Die Stadt Köln ändert ihren Kurs für Schulen: Mit einem neuen Plan stellt sie sich nach Jahren des massiven Neubaus nun auf sinkende Schülerzahlen ein.
Sinkende SchülerzahlenStadt Köln plant weniger neue Schulen in den kommenden Jahren

Das neue Gebäude der Gesamtschule Ossendorf ist als Vorzeigeprojekt dieses Jahr fertig geworden.
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Die Entwicklung der Kölner Schulen steht an einem Wendepunkt. Nach Jahren des massiven Neubaus für mehr und mehr Schüler geht die Stadt im neuen Schulentwicklungsplan von einem geringeren Bedarf an Schulplätzen in der Zukunft aus. Trotzdem fehlen weiter Schulplätze – vor allem an Gymnasien, Gesamtschulen und Förderschulen.
Die neue Planung - der letzte Schulentwicklungsplan stammt aus dem Jahr 2023 - zeigt, welche Schulen künftig gebraucht werden und von welchen Standorten sich die Stadt verabschieden könnte. Es ist daher so etwas wie die Roadmap für die Kölner Schulpolitik - und die weist einige Neuerungen auf.
Sinkende Schülerzahlen: Die neue Bevölkerungsvorausberechnung der Stadt zeigt, dass der demografische Wandel inzwischen auch die Schulen erreicht. Bis 2045 soll es fast sechs Prozent weniger Kinder unter 18 Jahren in Köln geben, mehr als die Hälfte dieses Rückgangs wird bereits bis 2035 erwartet. Besonders deutlich ist die Entwicklung im Grundschulalter. Nach einem Anstieg von rund 33.800 Kindern im Jahr 2010 auf knapp 39.900 im Jahr 2024 soll die Zahl der Sechs- bis unter Zehnjährigen bis 2032 auf etwa 35.200 sinken – ein Minus von rund zwölf Prozent. Danach wird wieder ein leichter Anstieg erwartet.
Das ist sicher nicht die schlechteste Nachricht für die Stadt, die sich angesichts klammer Kassen nicht mehr jedes Schulgebäude leisten können wird. Allerdings: Für die Schulen bedeuten die Zahlen zunächst keine Entspannung auf allen Ebenen. Während die Zahl der Erstklässler (2023/2024: 10.000) nach einer weiteren Spitze im Schuljahr 2027/28 bis 2030/31 deutlich auf rund 8400 sinken dürfte, erreichen die weiterführenden Schulen ihren Höhepunkt erst später.
Die Zahl der Kinder zwischen zehn und unter 16 Jahren (2024: 57.900) soll 2029 mit rund 59.500 einen Höchststand erreichen und anschließend bis 2035 auf etwa 54.600 zurückgehen. Ähnlich entwickeln sich die Zahlen der Fünftklässler (derzeit: 9400): Nach voraussichtlich rund 9800 im Schuljahr 2026/27 wird ein deutlicher Rückgang erwartet, auf nur noch etwa 8300 im Schuljahr 2034/35. Für die Kölner Schulentwicklungsplanung zeichnet sich damit ein Wandel ab: Auf Jahre des starken Wachstums folgt eine Phase, in der die Stadt zunehmend mit rückläufigen Schülerzahlen umgehen muss.
Schulformen: Vor allem Haupt- und Realschulen haben an Bedeutung verloren: Ihre Zahl sank seit 2005 von zusammen 54 auf aktuell 33. Gleichzeitig stieg die Zahl der Gesamtschulen von neun auf 25. „Jede neue Gesamtschule hat sich negativ auf die Anmeldezahlen an Haupt- und Realschulen ausgewirkt“, heißt es in dem Papier. Auch bei den Gymnasien bleibt die Nachfrage hoch: Die Stadt schätzt aufgrund einer Elternbefragung und der Werte der vergangenen Jahre, dass künftig 53 Prozent eines Viertklässler-Jahrgangs auf ein Gymnasium und 31 Prozent auf eine Gesamtschule wechseln wollen. Die Anteile für Hauptschulen und Realschulen liegen bei drei beziehungsweise 13 Prozent.
Schuldezernent Robert Voigtsberger hatte jüngst in einem Gespräch mit dieser Redaktion angekündigt, dass die Stadt mittel- und langfristig weniger Hauptschulen benötigen werde. „Die Menschen stimmen mit den Füßen ab. Wir werden mittel- und langfristig darüber sprechen müssen, einzelne Hauptschulstandorte zu schließen“, sagte Voigtsberger.

Schuldezernent Robert Voigtsberger im Gespräch mit der Redaktion Ende August.
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Auslastung: Die Schullandschaft hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten grundlegend verändert. 2024/25 gab es mit 275 Schulen zwar acht weniger als 2005/06, gleichzeitig aber rund 6700 Schülerinnen und Schüler mehr. Die vorhandenen Schulen und Gebäude sind damit heute deutlich stärker ausgelastet.
Seit 2015/16 hat die Stadt Köln fünf neue Grundschulen gegründet, neun neue Schulgebäude errichtet und 29 Schulen erweitert. Dadurch entstanden fast 1000 zusätzliche Schulplätze. Dennoch bleibt der Bedarf in einzelnen Stadtteilen hoch. „Es ist aber weiterhin dringend erforderlich, schnell zusätzliche Schulplätze im Primarbereich zu schaffen“, heißt es in der Planung. Mit einer „Frühwarnliste“ will die Stadt deshalb bis 2035 regelmäßig prüfen, ob das Angebot ausreicht.
Schulbau: Angesichts der im zurückliegenden Jahrzehnt „rasant“ gestiegenen Schülerzahlen, legte die Stadt bisher einen Schwerpunkt auf den Ausbau ihrer Schulen. Das stand auch noch im Plan von 2023 im Vordergrund. Der neue unterscheidet sich vor allem darin, dass jetzt weniger Neubau, dafür eine gezielte Anpassung der bestehenden Schulen erfolgt – „mit Augenmaß“.
In folgenden drei Punkten fasst die Stadt ihre Prioritäten im Schulbau zusammen. Erstens: Neue Schulen, die bislang in provisorischen Gebäuden untergebracht sind, sollen ihre dauerhaften Standorte erhalten. Frei werdende Interimslösungen könnten anschließend anderweitig genutzt oder zurückgebaut werden – etwa im Bürgerpark-Nord und im Toni-Steingass-Park. Zweitens: Die Gymnasien, die nur mit „ad-hoc-Maßnahmen“ zurück zu G9, also 13 Schuljahren, kehren konnten, müssen dauerhafte Lösungen bekommen. Drittens: Bereits vereinbarte dauerhafte Neubauprojekte sollen umgesetzt und vorübergehende Erweiterungen durch Container oder Modulbauten gegebenenfalls zurückgenommen werden.
Zwölf neue Grundschulen oder Gebäude sind in Vorbereitung oder Prüfung, darunter zwei seit diesem Jahr neue Projekte in Fühlingen und nahe dem Rather See in Neubrück. Die Verwaltung streicht hingegen sechs noch 2023 angedachte neue Grundschulen aus ihrer Planung, darunter eine weitere Grundschule in Widdersdorf, eine zweite Grundschule in Rondorf-Nordwest, eine zweite Grundschule für die Parkstadt-Süd und eine zweite Grundschule für Mülheim-Süd.
Je sechs Gymnasien und Gesamtschulen hat die Stadt in den vergangenen zehn Jahren neugegründet, zwei weitere Schulen sind in der Umsetzung (Gymnasium Schubertstraße in Urbach und Gesamtschule Hasental in Deutz), die Gesamtschule Holzheimer Weg ist in Vorbereitung und fünf neue weiterführende Schulen sind im Kontext von Neubaugebieten vorgesehen (etwa Kreuzfeld und Zündorf-Süd). Die Verwaltung streicht aber acht Projekte von ihrer Liste, darunter eine bereits viel diskutierte Gesamtschule in Kalk, ein Gymnasium für Humboldt-Gremberg und ein Gymnasium oder eine Gesamtschule der Parkstadt-Süd.
Verbleiber: Bei der Berechnung des künftigen Platzbedarfs berücksichtigt die Stadt erstmals auch die sogenannten Verbleiber – also Kinder, die länger in der Schuleingangsphase der Grundschulen bleiben und dadurch zusätzliche Kapazitäten binden. Waren es 2015/2016 noch 182 Kinder, stieg die Zahl 2024/2025 auf 482.
Inklusion: Besonders angespannt bleibt die Situation bei der sonderpädagogischen Förderung. Obwohl die Schülerzahlen insgesamt künftig sinken sollen, rechnet die Stadt mit einem weiter steigenden Förderbedarf: Die Förderquote soll von 9,9 Prozent im Schuljahr 2024/25 auf 11,9 Prozent im Jahr 2035 steigen. Auch die Inklusionsquote soll von 6,6 auf 8,4 Prozent wachsen. Vor allem für Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ fehlten Plätze, so die Stadt. Die Stadt sieht deshalb einen erheblichen Ausbau- und Handlungsbedarf – sowohl beim Gemeinsamen Lernen als auch bei den Förderschulen.
Geplant sind neue Förderschulstandorte und Übergangslösungen, unter anderem durch die mögliche Umnutzung freiwerdender Schulgebäude. So wird etwa geprüft, ob der bisherige Hauptschulstandort an der Reutlinger Straße künftig für Kinder mit dem Förderschwerpunkt „Geistige Entwicklung“ genutzt werden kann. Gleichzeitig soll das Gemeinsame Lernen an weiteren Gymnasien und Gesamtschulen ausgebaut werden. Allerdings könnten Schließungen oder Verkleinerungen von Haupt- und Realschulen auch inklusive Schulplätze kosten. Die Stadt fordert deshalb vom Land unter anderem höhere Richtwerte für Plätze im Gemeinsamen Lernen und zusätzliches Personal.
