanen müssen, die wegen des G9-Abiturs zusätzlich an den Schulen verbleiben.
Wenn man Not hat und bauen muss, passieren unter Umständen so Dinge, wie dass die Kosten davon galoppieren
Schlbau nur noch ohne „architektonische Details“. Diemerts Sparzwang verstehen aber die Schulpolitiker im Rat durchaus. Bärbel Hölzing, schulpolitische Sprecherin der Grünen, sagt, die Ausgaben für den Schulbau hätten „schwindelerregende Höhen erreicht“, weil man eben so hinterherhängt. Darin bestehe das Dilemma: „Wenn man Not hat und bauen muss, passieren unter Umständen so Dinge, wie dass die Kosten davon galoppieren.“
Helge Schlieben (CDU) sitzt dem Schulausschuss vor und sagt, Schulen anzumieten sei in der damaligen Situation „alternativlos“ gewesen. „Dass wir noch Sanierungsbedarf haben, ist klar.“ Auch weil in den vergangenen Jahren eine weiter gestiegene Schülerzahl „viele positive Leistungen im Schulbau aufgefressen hat“. Er nennt aber besagte Schmerzgrenze von 200 Millionen Euro bei den Kosten für künftige Projekte. Auch Oliver Seeck (SPD) teilt diese Grenze, wenngleich er grundsätzlich sagt: „Es ist richtig, Geld in marode Schulen zu stecken, und wir brauchen auch Neubauten.“
Seeck sieht bei künftigen Projekten jedoch durchaus Einsparpotenzial: Bei „überbordender Technik“ wie Lüftungsanlagen, die in der Praxis komplizierter seien als einfaches Fensteröffnen; architektonischen Details wie Terrassen, auf denen oftmals Schülerinnen und Schüler gar nicht unbeaufsichtigt die Pause verbringen dürften; und er schlägt mehr Schulen „von der Stange“ vor, also identische Gebäude überall da, wo der Platz ausreicht, vor allem also in den äußeren Vierteln.
